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Haarausfall

"Perücken sind ein Tabuthema"

Haarausfall Bilderbox
Haarausfall hat viele Ursachen und kann jeden treffen (Symbolbild).

Haarausfall kann viele Ursachen haben, nicht immer liegt es am Alter. Auch Stress oder Krankheiten können zum Verlust der Haarpracht führen. Besonders für Frauen bedeutet das oft eine psychische Belastung. Betroffene haben in Salzburg seit Donnerstag einen neuen Ansprechpartner. Mit Perücken will "Headdress" für mehr Lebensqualität sorgen.

Mit den Haaren gehe auch das Selbstbewusstsein verloren, weiß Silvia Fuchs. Gemeinsam mit ihrem Mann Peter hat sie in der Stadt Salzburg am Donnerstag das Zweithaar-Institut „Headdress“ eröffnet.

Kreisrunder Haarausfall

Künstliche Haare seien vielfach noch ein Tabuthema. „Viele Betroffene glauben, sie sind alleine mit diesem Problem“, erklärt Peter Fuchs. So erging es auch Mitarbeiterin Tanja Fleischmann. Sie trägt selbst Perücke und hat „Alopecia areata“ – kreisrunden Haarausfall.

Bei dieser Immunreaktion greifen die weißen Blutkörperchen die Haarfollikel an. Dadurch stoppen sie das Wachstum der Haare. Meistens fallen die Haare am Hinterkopf in kreisrunder Form aus. Die kahlen Flecken können sich ausbreiten oder auch wieder zuwachsen. Fällt das Haupthaar innerhalb kürzester Zeit komplett aus, sprechen Fachleute von „Alopecia totalis“. Beschränkt sich der Haarverlust nicht nur auf den Kopf, sondern zeigt sich am ganzen Körper, handelt es sich um „Alopecia universalis.“

Betroffen sind Männer und Frauen, meist tritt die Krankheit bereits im Kindesalter auf. Die Haarwurzel bleibt allerdings erhalten und kann auch wieder zu wachsen beginnen.

 

Fuchs: "Frauen ohne Haare als krank abgestempelt"

Für viele ihrer Kundinnen und Kunden sei der Haarausfall eine große Belastung, erläutert Silvia Fuchs. Schwieriger sei es für Frauen: „Während eine Glatze bei Männern gesellschaftlich akzeptiert ist, werden Frauen ohne Haare sofort als krank abgestempelt.“ 95 Prozent ihrer Kundschaft seien deshalb weiblich, die meisten besorgen sich eine Perücke in Folge einer Chemotherapie oder wegen Haarausfalls.

Große Angst: Haarverlust bei Chemo

Wie wichtig die Haare für das Wohlbefinden sind, zeige sich auch in Extremfällen: „Eine Krebspatientin wollte keine Chemotherapie machen, weil sie ihre Haare nicht verlieren wollte. Wir haben dann so lange nach einer Perücke gesucht, bis die passende gefunden wurde. Sie hat die Chemo dann doch gemacht, ihr Onkologe hat sich später bei uns bedankt“, schildert Silvia Fuchs.

Bei den Beratungen braucht es deshalb entsprechendes Feingefühl. Dafür werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an der Krebsakademie des Ordens Klinikums Linz geschult. Gegründet wurde das Unternehmen übrigens auf Anregung eines Linzer Onkologen.

Kasse zahlt Zuschuss für Perücken

Der Bedarf sei überraschend groß, erzählt Peter Fuchs: „Immer mehr jüngere Menschen wenden sich auch an uns, oft ist der Haarausfall stressbedingt.“ Im letzten Jahr hat die Krankenkasse in Salzburg für 309 Perücken einen Zuschuss gewährt, informiert die SGKK auf SALZBURG24-Anfrage. Der Zuschuss betrage „höchstens das Achtfache der Höchstbeitragsgrundlage“, letztere ist für 2019 mit 174 Euro ausgewiesen.

Erfahrungsgemäß könne damit eine gute Perücke finanziert werden, sagt Peter Fuchs. Doch was macht eine „gute Perücke“ aus? „Sie soll leicht sein, von allen Seiten frisierbar und man sollte die Kopfhaut durchsehen“, zählt Silvia Fuchs auf. Eine Mischung aus Kunst- und Echthaar sei am beliebtesten.

 

Künstliches Haar "entstauben"

Das Ehepaar will mit seinem Team Perücken von ihrem staubigen Image befreien und die Hemmschwelle für jene senken, die von Haarausfall betroffen sind. „Man holt die Kunden aus einem Loch heraus und stärkt das Selbstbewusstsein.“

Aufgerufen am 23.03.2019 um 03:09 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/stadt/haarausfall-peruecken-sind-ein-tabu-thema-66884818

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