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Hexenkessel Großes Festspielhaus - Paul Anka in Salzburg

Paul Anka begeistert das Publikum im großen Festspielhaus. Der Entertainer war im Rahmen des Salzburger Jazzherbstes in der Stadt um zu verzaubern.

Äußerlich unterscheidet sich das Publikum des Salzburger Jazzherbstes kaum von jenem der Festspiele oder der Kulturvereinigung. Viele graue oder schütter behaarte Männerköpfe, viele Damen gefönt und bürgerlich aufgebrezelt. Am Ende der Gala von Paul Anka gestern, Sonntag, zum Abschluss des Salzburger Jazzherbstes 2011 aber war von steifer Etikette nichts mehr zu merken. Sakkos flogen weg, Arme wogten in der Luft, Hüften wippten gefährlich weit und Frisuren lösten sich auf im "Hexenkessel Großes Festspielhaus". Da wurde getanzt und gefeiert wie bei einer Ü-50-Jubiläumsparty. Salzburg hat sich von einem großen amerikanischen Entertainer, Paul Anka mitreißen und begeistern lassen.

Paul Anka einfach fulminant

Schon der Start von Paul Anka war fulminant: Mit seinem Welthit "Diana" aus dem Jahr 1957 brachte der 70-Jährige sein Auditorium von Anfang an zum Toben, Mitklatschen und Sorgen-Vergessen. Es folgten alle Hits aus der eigenen Feder wie "You are my Destiny", "Put your Hand on my Shoulder", "My Way" (Text: Paul Anka), "Lonely Boy" oder die 2009 gemeinsam mit Michael Jackson geschriebene, wirklich gute Ballade "This is it". Der Kanadier lieh sich darüber hinaus Rock- und Rock&Roll-Klassiker, bediente sich im Country, spielte den großen Sammy Davis Junior per Video ins Festspielhaus, sang ein Duett mit ihm und verglich sich ungeniert mit Mozart: "Der hat Symphonien geschrieben, ich habe 'Diana'. Der war ein Performer, ich auch. Der hatte enorme Kraft, genau wie ich." Nein, an Ego und Selbstsicherheit mangelt es Paul Anka nicht, und tatsächlich hat er guten Grund dafür. Seine Stimme funktioniert für einen 70-Jährigen sensationell. Die am Vortag auf derselben Jazzherbst-Bühne aufgetretene Dionne Warwick deutete stimmlich fast nur noch an, ließ sich von vergleichsweise "billigen" Computern begleiten und präsentierte sich als Unterhaltungs-Diva weit über ihrer Zeit. Dem gleichaltrigen Paul Anka kann das nicht vorgeworfen werden. Von überwältigender Energie getrieben überrumpelte Anka die Stadt mit locker-souveränen Witzen, die wirklich dem Moment entsprangen, und direktem Publikumskontakt am dünnen Grat zwischen "sympathisch und überheblich". Radikal-Kitsch mit Fotos aus dem unerträglich amerikanischen Familienalbum und selbstverliebte Videos von den eigenen Jugenderfolgen strapazierten und funktionierten. Aber die sowohl musikalisch als auch szenische Bühnenperfektion war atemberaubend, das bekommt sogar das Festspielhaus nicht alle Tage zu sehen. Von den jazzigen, rockigen oder orchestralen Popsounds der sehr, sehr guten elf-köpfigen Band bis hin zum Mikrofonkabel-Zurückzieher - zumindest formal stimmte alles in dieser Show.

Paul Anka im Rat Pack Style

Ist das Jazz oder kitschig-amerikanische Unterhaltung, mit dem der Jazzherbst da beendet wurde? Diese Frage ist ebenso berechtigt wie obsolet. Es ist auf dem Jazz basierender Gala-Pop von höchster Professionalität in der Entertainment-Tradition von Franz Sinatra oder Sammy Davis Junior. Es ist Musik, die vielfach den Weg ins Great American Songbook geschafft hat und den Weg zum Publikum noch heute findet. Mühelos. Paul Anka ist ohne jeden Zweifel ein Großer seiner Zunft. (APA)
(Quelle: S24)

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