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"Wir haben die perfekte Welle am Almkanal"

Salzburger Surferin Inka Minimayr im Interview

Die Welle am Almkanal im Salzburger Stadtteil Gneis ist längst kein Geheimtipp mehr. Eine Woche vor dem ersten ALMjam-Contest haben wir mit Inka Minimayr (28) über die Salzburger Surfszene, Besonderheiten der Almkanal-Welle und die Unterschiede beim Surfen auf Flüssen und Ozeanen gesprochen.

Salzburg

Dank eines nur kleinen Einbaus im historischen Salzburger Almkanal ist im Jahr 2010 eine künstliche, zu surfende Welle entstanden – Surfen im Binnenland war geboren. Mittlerweile ist die Welle über die Stadtgrenzen hinweg bekannt.

SALZBURG24: Seit nunmehr neun Jahren gibt es die Almkanal-Welle. Wie hast du die Entwicklung verfolgt?

INKA MINIMAYR: Als ich nach der Matura nach einer längeren Reise heimgekommen bin, hat die Stadt Salzburg uns die Welle wortwörtlich vor die Haustüre gesetzt. Damals habe ich noch bei meinen Eltern gelebt, die in der Siedlung nebenan wohnen. Anfangs war die Welle für Kajakfahrer gedacht. Die hatten aber einige Probleme mit der Fließgeschwindigkeit und dem sehr begrenzten Platz. Für uns Surfer war die Welle aber auch nicht optimal, weil die Boards viel zu groß und instabil gebaut waren. Wir sind immer links und rechts an die Betonwände angefahren. Es war ein harter und langer Kampf. Heute ist die Welle so optimiert, dass die Allermeisten schon in ihrer ersten Session am Board stehen können.

Wie hat alles begonnen?

Maßgeblich für die Entwicklung verantwortlich war Daniel Schur, der am Almkanal wahre Pionierarbeit geleistet hat. Er hat kurze Styroporplatten besorgt, die nicht so teuer waren. Und plötzlich konnte man tatsächlich auf der Welle stehen.

SB, Almkanal, Surfen, Welle, SALZBURG24/ Marcel Wurzer
Die Almkanal-Welle in Salzburg-Gneis lockt zahlreiche Surfer an.

Jedes Jahr zur Almabkehr wird die Welle gewartet und es werden laufend Verbesserungen zugunsten der Surfer eingearbeitet. Dadurch wurde es mit jedem Jahr besser. Das heißt, sie ist kräftiger, bekommt mehr Druck und ist sauberer zu fahren. Mittlerweile haben wir da eine ziemlich perfekte Welle. Nur nach der Almabkehr muss sich jeder an die neuen Gegebenheiten gewöhnen. Dann kann plötzlich keiner mehr surfen (lacht).

Wer kümmert sich um die Instandsetzung?

Im letzten Jahr hat die Interessensgemeinschaft Riversurfing Austria die Wartung der Almkanal-Welle von der Stadt Salzburg übernommen. Dazu kommen viele freiwillige Surfer aus der Community. Jeder packt mit an.

Ist die Almkanal-Welle immer gleich?

Sie ist nicht ganz konstant, aber immer surfbar. Die Welle verändert sich schon ein bisschen, vor allem nach Regenfällen. Sie wird ja reguliert, also fehlt manchmal etwas Wasser oder sie zieht stärker.

Siehst du die Gefahr eines Almwellen-Hypes?

Ja und nein. Einerseits merkt man schon den Hype in den letzten Jahren und es gibt mittlerweile im Sommer kaum noch eine Zeit, in der nicht so viel los ist. Andererseits finde ich es aber extrem schön, dass so viele Leute diese Leidenschaft teilen. Der Ort zieht so viele verschiedene und sympathische Menschen an. Ich sehe das grundsätzlich positiv.

Seit wann surfst du und wie kam es überhaupt dazu?

Nach der Matura bin ich 2010 mit meiner Cousine für drei Monate durch Australien gereist. Dort ist Surfen Nationalsport. Das hat uns sehr beeindruckt. Seitdem lässt uns die Leidenschaft einfach nicht mehr los. Surfen ist ein sehr vielseitiger Sport, bei dem der gesamte Körper trainiert wird. Mir taugt die Kombination aus der Natur, ihren unberechenbaren Kräften und der eigenen körperlichen Anstrengung.

Inka Minimayr, Surfen, SALZBURG24/ Marcel Wurzer
Seit fast zehn Jahren ist Inka Minimayr leidenschaftliche Surferin.

Woher kommt deine Verbundenheit zum Wasser?

Das habe ich schon immer in mir drin. Wasser ist mein Element. Als Kind war ich schnell hibbelig. Aber so bald Wasser da war, hat alles wieder gepasst.

Wie groß ist denn die aktive Salzburger Surfszene?

Der Kern besteht aus etwa 25 bis 30 Leuten. Aber es kommen immer wieder viele neue Gesichter dazu, die nur einen Sommer oder auch ein paar Jahre bleiben. Es ist ein ständiges Kommen und Gehen.

Und wer sind Salzburgs Surf-Aushängeschilder?

Daniel Schur ist zweifacher Österreichischer Meister und meine Cousine Christina ist Staatsmeisterin auf der Wiener City Wave geworden, genauso wie Manuel Burger bei den Herren. Lukas Haigermoser gehört sicher auch zu den Aushängeschildern. Wir sind in Salzburg schon gut dabei.

Kann man davon leben?

Geld verdienen kann man schon, davon leben eher nicht. Der Sport ist noch so jung, da wird sicher noch einiges passieren.

Wie wird sich die Sportart deiner Meinung nach weiterentwickeln?

Der Trend ist ungebrochen, es wird immer mehr. In Wien entsteht am Donaukanal in Zusammenarbeit mit der Universität für Bodenkultur eine neue Welle. Auf der Saalach in Bad Reichenhall soll nun auch endlich eine realisiert werden.

Ich denke, dass wir gemeinsam darauf achten müssen, die Zukunft dieser Sportart nachhaltig zu planen. Natürliche Ressourcen müssen genutzt werden, wie die nun im Bau befindliche Welle in Ebensee in Oberösterreich. Wir haben in ganz Österreich herrliche Bedingungen mit unseren Seen und Flüssen. Die Menschen wollen mehr Zeit in der Natur verbringen und eine Surfwelle ist ein echt cooles Angebot im Sommer.

Zumal ja auch im Winter gesurft wird.

Das stimmt. Jedes Jahr trifft sich die Salzburger Szene zum traditionellen Weihnachtssurfen mit Punsch und Keksen an der Almkanal-Welle.

Wo surfst du am liebsten, wenn du nicht an der Almwelle bist?

Eine großartige Flusswelle ist in der Traun in Bad Ischl, die mag ich wahnsinnig gern. Der Münchner Eisbach ist auch toll, wie jede natürliche Flusswelle eigentlich. Und das Meer natürlich.

Was sind die Unterschiede zwischen Meer und Fluss?

Die Ausgangslage ist ganz unterschiedlich. Im Fluss kann man von der Seite reinspringen oder mit einem Seil einsteigen. Im Almkanal ist sogar ein Start im Sitzen möglich. Du stellst dich rauf und surfst. Im Meer passiert Drumherum viel mehr. Man muss es sich viel mehr erarbeiten, um auf der Welle zu stehen. Dafür ist das Gefühl ein ganz anderes – es ist unbeschreiblich schön.

Ich vergleiche das gern mit Wintersport. Mit dem Lift geht es zuerst hoch auf den Berg und dann will man doch so viele Powder-Lines wie möglich fahren. Bei einer Skitour aber geht’s gemächlich hoch und die anschließende Abfahrt wird einfach nur genossen. Und ungefähr so ist es mit dem Surfen im Meer. Nach dem Rauspaddeln bleibt man erst ein Weilchen sitzen und beobachtet die Wellen, um schließlich den einen Ride zu erwischen, den man dann wirklich surfen kann. Es ist ein viel weiterer Weg als der Sprung in den Almkanal.

Ist Surfen eigentlich schwer?

Auf dem Meer auf jeden Fall, weil es so unberechenbar ist. Da kann Surfen eine der härtesten Sportarten überhaupt und sehr deprimierend sein (lacht). Auf stehenden Wellen ist es eigentlich nicht so schwierig, weil viele der Faktoren aus dem Meer wegfallen. Es sind sehr unterschiedliche Arten des Surfens. Auf der Almkanal-Welle ist der Einstieg einfach und man kommt viel schneller zu Erfolgserlebnissen.

Welche Tipps hast du für Anfänger?

Im Sommer braucht man eigentlich nur Badesachen und ein Brett, das man sich in den Salzburger Surfshops ausleihen kann. Ein Helm schadet am Anfang sicher auch nicht.

Wie hoch ist die Verletzungsgefahr im Almkanal?

Erstaunlich gering. Die häufigsten Verletzungen sind Schnittwunden, die am Ende der Welle durch Steine oder zerbrochene Glasflaschen am Grund des Kanals entstehen. Immer wieder treiben Bierflaschen durch den Almkanal. Das ist mehr als unnötig. Was auch vorkommen kann, ist, dass man vom eigenen Brett am Hinterkopf getroffen wird, wenn es aus der Walze rausschießt. Aber die Hände über dem Kopf oder ein Helm verhindern auch das. Es ist eigentlich immer jemand an der Welle und die Szene ist extrem hilfsbereit.

Nun kommt ihr am kommenden Wochenende zum ALMjam zusammen. Was hat es damit auf sich?

Vor ein paar Jahren gab es schon mal einen Contest am Almkanal. Es hat sich bis zuletzt einfach niemand gefunden, der das organisiert. Letztes Jahr wurde mit einem Jugend-Workshop begonnen und heuer wird es als ALMjam fortgeführt. Ich bin schon sehr gespannt, weil solche Dinge die Sportart beleben. Es finden auch Workshops für Neulinge statt (Anmeldung erforderlich, Anm.). Ansonsten veranstalten wir im Herbst vor der Almabkehr ein Spaß-Event und jedes Frühjahr trifft sich die Surf-Community zum "Crown of the Traun" in Oberösterreich.

SB, Almkanal, Surfen, Welle, SALZBURG24/ Marcel Wurzer
Die Almkanal-Welle in Salzburg-Gneis lockt zahlreiche Surfer an.

Worauf kann man sich beim ALMjam freuen?

Auf jede Menge nette Leute und eine großartige Show. Das Niveau ist in den letzten Jahren extrem gestiegen und es werden vielfältige Tricks auf der stehenden Welle gezeigt.

Vielen Dank für das Gespräch.

Sonntags-Talk auf SALZBURG24

Wir veröffentlichen jeden Sonntag ein Interview mit besonderen Menschen aus Salzburg – egal ob prominent oder nicht. Wir freuen uns über eure Vorschläge an nicole.schuchter@salzburg24.at.

(Quelle: SALZBURG24)

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