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Salzburgs IT-Sommeruni für Frauen räumt mit Klischees auf

Ditact begeistert Studentinnen für Informatik

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Informatik ist in Österreich immer noch ein männlich dominiertes Berufsfeld. Die Ditact, eine IT-Sommerakademie in Salzburg, möchte das ändern. (SYMBOLBILD)

Eine IT-Sommerakademie ausschließlich für Frauen: Das ist die „Ditact“ der Uni Salzburg. Ziel der Ferienkurse ist es, mehr Studentinnen für Computerwissenschaften zu begeistern und ihnen Selbstbewusstsein für eine Branche zu geben, die nach wie vor Männerdomäne ist.

Salzburg

Frauen sind in der Informationstechnologie (IT) gefragt wie nie zuvor. Dennoch wird nur jeder fünfte Informatik-Studienplatz in Österreich von einer belegt, zeigt die aktuellste Studierenden-Sozialerhebung. Dabei wären gerade in dieser Branche angesichts des Fachkräftemangels – laut WKO fehlen in Österreich mindestens 24.000 Informatiker:innen – die Jobaussichten ausgezeichnet, der Verdienst überdurchschnittlich hoch. Warum sich viele Frauen das entgehen lassen und wie die Ditact-Sommerakademie der Uni Salzburg das ändern will, hat uns Organisatorin und Gründerin Ursula Maier-Rabler erklärt.

PDF: Studierenden-Sozialerhebung 2020

Warum so wenig Frauen in der IT?

„Frauen wird ein Studium oder Beruf im MINT-Bereich oft immer noch ausgeredet“, klagt sie im Gespräch mit SALZBURG24. Das Klischee, dass Frauen im Mathematischen und Technischen weniger fähig wären, halte sich hartnäckig. Dabei läge es häufig nicht an mangelndem Talent, dass kaum Frauen in der IT Fuß fassen. „Die Ausbildungen sind einfach nicht attraktiv genug für Frauen“, stellt Maier-Rabler fest. Deshalb würden selbst jene, die ein Informatik-Studium beginnen, oft nicht bis zum Abschluss kommen. Inhalte, Lehrmethoden, Prüfungsmodi – die Didaktik sei auch heute noch hauptsächlich von Männern gemacht und gehe an den Bedürfnissen von Studentinnen vorbei.

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"Es braucht mehr Frauen in der IT", findet Ditact-Organisatorin Ursula Maier-Rabler.

Ditact will zum Umdenken bewegen

„Von Frauen für Frauen“ ist deshalb seit jeher das Motto der jährlich stattfindenden Ditact. Nur vereinzelt finden sich Männer unter den Vortragenden. Anhand von weiblichen Vorbildern soll gezeigt werden: Frauen in der IT sind selbstverständlich. Einen Nachhilfe-Charakter der kostenpflichtigen Kurse, die Online und im Unipark abgehalten werden, vermeide man tunlichst: „So ein Defizitansatz würde sagen: Frauen können es nicht so gut, Frauen brauchen da mehr Hilfe – was nicht stimmt.“ Stattdessen soll ein „Anspruchsansatz“ vermittelt werden: „Wir wollen den Studentinnen zeigen: ‚Natürlich kannst du das‘“, erklärt die Kommunikationswissenschaftlerin.

 

Unternehmen wollen mehr Informatikerinnen

In den vergangenen zwei Jahrzehnten – die Ditact feiert heuer ihr 20-jähriges Jubiläum – habe sich bereits einiges in der Branche verbessert, meint sie. „Die Unternehmen haben mittlerweile begriffen: Es braucht mehr Frauen in der IT“, so Maier-Rabler. „Denn wir hätten ganz andere Innovationen, wenn es mehr Input von Frauen gäbe.“ Firmen würden deshalb händeringend nach Informatikerinnen suchen.

Netzwerken bei Sommerakademie

Eine erfreuliche Entwicklung sei auch, dass sowohl die Vortragenden als auch die jährlich etwa 200 Teilnehmerinnen die Sommerakademie nutzen, um zu netzwerken. „Das war so nicht geplant, aber ist natürlich schön zu beobachten“, findet die Ditact-Organisatorin. Zu bedauern sei hingegen, dass sich an den IT-Ausbildungen in Österreich kaum etwas verändert habe. „Hier sind die Strukturen weiterhin sehr zähflüssig“, schließt sie daraus.

Neue Fakultät Uni Salzburg Land Salzburg/Neumayr/Leopold
v.l.: Landesrätin Andrea Klambauer (NEOS), Dekan der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Arne Bathke, Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) und Rektor Universität Salzburg Hendrik Lehnert. 

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Geschlechterexklusiver Ansatz in der Kritik

Die heurige Ditact wird für Maier-Rabler die letzte sein, die sie organisiert. Sie geht in Pension. Was sie sich von ihrer Nachfolge wünscht? „Eine Frau wäre mir natürlich am liebsten“, lacht sie. Obwohl der geschlechterexklusive Ansatz der Ditact immer wieder in der Kritik stand, hofft sie auf dessen Beibehaltung. Natürlich sei es einfacher, Vortragende und interessierte IT-Studierende zu finden, würde man auch Männer inkludieren – weil es eben mehr Männer in der IT gibt. „Aber dann muss man sich bei der Suche eben mehr anstrengen“, findet die Professorin. „Bisher haben wir ja auch Vortragende für uns gefunden.“

Die Anmeldung für die heurige Ditact ist noch bis 7. August möglich.

(Quelle: SALZBURG24)

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