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Klimawandel mit Risiken und Chancen für Salzburg

Welche Folgen hat der Klimawandel - auch für Salzburg? dpa
ILLUSTRATION - Ein Thermometer wird am Dienstag (26.07.2011) in Berlin vor die Sonne gehalten. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) prognostizierte auf seiner Pressekonferenz am Vormittag bis zum Jahr 2100 in Deutschland einen durch Klimawandel bedingten Temperaturanstieg von rund vier Grad Celsius sowie die damit verbundenen trockeneren Sommern und n?sseren Wintern. Foto: Tobias Kleinschmidt dpa/lbn +++(c) dpa - Bildfunk+++

Bei einem Workshop an der Universität Salzburg haben am Freitag Experten darüber diskutiert, wie das Land Salzburg vom Klimawandel betroffen ist - mitsamt allen Risiken und Chancen. So werden in Zukunft nicht nur Extremereignisse zunehmen und Herausforderungen für den Skitourismus entstehen - wärmeliebende Pflanzen wie Weintrauben und Sojabohnen könnten verstärkt Einzug im Bundesland halten.

Im September 2014 wurde der sogenannte Sachstandsbericht zum Klimawandel in Österreich präsentiert. Die detaillierte wissenschaftliche Darstellung widmet sich auf fast 1.100 Seiten der Frage, wie der Klimawandel das Land verändert hat und verändern wird und wie auf die neuen Herausforderungen reagiert werden kann. Ziel des Workshops war es, die Bedeutung der Ergebnisse für Salzburg zu präsentieren.

Klima wird immer wechselhafter

Die Forscher sind sich dabei einig, dass Extremereignisse wie Überschwemmungen und Muren oder längere Trockenperioden nach niederschlagsreichen Phasen zunehmen werden. "Wir müssen uns auf diese Eventualitäten einstellen", betonte der Innsbrucker Klimawandelforscher Johann Stötter. Um bis zu vier Grad Celsius könnte sich die Durchschnittstemperatur bis zum Ende des 21. Jahrhunderts erhöhen. Gelänge es, die Emissionen an Treibhausgasen global einzudämmen, wäre ein Plus von vielleicht "nur" zwei Grad möglich, so Stötter.

Schneedecke zieht sich zurück

In Salzburg könnte davon besonders der Tourismus betroffen sein. "Allerdings gibt es für den Alpennordrand, die inneralpinen Gebiete und den Alpensüdrand völlig unterschiedliche Vorzeichen", erklärte der Innsbrucker Klima- und Tourismusforscher Robert Steiger. Während einige "Gunstlagen" vom Skitourismus noch lange profitieren werden, werde sich die Schneedecke überall in die Höhe zurückziehen. Mit Folgen: "Bei einer Erwärmung um zwei Grad verdoppelt sich der Aufwand für künstliche Beschneiung - mit all ihren Folgekosten." Investitionen oder Zusammenschlüsse von Skigebieten müssten darum in Zukunft genau hinterfragt werden.

Viele Chancen für Landwirtschaft

Der Klimawandel bietet aber auch Chancen, betonte Klimaforscher Stötter. Die Produktivität in der Landwirtschaft werde steigen, die Waldfläche sich ausdehnen. "Und die Sommerfrische im Gebirge wird eine Wiederbelebung erfahren, weil es in den mediterranen Gebieten zu heiß wird." Allerdings kämen die positiven Folgeerscheinungen nicht von alleine. "Es braucht dazu gezielte Aktionen, genauso wie man Maßnahmen setzen muss, um die negativen Folgen des Klimawandels zu bekämpfen."

Salzburg sei hier bei der Umsetzung seiner Klima- und Energiestratege "Salzburg 2050" auf einem guten Weg, betonte LHStv. Astrid Rössler (Grüne). Bereits Ende April sollen erste Ergebnisse präsentiert und konkrete Maßnahmen umgesetzt werden. In einer ersten Etappe will Salzburg den Anteil der erneuerbaren Energien bis 2020 auf 50 Prozent erhöhen und den Ausstoß an Treibhausgasen im Vergleich zum Jahr 2005 um 30 Prozent reduzieren.

Rössler sieht noch einige Hürden

Allerdings sieht sich Rössler auch mit Hürden konfrontiert. "Es mangelt nicht an Fakten, Studien und relativ klaren Handlungsanweisungen, um die dramatischsten Folgen des Klimawandels abzufedern. Das Problem wird in der Politik auch nicht in Abrede gestellt. Aber wenn man konkrete Dinge beim Namen nennt, treten seltsame Verdrängungsprozesse in Kraft", betonte Rössler. Sie stieß zuletzt mit Reformen in der Raumordnung auf großen Widerstand - sei es mit einer "Nachdenkpause" bei der Erweiterung von Einkaufszentren oder ihrem Kampf gegen die Zersiedelung in den Gemeinden.

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