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Kothgasser hat seine Nachfolger-Suche abgeschlossen

Auf der Suche nach einem "Mann der Mitte" für seine Nachfolge hat der Salzburger Erzbischof keine Mühen gescheut.

Der 90. Bischof von Salzburg, der am 29. Mai 75 Jahre alt wird und Mitte April sein Rücktrittsgesuch in Rom eingereicht hatte, hat jetzt seine "Umfrage" in den kirchlichen Gremien Salzburgs abgeschlossen und 250 Briefkuverts mit jeweils mindestens fünf Namensvorschlägen eingesammelt. "Natürlich werden auch einige gleiche Namen darin zu finden sein", sagte der Erzbischof am Mittwochabend am Rande eines Medienempfanges zur APA. Die Briefe mit den rund 1.250 Namen wird Kothgasser in den nächsten Tagen persönlich dem Nuntius in Wien vorlegen.

Rennen um Kothgasser-Nachfolge ist eröffnet

Das Rennen um Kothgassers Nachfolge ist schon längst eröffnet. Obwohl er selbst kirchenrechtlich keinen Einfluss auf die Wahl hat, ließ er nichts unversucht. Der Erzbischof band auf der Suche nach geeigneten Kandidaten die Kirchenbasis ein. Er bat den Pastoralrat, den Priesterrat, die Dechantenkonferenz, das Konsistorium, alle hauptamtlichen Mitarbeiter der Seelsorger und die Vorsitzenden der verschiedenen Verbände um ihre Vorschläge. Er werde mit dem Nuntius alle Namen durchgehen, kündigte Kothgasser an.

Kothgasser ist zuversichtlich

Jene Personen, die mehrmals genannt wurden, würden auf der Liste vorne gereiht. Auch die Bischofskonferenz werde mit den Wünschen der Basis konfrontiert, erklärte der Erzbischof. Dann werde eine verkleinerte Namensliste nach Rom übermittelt und an die Bischofskongregation weitergereicht, welche die Ernennung von Bischöfen vorbereitet. Ob die Wünsche aus Salzburg in dem Dreier-Vorschlag des Vatikans auch berücksichtigt werden, ist ungewiss. Kothgasser ist zuversichtlich: "In dem Dreier-Vorschlag werden so gute Kandidaten stehen, dass das Domkapitel in Salzburg ordentlich ins Schwitzen kommen wird." Die Erzdiözese Salzburg hat die historische Sonderstellung, dass das Domkapitel den Erzbischof aus einem Dreier-Vorschlag des Vatikans wählen darf.

„Sehe dem Tod gelassen entgegen“

Der Papst habe das Rücktrittsgesuch noch nicht angenommen, sagte Kothgasser. Er freue sich jedenfalls schon auf seinen Ruhestand, werde all die zahlreichen Bücher und Biografien wie zum Beispiel über Mozart und Beethoven lesen, denn dazu habe er bisher noch keine Zeit gefunden. Dem Tod sieht er gelassen entgegen. "Ich bin schon neugierig, was auf mich zukommt." Spannend sei, wie sich das Leben mit Gott gestalte und was davon zutreffe, was bisher darüber geschrieben wurde. Bei seinem letzten Medienempfang zeigte sich der 89. Nachfolger des Heiligen Rupert dankbar für die Jahre als Erzbischof in Salzburg, in denen er als Hirte viel von seiner Herde geschenkt bekommen habe. "Es waren aber auch schmerzvolle Erfahrungen dabei, denn die schweren Wunden, die kirchliche Mitarbeiter durch Missbrauch und Gewalt Kindern zugefügt haben, heilen nur sehr, sehr langsam oder gar nicht", bedauerte der Erzbischof. Es schmerze ihn, "dass es nicht gelingt, Schwangeren in Not so beizustehen, dass Abtreibung keine Option mehr ist". Der Dogmatik-Professor und Dekan der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Innsbruck, Jozef Niewiadomski, bekräftigte in einer Rede, dass es kein chemisch reines Christentum geben könne. "Kirche ist nicht das, was sie heute zu sein scheint, denn auch der mit Meerwasser gefüllte Eimer ist noch nicht das Meer". Um das Meer kennenzulernen, müsse man mit ihm leben, auf dem Meer segeln, den Schiffbruch riskieren, zog der Theologe einen Vergleich. "Die kleine Herde war nie das Ziel Jesu Christi", sagte dazu Kothgasser. (APA)
(Quelle: S24)

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