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Krampuslauf in Maxglan

"Wer nur draufdrischt, braucht nicht wiederkommen"

Adolf Sedetka im Sonntags-Talk

Brauchtum wird wieder beliebter. Passend zur Krampuszeit in Salzburg haben wir uns zum Sonntags-Talk mit Adolf Sedetka, Obmann der Maxglaner Teufeln, über die Organisation eines Krampuslaufs, Nachwuchs und Innovation im Brauchtum unterhalten.

Einst kam Sedetka vor über 20 Jahren aus seiner niederösterreichischen Heimat der Liebe wegen nach Salzburg. Aus der anfänglichen Furcht vor den schaurigen Gestalten ist im Laufe der Jahre eine brennende Leidenschaft entflammt. Heuer feiern die Maxglaner Teufel ihr zehnjähriges Jubiläum beim Lauf am 8. Dezember – jahrhundertealtes Brauchtum wird hautnah erlebbar.

SALZBURG24: Am Samstag findet euer Lauf statt. Was kann du uns schonverraten?

ADOLF SEDETKA: Wie gewohnt geht der Krampuslauf über die Bräuhofstraße bis zur großen Präsentation in der Maxglaner Hauptstraße. Anschließend geht’s zurück Richtung Stiegl Brauerei. Mir taugt es voll, dass wir die alte Strecke der altehrwürdigen Horde laufen. Wir haben auch eine krampusfreie Zone eingeplant. 40 Gruppen machen heuer mit, obwohl mich insgesamt über 150 angeschrieben hatten. Ich freue mich drauf!

Wie läuft die Organisation eines Laufs ab?

Etwa ein halbes Jahr vor dem Lauf beginnen wir mit den Vorbereitungen und kontaktieren die Gemeinde bzw. das Magistrat und die Polizei für Absperrungen und weitere behördliche Auflagen. Ein Lauf kostet uns etwa 6.000 bis 7.000 Euro. Wir haben Glück, dass Stiegl und die Maxglaner Wirtschaft hinter uns stehen.Die dringend benötigten Absperrungen müssen schon Tage vor dem Lauf aufgestellt werden. Und jeder Tag kostet uns viel Geld. Ich finde es schade, weildas Brauchtum in Salzburg aufrechterhalten wird und man dafür tief in die Tasche greifen muss. Ich finde, dass da mehr unterstützt werden sollte.

Wie schätzt du generell die Bedeutung der Krampusse und Perchten für Salzburg ein?

Du kannst in Österreich hinfahren, wohin du willst. Salzburg ist bekannt wegen seines Brauchtums – seien es nun Perchten, Kramperl oder Schnalzer. Das ist, was Salzburg einfach hervorhebt.

Maskenausstellung der Maxglaner Teufel FMT-Pictures/MW

Wird gelebtes Brauchtum wieder zum Trend?

Es gibt ein Umdenken zurück zum Brauchtum. In den letzten beiden Jahren merken auch wir, dass es sich junge Leute zu Herzen nehmen, Umsetzungen überlegen und verschiedenen Gruppen beitreten. Allein der Unterschied, dass traditionell nicht draufgedroschen wird, macht einen gewaltigen Unterschied in der Wahrnehmung aus und einen Lauf damit zum Familienerlebnis. Die Zuseher können mit den Läufern reden und Fotos machen – das kommt einfach besser an.

Wie viel Brauchtum steckt noch heute noch bei den Krampusläufen?

In Salzburg wird das Brauchtum gelebt, in Oberösterreich geht’s vielerorts eher um Fantasy und Horror-Masken. Letztes Jahr habe ich bei Facebook jemanden mit mordsgroßen Fledermausflügeln gesehen. Das hat für mich nichts mit der Krampuszeit zu tun. Wenn so einer zu mir kommen würde, kann der gleich wieder heimfahren. Als Veranstalter macht man sich lächerlich damit. Ich kann mich als Obmann doch nicht hinstellen, von Brauchtum reden und eine solche Gruppe laufen lassen.

Welche Innovation braucht das Brauchtum?

Es gehört eine Regelung her, dass die Läufer der gemeldeten Gruppen eindeutig gekennzeichnet werden. Der Veranstalter bzw. die Behörden können dann nachvollziehen, wer hinter einer Maske steckt. Ich bin mir sicher, dass es so weniger Unfälle oder andere unschöne Zwischenfälle geben würde.

Maskenausstellung der Maxglaner Teufel FMT-Pictures/MW

Wie sind die Maxglaner Teufel eigentlich entstanden?

Ich war anfangs bei einer Pass in Oberösterreich, doch die Anreise war weit. Mit deren Hilfe wollte ich dann etwas in Salzburg aufbauen. Meine Tochter hatte dann die Idee zu dem sehr einprägsamen Namen. Dabei fürchtete ich mich als Bub selbst vor den Krampussen. In Salzburg habe ich mich dann damit beschäftigt und fand es schnell faszinierend.

Es ist in den zehn Jahren der Teufeln nie etwas Negatives passiert, es gab auch keine Anzeigen. Ich bin sehr streng als Obmann, es gibt unter mir beim Lauf definitiv keinen Alkohol. Wer nicht spurt, der ist weg. Lieber laufe ich mit einem weniger und habe keine Probleme.

Wie steht es ums Schlagen?

Zuhauen gehört dazu – aber mit Sinn und Maß, wie man es selbst verträgt. Und Kramperl vertragen nichts. Ich will nicht erleben, dass ein Läufer durchdreht. Wer nur draufdrischt, braucht auch gar nicht wiederkommen. Ich will mich als Veranstalter auch nicht bei der Polizei rechtfertigen müssen. Die Gaudi muss im Vordergrund stehen.

Jedes Jahr wieder: Wie nehmt ihr die Angst vor Krampussen?

Sogar bei uns im Verein gibt es immer wieder Leute, die panische Angst haben. Ich rate denjenigen, den Krampus einfach freundlich zu begrüßen. Meistens grüßt er auch zurück und die Angst ist verflogen.

Es ist alles eine Frage der Präsentation. In Kindergärten oder Schulen werden die Figuren mit ein bisschen Gaudi vorgestellt. So nimmst du spielerisch die Angst. Nach der Vorführung in einem Kindergarten haben sich zum Beispiel ein paar Tage später zwei Buben bei uns im Verein angemeldet, die sich vor unserem Besuch noch arg gefürchtet haben. Genau dieser Weg soll es sein.

Wer kann denn alles bei euch mitmachen?

In der Regel dürfen alle bei uns mitmachen. Kinder ab sechs Jahren lasse ich schon unter der Aufsicht der Eltern mitlaufen, aber man kann ja nicht in die Köpfe hineinschauen. Wenn ein paar Neue – auch Ältere – dabei sind, laufe ich als Ordner mit und beobachte das Ganze.

Maskenausstellung der Maxglaner Teufel FMT-Pictures/MW

Und wie oft trefft ihr euch?

Wir treffen uns in der Regel einmal im Monat, um uns auch nicht aus den Augen zu verlieren – darum geht es mir. Mittlerweile sind viele Freundschaften im Verein entstanden. Mit den unterstützenden Mitgliedern sind wir rund 50 Leute. Bei den Sitzungen sind immer einige da und wir haben eine Riesengaudi. Auch wenn wir zu anderen Veranstaltungen fahren, ist die Kommunikation schnell und einfach. Man kann sich aufeinander verlassen und das schweißt auch privat zusammen.

Was gibt dir das persönlich?

Es ist für jeden eine gelungene Abwechslung vom Alltag. Und es entsteht ein Gemeinschaftsgefühl. Bei uns herrscht großer Zusammenhalt. Für mich sind alle Menschen gleich – egal ob mit oder ohne Behinderung, dickem oder dünnen Geldbörserl. Wer nur blöd daher redet und nicht mitmacht, kann wieder gehen – das ist unser Markenzeichen.

Wie kommt Geld in die Vereinskassa?

Geld kommt durch Maskenausstellungen, Fußballturniere, Mitgliedsbeiträge und Sponsoren rein. Aber unser Verein ist nicht gewinnorientiert, denn wir spenden relativ viel an Kindergärten und Bedürftige. Beim Lauf heuer werden wir Spenden für eine Familie in Not aus Maxglan sammeln. Die leuchtenden Augen bei der Scheckübergabe sind Gänsehaut pur und das kannst du gar nicht in irgendeiner Art und Weise mit etwas anderem aufwiegen.

Und was ist dein persönliches Highlight in der Krampuszeit?

Das Wohltätige. Wir machen viel gemeinsam mit der Behindertenschule Taxham. Wenn ich die strahlenden Augen der Kinder sehe, blüht mit das Herz auf. Es gibt nichts Schöneres. Das ist gewaltig, Gänsehaut pur.

Danke für das Gespräch.

Maskenausstellung der Maxglaner Teufel FMT-Pictures/MW
(Quelle: S24)

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