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Kriegsende in Salzburg

Christian Strohmayer, FS 1 TV, und Historiker Jan Diblik bei den Dreharbeiten in Freilassing FS 1 TV
Christian Strohmayer, FS 1 TV, und Historiker Jan Diblik bei den Dreharbeiten in Freilassing

  Das Kriegsende auch in Salzburg jährt sich 2015 zum 70. Mal - die damaligen Ereignisse in einer TV Dokumentation bei FS 1 TV. Im kommenden Mai jährt sich das Ende des 2. Weltkriegs zum 70. Mal.

Auch Salzburg war natürlich von den damit verbundenen Ereignissen, speziell durch den Einmarsch der amerikanischen Truppen und von den Flüchtlingsströmen massiv betroffen. So erscheinen dazu im kommenden Jahr auch diverse Publikationen, es finden Gedenkveranstaltungen und Vorträge statt.
Eine besondere Dokumentation entsteht beim regionalen Community TV Sender FS 1, unter der redaktionellen Leitung des Flachgauers Christian Strohmayer.

Diese filmische Dokumentation und Aufarbeitung wird nicht nur die hinlänglich bekannten Ereignisse, wie z.B. die Übergabe der Stadt Salzburg an die amerikanischen Truppen durch den damaligen Kampfkommandanten Oberst Lepperdinger, die auch in etwas kritischer Betrachtung abgehandelt wird, sondern speziell auch Einzelereignisse und Schicksale in Stadt und Land Salzburg erstmalig zeigen. Besonders auch in den Salzburger Umlandgemeinden sind sehr viele markante Ereignisse weitgehend unbekannt und genau solche Geschehnisse werden in dieser Dokumentation beleuchtet. 

So ist das TV Team im Rahmen seiner Recherchen u.a. auch auf den Salzburger Historiker Jan Diblik gestossen, der mit einem tragischen Ereignis, welches sich in den letzten Kriegstagen in Freilassing (damals Salzburghofen) zugetragen hat, aufwarten konnte.
Ermordeter Airforce Pilot in Freilassing
Im Rahmen der letzten Kampfhandlungen vor Kriegsende wurde in Ainring, ein amerikanisches "Mustang" Jagdflugzeug von der Flak getroffen und musste auf freiem Feld in Sillersdorf bei Freilassing notlanden.
Der Pilot der Maschine, Capt. Chester E. Coggeschall (24 J.), dessen Auftrag bei seinem geplanten vorletzten Einsatz die Suche und Vernichtung noch einsatzfähiger Flugzeuge der Deutschen Luftwaffe war, sollte in weiterer Folge nach Absolvierung der zahlenmässig vorgesehenen Einsatzflüge in die Heimat zurückkehren. 

Er wurde jedoch bei seiner Bruchlandung verletzt und von den ortsansässigen Bauern sowie den dort am Feld arbeitenden französischen Kriegsgefangenen notdürftig erstversorgt. Im Zuge der Gefangennahme sollte der verletzte Pilot und Kriegsgefangene in das Krankenhaus nach Laufen überstellt werden, was jedoch der damalige Bürgermeister von Freilassing vorsätzlich verhindert hat.
Anstatt den Verletzten im Sinne der Genfer Konvention zu versorgen und zu behandeln, wurde er von ihm im Beisein von zwei deutschen Offizieren in unmittelbarer Friedshofsnähe in Salzburghofen ermordet.

Nach Einmarsch der Amerikaner wurde dieses Ereignis entsprechend geahndet, der damalige Bürgermeister wurde als Kriegsverbrecher zum Tode verurteilt und in Bruchsal hingerichtet. Seine auf Wunsch der Witwe überstellte Leiche wurde im Jahre 1946 in der "Philippi Nacht" aus der Aufbahrungshalle in Salzburghofen von Unbekannten verschleppt, der Verbleib des Leichnams ist bis heute ungeklärt.

Dieses Ereignis dessen geschichtliche Aufarbeitung dem Historiker Jan Diblik zu verdanken ist und über dessen Initiative eine Gedenktafel am Friedhof von Freilassing, an der Stelle, wo der amerikanische Pilot nach seiner verbrecherischen Hinrichtung bestattet wurde, angebracht werden soll, stellt ein Beispiel der in der TV Dokumentation gezeigten Ereignisse in Salzburg dar.

Ähnliche tragische Vorfälle, wie jener in Freilassing, werden in dieser Dokumentation unter der Mitwirkung von namhaften Historikern beleuchtet und auch durch Interviews sowie Schilderung von Zeitzeugen bzw. deren Hinterbliebenen untermauert, gedreht wurde/wird an Originalschauplätzen.
Fragwürdige Ereignisse auch in anderen Salzburger Umlandgemeinden
Fragwürdige und geschichtlich bis heute nicht aufgearbeitete Fälle gab es in den letzten Kriegsmonaten übrigens auch in anderen Salzburger Gemeinden, welche einer gesonderten TV Dokumentation unterzogen werden, das Material hiefür liefert u.a. ebenfalls der Historiker Jan Diblik.

Die TV Dokumentation wird im Frühjahr 2015, anlässlich des 70. Jahrestages zum Ende des 2. Weltkriegs und Einmarsches der Amerikaner in Salzburg, auf FS 1 TV und anderen Fernsehkanälen gezeigt und soll auch einen Beitrag dazu leisten, dass sich derartige tragische Ereignisse nicht mehr wiederholen.

Bei der Durchführung der TV Dokumentation legen die Verantwortlichen jedenfalls Wert darauf, dass diese keinesfalls anklagend oder schuldzuweisend ist, sondern eine sachliche geschichtliche Aufarbeitung der damaligen tragischen Ereignisse darstellt, Opfer des Krieges gab es bekanntlich auf allen Seiten.
Das Team um den Redakteur Christian Strohmayer war doch erstaunt und auch bestürzt darüber, dass ähnliche Vorfälle zu Kriegsende, wie jener in Freilassing, sich w.e. auch in Salzburger Gemeinden ereigneten und deren geschichtliche Aufarbeitung offenbar bis heute bewusst oder unbewusst nicht stattgefunden hat.

Von dieser Dokumentation entsteht auch eine DVD, welche für Schulen und andere öffentlichen Einrichtungen sowie allen Interessierten zur Verfügung steht.

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 14.04.2021 um 10:52 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/stadt/kriegsende-in-salzburg-46218502

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