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Krisen-Pflegeeltern

Mama und Papa auf Zeit

"Es ist unser Kind. Egal, wie lange es da ist"

Baby APA/AFP/LOIC VENANCE
Krisen-Pflegeeltern springen ein, wenn Kinder von einem Tag auf den anderen eine neue Familie brauchen (Symbolbild).

23 Kinder haben bei Claudia und Gerhard Winkler ein Zuhause auf Zeit gefunden. Die beiden haben vor sieben Jahren angefangen als Krisenmama und Krisenpapa Kinder zu versorgen, die aus den verschiedensten Gründen nicht bei ihren eigenen Eltern bleiben können. Welche Herausforderungen das mit sich bringt, wie schwer der Abschied von den Kleinen fällt und warum es dringend eine Versicherung für Krisen-Pflegeeltern braucht.

Salzburg

Im Keller des Ehepaars türmen sich die Kisten bis zum Rand gefüllt mit Kinderkleidung in allen Größen. Dazu kommen Spielsachen, Wiegen und Kinderwägen. Sie sind jederzeit dafür gerüstet, dass von einer Stunde auf die nächste ein Kind bei ihnen einzieht. Wie alt das Kind ist und welche Erlebnisse es hinter sich hat, erfahren die beiden aus der Stadt Salzburg meistens erst kurz davor.

Claudia und Gerhard Winkler SALZBURG24/Winkler
Claudia und Gerhard Winkler nehmen seit sieben Jahren Kinder für eine gewisse Zeit bei sich auf.

19 Babys aufgenommen

Der Wunsch nach sozialem Engagement hat das Ehepaar Winkler zu Krisen-Pflegeeltern gemacht. Gemeinsam mit Mann Gerhard hat sich Claudia im Jahr 2011 beim Jugendamt vorgestellt, einen Lebensbericht abgeliefert und einen Kurs für Pflegeeltern absolviert. Drei Monate danach kam der erste Anruf: „Einen Tag später war schon das erste Baby bei uns, eine anonyme Geburt“, erinnert sich die 50-Jährige im Gespräch mit SALZBURG24. Seit dem haben sie 19 Babys bei sich aufgenommen, das älteste Kind war 15 Jahre alt.

„Ich habe auch keine perfekte Kindheit hinter mir, deshalb weiß ich, wie es ist, wenn man wegkommt von den eigenen Eltern“, erläutert Claudia. Jedes Kind komme mit seinem eigenen „Packerl“ bei der Familie an, „uns ist aber egal, warum die Kinder kommen. Ich muss nur wissen: Worauf muss ich bei diesem Kind achten?“

 

Kinder werden Teil der Familie

Die Kleinen werden Teil der Familie, das Flascherl bekommen sie auch einmal vom ältesten der vier Enkel der beiden. „Ich hole das Baby ab und von dem Moment an ist das unser Kind, egal, wie lange es da ist“, erzählt die Krisenmama.

Als Herausforderung sieht sie vor allem, dass leibliche sowie künftige Pflege- und Adoptiveltern im eigenen Haus ein- und ausgehen und man diese – zum Teil – auch mitbetreuen muss. „Die größte Herausforderung ist aber das Kind selbst“, ist sich Gerhard sicher.

Versicherung für Krisen-Pflegeeltern

Sechs Jahre lang war Claudia Krisenmama und schupfte nebenbei noch einen Vollzeitjob. Im März hat sie gekündigt, es ging einfach nicht mehr. Darum sei es ihr ein Anliegen, dass die Krisen-Pflegeeltern sozial- und pensionsversichert werden. Denn ohne breite Unterstützung in der eigenen Familie und einem verständnisvollen Arbeitgeber sei ein Job nebenbei nicht möglich, weiß die Salzburgerin. Die beiden bekommen Pflegegeld, das reiche, um die Kinder gut zu versorgen, „leben könnten wir aber nicht davon“, betont Claudia.

Krisen-Pflegeeltern sollten vor allem flexibel und mit Herzblut bei der Sache sein. Und man müsse klar sagen: „Es ist nicht mein Kind“, sind sich die beiden einig. In der Stadt Salzburg gibt es nur mehr ein weiteres Krisen-Pflegeelternpaar, der Bedarf sei aber groß, versichert das Ehepaar Winkler.

Schwerer Abschied von Pflegekindern

Je länger die Kinder da sind, desto schwieriger fällt dem Ehepaar der Abschied. Für diese Situationen haben sie eine eigene Strategie entwickelt. Nach der Übergabe gehen sie essen, klatschen sich ab und sagen: „Mission erfüllt.“ Anschließend nehmen sie sich drei Tage nur für sich. „Es dauert eine Zeit lang, das muss man auch zulassen“, schildert Claudia.

Zum Abschied bekommt jedes Kind einen Satz Kleidung, Spielzeug und Ausrüstung mit. Außerdem ein Fotoalbum: „Damit sie ihre Geschichte kennen und wissen, sie sind geliebt worden.“ In Kontakt blieb das Ehepaar bisher mit fast allen Kindern: „Es ist schön zu wissen, dass es den Kindern gut geht.“

(Quelle: SALZBURG24)

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