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Laternenairbags gegen "Smartphone-Zombies"

Menschen, die auf Smartphones starren, gehören mittlerweile in Salzburg zum Stadtbild. Die sogenannten "Smombies" sind im Straßenverkehr besonders gefährdet: Jeder 13. Fußgänger in Salzburg ist durch sein Handy abgelenkt. Mithilfe von Laternenairbags will das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) nun auf diese Gefahr aufmerksam machen.

Was Laternenairbags, Gstanzlsänger und essbare Mobiltelefone gemeinsam haben? Sie wollen Fußgänger auf die Gefahr durch Ablenkung im Straßenverkehr aufmerksam machen. Unter dem Motto "Schau auf dich und nicht auf’s Handy!" fordert das KFV volle Aufmerksamkeit im Straßenverkehr. Die Aktion tourt derzeit durch alle Landeshauptstädte und war am Montag auch in Salzburg zu Gast.

Salzburg24 Gstanzlsänger und Laternenairbags machen auf die Gefahr von Ablenkung im Straßenverkehr aufmerksam. Foto: KFV
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Ablenkung häufige Ursache für Unfälle

19 Prozent der Salzburger Fußgänger sind beim Queren einer Straße erkennbar abgelenkt, österreichweit sind es durchschnittlich 29 Prozent. "Der Anteil der Fußgänger, die sich abgelenkt im Straßenverkehr bewegen, steigt kontinuierlich", betont Martin Pfanner vom KFV.  Im Rahmen der Aktion werden an von Fußgängern stark frequentierten Straßenabschnitten Laternenmasten mit weichen Airbags gepolstert. Der provokante Slogan "Ob das nächste Auto auch so gut gepolstert ist? Schau auf dich und nicht aufs Handy!", der auf allen Laternenairbags abgedruckt ist, soll vor allem Fußgänger – aber auch alle anderen Verkehrsteilnehmer – daran erinnern, wie wichtig volle Aufmerksamkeit im Straßenverkehr ist. Zusätzlich dazu fordern Gstanzlsänger die Fußgänger zu mehr Aufmerksamkeit auf: Sie passen ihre Texte der jeweiligen Situation an.

Jeder 13. in Salzburg durch Handy abgelenkt

Unachtsamkeit und Ablenkung sind in Salzburg seit Jahren Unfallursache Nummer eins, informiert der KFV. Auch Fußgänger sind immer häufiger unaufmerksam im Straßenverkehr unterwegs – dank dem ständigen Begleiter Smartphone. Eine aktuelle Beobachtung zeigt, dass jeder 13. Fußgänger in Salzburg durch das eigene Mobiltelefon abgelenkt ist. Die Folge: Allein im Vorjahr haben sich auf Salzburgs Straßen aufgrund von Ablenkung mehr als 100 Unfälle mit Fußgängern, in ganz Österreich waren es 1.560, ereignet. "Fußgänger gehören zur besonders gefährdeten Gruppe im Straßenverkehr", erklärt Verkehrsstadtrat Johann Padutsch (Bürgerliste/Grüne).

Geldstrafe für "Smombies" in Hawaii

In der hawaianischen Hauptstadt Honolulu will man Fußgänger mit einer Geldstrafe dazu bewegen, auf den Verkehr statt auf's Handy zu achten. Sie sollen eine Geldstrafe von bis zu 35 Dollar (etwa 30 Euro) zahlen, wenn sie während des Überquerens einer Straße auf ein elektronisches Gerät schauen. Der Bürgermeister der Stadt, Kirk Caldwell, hatte das Gesetz Ende Juli unterzeichnet. Damit geht erstmals eine Stadt in den USA gegen sogenannte "Smombies" vor, die wie gebannt mit ihrem Smartphone über die Straße laufen und alles um sich herum ignorieren. Telefonieren ist allerdings weiterhin erlaubt - wenn der Blick dabei nicht auf das Handy, sondern auf die Straße gerichtet ist.

Warnung statt Strafe

In den beiden deutschen Städten Köln und Augsburg lief 2016 ein Probebetrieb mit Bodenampeln für Handy-Nutzer an Straßenbahngleisen, um die Unfallgefahr bei Smartphone-Nutzern zu mindern. Bei den in Deutschland an insgesamt fünf neuralgischen Punkten eingesetzten Ampeln handelt es sich um in den Boden eingebaute LED-Lichtleisten, die aufleuchten, wenn sich Straßenbahnen nähern. In Augsburg gab es zuletzt Unglücke mit Leichtverletzten oder Beinahe-Unfälle mit Fußgängern, die so verhindert werden sollen.

Tipps für "Smartphone-Zombies"

der KFV hat folgende Ratschläge für SMS- und Social-Media-Checker, Vieltelefonierer, Musikhörer und Tagträumer zusammengestellt:

  • Höchste Konzentration, vor allem beim Queren von Straßen bzw. Kreuzungen, auch auf Wegen, die man in- und auswendig kennt.
  • Stopp- und Aufmerksamkeitspunkte schaffen: Die Gehsteigkante bewusst wahrnehmen und stehen bleiben.
  • Beim Überqueren der Straße gibt es keine Kompromisse: Hier gilt Stoppen – vom Handy aufsehen/Hörer weg vom Ohr/Kopfhörer runter nehmen – Schauen – Gehen.
  • Wenn möglich einen Zebrastreifen nutzen (Pflichtnutzung innerhalb von 25 Meter Entfernung!) und nicht zwischen den Autos durchschlängeln.
  • Blickfeld vor dem Stehen bleiben und vor dem Losgehen bewusst auf das Umfeld nach vorne und unten erweitern: Nach vorne auf die Richtung und Hindernisse, nach unten auf Kanten und Bodenindikatoren.
  • Bewusst auf Geräusche achten.
  • Straßen und Kreuzungen nicht diagonal queren, da es so schwieriger ist den Verkehr aus allen Richtungen im Blick zu haben.
  • Beim SMS-Tippen oder E-Mail-lesen stehen bleiben oder an der Hausseite des Gehsteiges gehen. Stopp- und Aufmerksamkeitspunkte immer beachten.
  • Auch am Gehsteig gilt es visuell und akustisch möglichst aufmerksam zu sein, insbesondere da Kinder und Jugendliche oft mit Rollern, Skateboards und dergleichen unterwegs sind.
  • Blickkontakt zum Fahrer eines nahenden Verkehrsmittels aufbauen und nicht auf das Vorrecht auf dem Schutzweg verlassen.
  • Auf Blitzaktionen verzichten: Geduld ist nicht nur eine Tugend, sondern gelebter Selbstschutz im Straßenverkehr.

(APA/SALZBURG24)

Aufgerufen am 17.02.2019 um 10:19 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/stadt/laternenairbags-gegen-smartphone-zombies-57247831

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