Jetzt Live
Startseite Stadt
Pro Umweltschutz

Protest gegen "Plastikflut" bei Lidl in Salzburg

Aktivisten haben genug vom Flaschenmüll

Mit einer vier Meter hohen Flascheninstallation protestierten am Mittwochvormittag Greenpeace-Aktivistinnen vor einer Lidl-Filiale im Salzburger Stadtzentrum. Der Diskonter reagiert: Sie können den Vorwurf, Mehrweg zu boykottieren, nicht nachvollziehen.

Salzburg

Die Umweltschützerinnen und Umweltschützer von Greenpeace versammelten sich gestern mitsamt einer vier Meter hohen Flaschen-Installation vor einer Lidl-Filiale in Salzburg. Sie kritisieren die Flut an Wegwerfverpackungen beim Diskonter und fordern Lidl zum Umstieg auf Mehrwegflaschen bei Getränken auf.

 

Die Lebensmittelkette gab dazu gegenüber SALZBURG24 ein schriftliches Statement ab. So würde sich Lidl zu den Zielen des Kreislaufwirtschaftspaketes der EU bekennen. Dazu gehöre beispielsweise die Reduktion und Verbesserung der eingesetzten Kunststoff-Verpackungen. Auch bewerte und evaluiere der Lebensmittelkonzern die Mehrweg-Lösung. Dazu müsse man aber auch ein Auge auf den Willen in der Politik werfen. Der Sprecher von Lidl, Hansjörg Peterleitner, sagt weiter: "Wir sind der erste Lebensmittelhändler, der neben vielen anderen Maßnahmen zur Reduktion und Vermeidung von Kunststoff schon seit 2018 in Kooperation mit Lieferanten und Herstellern mit einem Circular Design Guide an der Reduktion der eingesetzten Kunststoff-Verpackungen arbeitet."

"Reaktion von Lidl wie ein Schlag ins Gesicht"

In der Pressemitteilung von Greenpeace heißt es, dass sich Lidl gegen jegliche Gespräche querstelle. Die Umweltschutzorganisation kommentiert dies so: "Die Reaktion von Lidl ist ein Schlag ins Gesicht für die Konsumentinnen und Konsumenten, die sich klar Mehrweg wünschen. Die Gesprächsverweigerung ist bezeichnend für die Haltung von Lidl zum Thema Umweltschutz", erklärt Lisa Panhuber, Konsumexpertin bei Greenpeace in Österreich.

Lidl kontert, eine konkrete Bitte um ein Gespräch zu diesem Thema habe es nie gegeben. Auch habe es gestern bei dem Protest keine Drohung zur polizeilichen Räumung seitens Lidl gegeben – wie Greenpeace dem Konzern vorwirft. Peterleitner von Lidl sagt dazu: "Nachvollziehbarerweise haben wir dafür gesorgt, dass zum einen der Filialbetrieb sichergestellt ist. Betriebsfremde Menschen auf dem Dach einer Filiale können wir in dieser Hinsicht nicht tolerieren."

Blockade für Mehrwegsystem durch Diskonter?

Greenpeace erklärt zudem, dass Diskonter seit Jahren den Mehrweg-Ausbau behindern würden. "Niemand will die Plastikverpackungen und Aludosen, die täglich im Müll oder sogar in der Natur landen. Lidl muss den Konsumentinnen und Konsumenten endlich die umweltfreundliche Mehrweg-Wahl geben. Mehrweg ist der beste Weg um Verpackungen drastisch zu reduzieren", fordert Lisa Panhuber.

Wirtschaftskammer ist nicht für Ausbau des Mehrwertsystems

Dass Mehrweg der beste Weg ist, um Verpackungen drastisch zu reduzieren, dementiert die Wirtschaftskammer Salzburg in einer Aussendung am Donnerstag. Ein Pfandsystem, das der Handel abzuwickeln hätte, würde für viele kleine Händler aufgrund der Kosten und des Logistikaufwandes das Ende bedeuten. Auch für die Konsumenten würde sich die Lage verschlechtern. Die bisherige Sammelstruktur wäre bei einem Pfandsystem überflüssig oder würde sich stark verringern. Die Wirtschaftskammer setzt hingegen auf den Ausbau des Sammelsystems für Haushalte und Unternehmen und auf eine verstärkte Bewusstseinsbildung.

Österreicher wünschen sich Mehrwegflaschen

Laut einer Umfrage von Greenpeace wünschen sich 80 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher ein breites Angebot von Mehrwegflaschen im Supermarkt. "Greenpeace wird den Protest weiterführen und wir laden alle Bürgerinnen und Bürger ein, beim Einkauf und auf Social Media umweltfreundliche Verpackungen von den Diskontern zu fordern. Während Spar, Billa, Merkur und Co. zumindest Bier, einige Wassermarken, Limonaden und seit kurzem Milch in Mehrwegflaschen anbieten, blockieren Lidl, Hofer und Penny die umweltfreundlichste Verpackungsform Mehrweg weiterhin", so Panhuber.

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 10.04.2021 um 05:35 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/stadt/lidl-salzburg-proteste-vor-dem-diskonter-fuer-mehrwegsystem-91143577

Kommentare

Mehr zum Thema