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"Brückenbauer"

Makartsteg soll Marko-Feingold-Steg werden

Ehrung für Salzburger Holocaust-Mahner

20100726_PD2338.HR.jpg APA/Barbara Gindl/Archiv
Der Salzbruger Makartsteg soll zu Ehren von Marko Feingold in Marko-Feingold-Steg umbenannt werden.

Im erweiterten Stadtratskollegium der Stadt Salzburg hat es am Montag eine Mehrheit gegeben: Der Makartsteg soll zu Ehren des im Vorjahr verstorbenen Holocaust-Mahners in Marko-Feingold-Steg umbenannt werden.

Hanna Feingold, Witwe von Marko Feingold und Präsidentin der Israelischen Kultusgemeinde, wollte die Churfürststraße in Marko-Feingold-Straße umbenennen. Daran gab es allerdings bis zuletzt Kritik, berichtet der ORF Salzburg.

"Es ist nun doch der zentrale Steg über die Salzach geworden! Und das ist eine große Ehre, das Andenken an den Brückenbauer Marko Feingold bleibt uns damit mitten in der Stadt erhalten", freute sich NEOS-Gemeinderat Lukas Rößlhuber in einer Aussendung.

20180315_PD17565.HR.jpg AFP/JOE KLAMAR/Archiv
Marko Feingold verstarb im September 2019 im Alter von 106 Jahren.

Marko Feingold als "Brückenbauer"

Eine Brücke zu ehren des Holocaust-Mahners umzubenennen, dem konnten mehrere Stadtpolitiker etwas abgewinnen. Auch Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) bezeichnete den im Vorjahr verstorbenen Salzburger als "Brückenbauer".

Marko Feinglod ältester Holocaust-Überlebender

Marko Feingold verstarb am 19. September 2019 im Alter von 106 Jahren. Er überlebte die Konzentrationslager in Auschwitz, Neuengamme, Dachau und Buchenwald. Nach dem Krieg half er tausenden jüdischen Emigranten und trat als Mahner, Aufklärer und Versöhner in Erscheinung.

(Quelle: SALZBURG24)

Große Trauer in Salzburg und ganz Österreich

Marko Feingold APA/HELMUT FOHRINGER
Marko Feingold, der älteste Holocaust-Überlebende Österreichs, starb im Alter von 106 Jahren. 

Marko Feingold ist am Donnerstag im Alter von 106 Jahren in Salzburg gestorben, das wurde am Freitag bekannt. Er starb an den Folgen einer Lungenentzündung. Die ersten Reaktionen zu Feingolds Ableben lest ihr hier.

Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP):

"Er war ein Brückenbauer und Vermittler, der trotz schlimmster persönlicher Erfahrungen immer das Menschliche, das Verbindende und die Freude am Leben in den Vordergrund gerückt hat", betonte Landeshauptmann Wilfried Haslauer anlässlich des Ablebens von Marko Feingold, dem bis zu seinem Tod ältesten Salzburger.

Feingold war, so Haslauer, eine stadtbekannte, mutige, phantasievolle und sehr beeindruckende Persönlichkeit mit viel Lebensfreude. Über Jahrzehnte gab er seine Erlebnisse, Erfahrungen und seine Lebenshaltung als Zeitzeuge bei Vorträgen vor Schülern, Studenten, Pfarrgemeinden und Vereinen weiter. Der Diskurs mit jungen Menschen war ihm ein besonderes Herzensanliegen, sah er doch in der Jugend viel Hoffnung und Zuversicht.  "Mit Marko Feingold verliert Salzburg eine ungemein sympathische und positive Persönlichkeit, die bis zuletzt am gesellschaftlichen Leben in Salzburg regen Anteil genommen hat", so der Landeshauptmann.

Salzburgs Bürgermeister Harald Preuner (ÖVP):

"Ein großer, äußerst wichtiger Aufklärer über die Gräuel der Nazizeit ist nicht mehr", bedauert Bürgermeister Harald Preuner den am Freitag, 20. September 2019, bekannt gewordenen Tod von Marko Feingold. Der KZ-Überlebende und vielfach ausgezeichnete Ehrenbürger der Stadt Salzburg habe "zeitlebens gegen das Vergessen gekämpft", so das Stadtoberhaupt, und in unzähligen Vorträgen gerade auch vor jungen Leuten einen wesentlichen Beitrag zur Aufarbeitung der wohl dunkelsten Phase der jüngeren Geschichte geliefert. Marko Feingold sei mit 106 Jahren auch der aktuell älteste Bürger der Stadt Salzburg gewesen. Die gesamte Stadtpolitik trauere mit der Familie. 

Die Stadt Salzburg trauert um ihren Ehrenbürger Hofrat Marko Feingold, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde...

Gepostet von Harry Preuner am Freitag, 20. September 2019

Vizebürgermeister Bernhard Auinger (SPÖ):

"Österreich verliert seinen engagiertesten Kämpfer gegen das Vergessen der Gräueltaten in der NS-Zeit und wir verlieren ein treues Mitglied und guten Freund", Vizebürgermeister Auinger und Bezirksvorsitzender Michael Wanner unisono. "Marko Feingold werden wir dank seines unermüdlichen Einsatzes gegen das Vergessen auch im hohen Alter von über 100 Jahren niemals vergessen. Unser Mitgefühl gilt seiner Frau Hannah", betont Bürgermeister-Stellvertreter Bernhard Auinger. "Marko Feingold war für uns mehr als nur ein treues Mitglied, er war ein guter Freund und Vorbild. Wir werden ihm in der SPÖ stets ein ehrendes Andenken bewahren", so Michael Wanner in einer ersten Reaktion.

Salzburgs SPÖ-Chef Walter Steidl:

"Jedes Treffen und jedes Gespräch mit Marko Feingold war etwas Besonderes. Sein unermüdliches Engagement, vor allem in der Jugendarbeit, wird fehlen. Ich habe den größten Respekt vor Mitmenschen wie Marko Feingold, der trotz seiner schrecklichen Erfahrungen unter den Nazis nach 1945 ohne Gram und Hass ein positives, schönes und langes Leben führte. Wir sind stolz, dass Marko Feingold Ehrenmitglied der SPÖ ist und werden ihn immer in bester Erinnerung halten."

Bürgerliste der Stadt Salzburg:

"Mit tiefer Betroffenheit haben wir heute die Nachricht vom Ableben von Marko Feingold erhalten. Mit Marko Feingold verliert die Stadt Salzburg nicht nur den Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde, sondern auch einen der letzten Zeugen des Nazi-Terrors. Marko Feindgold war ein unbequemer Mahner, der es sich zeitlebens zur Aufgabe und zu seiner Mission gemacht hat, zu erzählen, was war und was ist.

Ihn zeichnete besonders der Respekt vor allen NS-Opfern aus. Marko Feingold würdigte alle Opfer, nicht nur die jüdischen. Er unterstützte das Projekt STOLERSTEINE von Beginn an und hat bei fast allen Steinverlegungen teilgenommen. Dafür danken wir ihm! Unser aufrichtiges Mitgefühl gilt seiner Frau Hanna."

Ein großer Mann ist gegangen... Danke Marco Feingold für das so berührende, humorvolle und wichtige Sein und Wirken. Sie werden immer in unserem Salzburger Gedächtnis bleiben.

Gepostet von Martina Berthold am Freitag, 20. September 2019

NEOS Salzburg:

Mit tiefer Trauer und Bestürzung reagiert NEOS Landtagsabgeordneter, Zweiter Landtagspräsident Sebastian Huber auf die Nachricht vom Tod von Herrn Hofrat Marko Feingold, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg: "Das ist der größte Verluste für die Erinnerungskultur in Salzburg. Mit Marko Feingold starb das gesellschaftspolitische Gewissen Salzburgs, welcher uns mit mahnenden Worten an die dunkelste Zeit unserer Geschichte unaufgeregt und sachlich erinnerte. Unsere Gedanken und unser Mitgefühl sind bei seiner Frau Hanna Feingold und ihrer Familie".

Bunde​spräsident Alexander Van der Bellen:

"Ich bin tief betroffen vom Tod Marko Feingolds. Er hat vier Konzentrationslager überlebt: Auschwitz, Neuengamme, Dachau, Buchenwald. Er war als Überlebender des Terrors des NS-Regimes ein wichtiger Zeitzeuge und hat sich dieser Aufgabe noch bis ins hohe Alter mit großem Engagement gestellt. Vor allem die Diskussion mit jungen Menschen war ihm ein besonderes Anliegen. Für die Aufklärung und das Anliegen 'Niemals wieder' hat er alles gegeben. Gleichzeitig hat sich Marko Feingold stets für eine positive Entwicklung unseres Landes in einem friedlichen Europa eingesetzt. Meine Gedanken sind in dieser Zeit bei seiner Familie, der ich mein tiefstes Mitgefühl ausspreche."

Ich bin tief betroffen vom Tod Marko Feingolds. Er hat vier Konzentrationslager überlebt: Auschwitz, Neuengamme, Dachau,...

Gepostet von Alexander Van der Bellen am Freitag, 20. September 2019

Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP):

Mit Marko Feingold starb der "älteste österreichische Überlebende der Gräueltaten des Nationalsozialismus, gleichsam ein bedeutender Zeitzeuge des Holocaust", erklärte Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka. "Feingold war weit über die Grenzen Salzburgs und Österreichs hinaus eine Symbolfigur, der Zeit seines Lebens nicht müde wurde, seine Geschichte und Erfahrungen weiterzutragen und eine mahnende Stimme in und für unsere Gesellschaft zu sein. Im Kampf gegen jede Form von Antisemitismus und Rassismus wird Marko Feingold immer eine große Bedeutung haben. Es liegt an uns, Lebensgeschichten wie die seine weiterzutragen, damit auch kommende Generationen ihre Lehren daraus ziehen und ihr Bewusstsein für den sensiblem Umgang mit der Geschichte geschärft wird."

Zweite Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ):

"Marko Feingold berichtete nicht nur bis zu seiner Befreiung im April 1945. Er scheute auch nicht, von den Konfrontationen mit Antisemiten in Österreich nach 1945 zu erzählen. Bis zuletzt war er ein aktiver Mahner gegen ein Aufflammen von Rechtsextremismus und Antisemitismus", so die Zweite Nationalratspräsidentin Doris Bures.

"Die vielen Gespräche, die ich mit Marko Feingold im Parlament und auch privat führen durfte, empfinde ich als großes Privileg. Ich habe höchsten Respekt vor seinem unermüdlichen und aufrichtigen Engagement. Er hat bis zuletzt das Gespräch mit jungen Menschen gesucht und seine Erinnerungen weitergegeben. So auch an mich, womit ich ihm immer in Dankbarkeit verbunden sein werde.", so Bures.

Marko Feingold war Zeitzeuge eines ganzen Jahrhunderts! 2016 durfte ich ihn gemeinsam mit Bundespräsident Heinz Fischer,...

Gepostet von Doris Bures am Freitag, 20. September 2019

ÖVP-Obmann Sebastian Kurz (ÖVP):

"Mit Marko Feingold geht ein beeindruckender Mann von uns, der sich als Zeitzeuge und ältester Holocaust-Überlebender stets dafür eingesetzt hat, dass wir die NS-Gräueltaten niemals vergessen", erinnert Volkspartei-Obmann Sebastian Kurz. Feingold habe als Mahner gegen Faschismus und Antisemitismus Großartiges geleistet. "Österreich hat Marko Feingold viel zu verdanken, nicht zuletzt aufgrund seines langjährigen Einsatzes als Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg", so Kurz.

"Ich bin zutiefst dankbar für meine Begegnungen und Gespräche mit Marko Feingold und es war mir eine große Ehre, seinen 105. Geburtstag im Bundeskanzleramt gemeinsam feiern zu dürfen", so Kurz. "Sein Humor, aber auch seine mahnenden Worte werden niemals vergessen werden und noch lange nachwirken. Das Ableben Feingolds soll uns nochmal in Erinnerung rufen, dass Österreich eine besondere Verantwortung im Umgang mit Antisemitismus und dem Gedenken an die Grausamkeiten des Holocaust trägt", so Kurz. "Ich werde sein Andenken auch dadurch ehren, dass seine Werte und seine menschliche Haltung mir Vorbild bleiben und meine Politik leiten werden", schließt Kurz

FPÖ-Obmann Norbert Hofer:

"Tief betroffen" zeigte sich FPÖ-Bundesparteiobmann und Klubobmann Norbert Hofer vom Ableben des Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg, Marko Feingold. "Marko Feingold hat den Nationalsozialismus als schrecklichstes Verbrechen der Menschheit erlebt und überlebt. Sein Wirken und seine Erzählungen waren beeindruckend, aber auch erschütternd und dienen uns allen als Warnung, dass sich so ein dunkles Kapitel unserer Geschichte nie mehr wiederholen darf. Mein tiefes Mitgefühl gilt seinen Angehörigen und seinen Freunden", so Norbert Hofer.

Israelische Kultusgemeinden Österreichs:

"Nicht nur die jüdischen Gemeinden Österreichs, sondern ganz Österreich haben heute einen ganz besonderen Menschen verloren. Einen Lehrer, Aufklärer, Mahner und vor allem einen wunderbaren Menschen und einen Freund", sagt IKG-Präsident Oskar Deutsch. "In dieser schweren Zeit sind unsere Gedanken bei seiner Familie, vor allem seiner Frau Hanna und seiner Gemeinde. Wir werden ihn alle schmerzlich vermissen."

Marko Feingold, langjähriger Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg, ist im Alter von 106 Jahren...

Gepostet von Israel in Österreich am Freitag, 20. September 2019

Erzbischof Franz Lackner:

"​Die Botschaft vom Tod von Marko Feingold in den Trubel des Alltags hinein hat mich zutiefst erschüttert. An meinem ersten Tag in Salzburg habe ich ihn kennen und schätzen gelernt, ihn seither immer wieder getroffen. Was ihn ausgezeichnet hat: Trotz seines Lebens- und Leidensschicksals hat er keine Wut, keine Ressentiments gezeigt. Im Gegenteil: Er war ein versöhnlicher Mensch, der immer wieder den Dialog gesucht hat. Marko Feingolds Leben war überhaupt ein Zeugnis des Verbindenden. Er war nicht müde, auf das Gemeinsame der Religionen hinzuweisen; er hatte eine große Weite, eine Tiefensicht, was Religiös-Sein heißt; nämlich etwas, das verbindend ist, das nicht ausgrenzt, das durchaus je eigene Konturen haben kann, aber das auch einen gemeinsamen Auftrag hat: den Frieden. Marko Feingolds Stimme wird uns sehr fehlen, in unserer Diözese und in unserem ganzen Land."

Evangelischer Superintendent Olivier Dantine:

In einem Kondolenzschreiben würdigt der evangelische Superintendent der  Diözese Salzburg-Tirol, Olivier Dantine, den langjährigen Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg als "Mahner für die Menschlichkeit" und "Vermittler zwischen den Religionen". Die Begegnung zwischen den Religionen seien ihm immer "ein großes Anliegen gewesen", schreibt der Superintendent, Feingolds Verdienste um das Wachhalten der Erinnerung an die Verbrechen der Shoah seien "unermesslich groß". Beeindruckt zeigt sich Dantine, wie der mehrfache KZ-Überlebende seine Erinnerungen "zwar eindringlich und deutlich, aber immer ohne Verbitterung und sogar mit einer Prise Humor" vermittelt hat. Auf diese Weise habe Feingold "immer die Tür zur Versöhnung offengehalten", betont der Superintendent.

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