Jetzt Live
Startseite Stadt
Stadt

Masern: Sollen wir impfen gehen?

An der Frage "Impfen oder nicht" scheiden sich die Geister. APA/Gindl/Archiv
An der Frage "Impfen oder nicht" scheiden sich die Geister.

32 Masernfälle hat es in Österreich in diesem Jahr bisher gegeben. Volksanwalt Günther Kräuter forderte daraufhin Anfang Februar die Einführung der Impfpflicht in Kindergärten und Schulen. Auch Gesundheitsministerin Oberhauser rief zur Impfung auf. Impfgegner halten das für Schwachsinn. Wir haben uns mit beiden Seiten unterhalten.

Laut Impfplan sollten 95 Prozent der österreichischen Kinder mit zwei Impfungen (MMR-Impfung; Masern, Mumps, Röteln) gegen Masern immunisiert werden. Die Impfrate würde aber nicht eingehalten, meinte Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser (SPÖ) Anfang Februar und stellte einen Zusammenhang zu den mit 32 Fällen vergleichsweisen vielen Erkrankungen her.

Die Masern und der Impfplan

Sechs Prozent der zwei- bis fünfjährigen Kinder ist gar nicht gegen Masern geimpft, zehn Prozent der geimpften Kinder haben keine zweite Immunisierungen erhalten. Oberhauser rief deshalb zur Impfung auf. Volksanwalt Günther Kräuter ging einen Schritt weiter und forderte eine Impfpflicht in Kinderkrippen, Kindergärten und Schulen.

Auch Gesundheitsreferent und Landeshauptmann-Stellvertreter Christian Stöckl (ÖVP) stimmt in den Tenor ein: "Ich weise immer wieder auf die Wichtigkeit der Masernimpfung hin, sind doch Masern eine höchstansteckende Erkrankung, die in 20 Prozent der Krankheitsfälle mit Komplikationen einhergeht." Besonders gefürchtet sei die Enzephalitis, eine Entzündung des Gehirns mit Kopfschmerzen und Fieber, die von Bewusstseinsstörungen über Koma bis hin zum Tod führen könne, so Stöckl weiter. "Auf der anderen Seite ist in Österreich noch kein einziger Impfschaden aufgrund einer Masernimpfung bekannt“, erklärt Stöckl gegenüber SALZBURG24.

Impfgegner: Häufungen in kalten Perioden üblich

Alles Blödsinn, meint Impfgegner Johann Loibner*. Dass sich Masernfälle in langen kalten Perioden häufen würden, sei üblich, meint der Arzt im Ruhestand. Im milden 2016 hätte es ihm zufolge 28 Fälle gegeben. Über die Jahre gibt es ein Mittel von rund 300 Fällen, die Durchschnittswerte wurden zuletzt in den Jahren 2015 mit 309 und 2008 mit 443 Fällen überschritten, heißt es im Masernbericht 2016. Gegenüber dem Durchschnittswert sind die heurigen 32 Fälle kein auffällig hoher Wert.

„Masern-Impfung hilft nicht“

„Es hat sich herausgestellt, dass die Impfung nicht hilft“, meint Loibner im Gespräch mit S24 weiter. Zumindest nicht deckend. Jeder zweite oder dritte Masernfall sei geimpft. Dazu seien die Nebenwirkungen zu bedenken, sagt der Steirer, der auch schon in Salzburg gearbeitet hat. Er nennt etwa chronische Erkältungskrankheiten oder die sogenannten Impfmasern. Diese können in den Tagen nach einer Impfung auftauchen und ähneln den „echten“ Masern: Grippeähnliche Symptome und unter Umständen Hautausschlag machen sich bemerkbar. Auch meint der Homöopath, dass es falsch sei, Masern generell als gefährlich einzustufen. Das sei nur bei besonders geschwächten Menschen der Fall.

In Bundesland Salzburg gab es im ganzen Jahr 2017 noch keine einzige Masernerkrankung, im ganzen Vorjahr waren es zwei. Das kann man als Erfolg der bisherigen Masern-Impfungen werten oder als Übertreibung jener, die ständig von einer Masern-Gefahr reden.

Info: Was ist die Impfempfehlung?

Das Gesundheitsministerium empfiehlt zwei MMR-Impfungen im Abstand von vier Wochen. Geimpft werden sollten demnach Kinder ehestmöglich ab dem zehnten Lebensmonat und vor dem zweiten Geburtstag. Dann soll lebenslange Immunität bestehen.

Das deklarierte Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO) lautet, das Masern-Virus auszurotten. Um das zu erreichen, ist die erwähnte Durchimpfungsrate von 95 Prozent mit zwei Dosen notwendig. Die Anzahl der Masernfälle ist mit 35,3 gemeldeten Fällen pro einer Million Einwohner europaweit die zweithöchste.

 

*Johann Loibner ist in der Ärzteschaft umstritten. Zwischen 2009 erteilte ihm die Ärztekammer ein Berufsverbot. Weil er eine andere, nicht gerngesehene Meinung zum Impfthema vertritt, meinte Loibner. Weil er durch sein Aufrufen zur Nichtimpfung eine Gefahr darstellt, in dem er Krankheitsrisiken bagatellisiert, hieß es von der Ärztekammer. 2013 wurde das Berufsverbot vor dem Verwaltungsgerichtshof (VwGH) wieder aufgehoben, unter anderem wegen eines Formalfehlers. Kritisch wird das Schaffen Loibners auch in diesem Bericht betrachtet (redaktionelle Ergänzung vom 17. Februar 2017).

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 14.05.2021 um 01:41 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/stadt/masern-sollen-wir-impfen-gehen-55180606

Kommentare

Mehr zum Thema