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Mister Integration Sally Goldenboy: " Schön in einem Land zu leben, das Menschen in Not hilft"

Sally Goldenboy wurde zum ersten Mister Integration gewählt. SALZBURG24/Wurzer
Sally Goldenboy wurde zum ersten Mister Integration gewählt.

Saliah Razak wurde kürzlich zum ersten Mister Integration in Salzburg gewählt. Der gebürtige Ghanaer ist in der Mozartstadt aber vor allem unter seinem Künstlernamen Sally Goldenboy sowie als singender Busfahrer bekannt. Im Sonntags-Talk erinnert er sich der lebensfrohe Über-50-Jährige an seine erste Zeit als Flüchtling in Salzburg zurück und erklärt, was Integration für ihn persönlich bedeutet.

SALZBURG24: Die Salzburger kennen dich vor allem als singenden Busfahrer? Fängst du während des Fahrens wirklich zu singen an oder woher kommt dein Beiname?

SALLY GOLDENBOY: Wenn Gelegenheit ist, singe ich wirklich gerne während der Fahrt zusammen mit meinen Fahrgästen. Ich habe Spaß an meiner Arbeit und das will ich auch zeigen. Heuer feiere ich mein zehnjähriges Jubiläum als Busfahrer. Damals war ich der erste schwarze Busfahrer in Salzburg, heute gibt es schon ein paar mehr.

Kannst du dich noch an deine erste Fahrt erinnern?

Ja. Ich habe den Bus von einem Kollegen übernommen. Als er seine Sachen zusammenpackt, habe ich nur gehört: "Jetzt kommt der Schwarze." Dann habe ich mich umgedreht und die Fahrgäste gefragt: "Wer fürchtet sich vorm schwarzen Mann?" Der ganze Bus hat gelacht. Das Eis war gebrochen. Der Anfang war sicher nicht einfach für mich, aber mit Humor und einem Lächeln geht vieles leichter. Ich lebe nach dem Motto: Wer Gutes tut, kriegt Gutes zurück. Ich versuche immer mein Bestes zu geben und Spaß dabei zu haben.

Was das auch dein Erfolgsrezept bei der Mister-Integrations-Wahl?

Das ist gut möglich. Ich strahlendes Lächeln überzeugt doch jeden. (lacht)

Was bedeutet dir dieser Titel und wie willst du ihn nutzen?

Es bedeutet mir sehr viel, das ist für mich ein großes Privileg, dass ich gewählt wurde. Ich möchte damit ein Zeichen setzen für alle anderen Ausländer, die in Salzburg leben.

Ich bin als Flüchtling hergekommen. Heute bin ich Obusfahrer und organisiere Hilfsprojekte in meiner Heimat Ghana. Viele denken sich, hier bin ich nichts, weil ich Ausländer bin, weil ich schwarz bin. Aber wer sich bemüht, kann überall etwas erreichen. Ich möchte ein Beispiel für Nachkommende, Kinder und Jugendliche sein.

Redakteurin Michaela Berger mit Sally Goldenboy in der SALZBURG24-Redaktion./SALZBURG24/Naderer Salzburg24
Redakteurin Michaela Berger mit Sally Goldenboy in der SALZBURG24-Redaktion./SALZBURG24/Naderer

Wie hast du die Flüchtlingsbewegung 2015 in Salzburg erlebt?

Für mich war das schwer mitanzusehen. Ich bin selbst im Jahr 1991 auf diese Weise nach Salzburg gekommen. Es war zwar auch damals nicht einfach, aber das kann man mit 2015 nicht vergleichen. Da sind plötzlich alle auf einmal gekommen. Die Quartiere waren voll. Viele Leute mussten trotz Regens in Zelten schlafen, alles war nass.

Für mich ist es deshalb so wichtig, dass Kinder und Jugendliche in meiner Heimat Ghana eine Zukunftsperspektive haben, damit sie das erst gar nicht auf sich nehmen müssen. Niemand verlässt freiwillig seine Heimat. Da muss etwas Schlimmes passieren.

Wenn Krieg herrscht oder eine Umweltkatastrophe das Leben in einer Region unmöglich macht, das kann niemand verhindern. Aus wirtschaftlichen Gründen soll aber niemand seine Heimat verlassen müssen. Nur Hilfe vor Ort kann so etwas wie 2015 verhindern.

Was hätte Salzburg vor drei Jahren anders machen können oder sogar müssen?

Ob Salzburg 2015 etwas anders hätte machen müssen? Das ist eine schwierige Frage. Wenn alle auf einmal kommen, verliert man einfach den Überblick. Ich habe damals sehr mitgelitten. Es war unangenehm, aber Salzburg hat sein Bestes gegeben. Es ist schön in einem Land zu leben, das Menschen in Not hilft.

Hast du damals ähnliche Hilfe erfahren?

Absolut. Ohne die Hilfe von anderen wäre ich heute nicht hier, alleine hätte ich das wahrscheinlich nicht geschafft. Mir hat der Fußball sozusagen einen Neustart ermöglicht. Auch deshalb bin ich jedes Jahr bei der Fußball-Integrations-WM vom Verein "Sport spricht alle Sprachen" dabei – denn dieses Motto stimmt wirklich.

Wie kann man sich das in deinem Fall vorstellen?

Anfangs habe ich in einem Flüchtlingsheim in Mondsee gelebt. Da ich einfach nicht alleine zuhause herumsitzen kann, bin ich herumgewandert. Da habe ich dann eine Fußballmannschaft beim Trainieren gesehen und gefragt, ob ich mitspielen darf. Der Trainer hat mir den Ball zugeworfen und ich habe losgegaberlt. Plötzlich ist er aufgestanden und hat mir eine Dress und Schuhe geholt. Ich muss wirklich gut gewesen sein. (lacht)

Weil ich noch keine Arbeit hatte, hat mir der Trainer in Salzburg auch einen Job besorgt. Die haben sich für mich um eine Arbeitsgenehmigung gekümmert. Das war wirklich schwer. Ich bin diesen Menschen allen sehr, sehr dankbar.

Die Wahl zum Mister Integration fand im Casino Salzburg statt./SALZBURG24/Wurzer Salzburg24
Die Wahl zum Mister Integration fand im Casino Salzburg statt./SALZBURG24/Wurzer
Die Wahl zum Mister Integration fand im Casino Salzburg statt./SALZBURG24/Wurzer

Du bist vierfacher Familienvater, aber nur zwei deiner Kinder leben in Salzburg. Schmerzt die Trennung?

Ich bin alleine nach Salzburg gekommen und wollte meine Familie rasch nachholen. Damit der Nachzug aber überhaupt möglich wurde, brauchte ich eine große Wohnung und musste genug Geld verdienen. Bis ich das erreicht hatte, waren meine beiden Großen schon volljährig. Also konnte ich nur meine Frau und meine jüngeren Zwillinge nachholen. Wir haben alles versucht, aber es gab keine Möglichkeit. Wir mussten es akzeptieren.

Heute kümmern sie sich in Ghana um unser Schulprojekt. Wir sind also regelmäßig in Kontakt.

Worum geht es bei diesem Projekt genau?

Wir haben in Ghana eine Schule aufgebaut. Derzeit werden dort 600 Kinder unterrichtet. Es sollen aber an die 1.000 Schüler werden. Ohne Bildung hat die Jugend keine Chance im Leben. 

Finanziert wird das ganze über meinen Verein SoriNaTu. Wir veranstalten Konzerte, Trommel-Workshops oder am 16. Juni zum Beispiel auch das Afrika-Fest in der Tribühne Lehen.

Bei Konzerten trittst du als Sally Goldenboy auf. Auch in Salzburg kennen dich viele nur unter diesem Namen. Steckt eine Bedeutung dahinter?

Mein Vater hat mir erzählt, dass es früher einen Fußballer gegeben hat, denn alle Golden Boy nannten. Und ich habe als Kind jede freie Minute gekickt. So wurde ich zum Golden Boy. Sally, so hat mich meine Mutter immer gerufen. Da steckt also ein bisschen die Erinnerung an meine Eltern dahinter. Und heute kennt man mich in Salzburg eher als Sally Goldenboy als unter meinem richtigen Namen.

Was gefällt dir an Salzburg besonders gut?

Salzburg ist das schönste Bundesland Österreichs. Wir haben Berge, Flachland, wir haben Seen – wir haben alles da. Ich fühle mich hier wirklich "dahoam". Ich freue mich, dass ich damals hier gelandet bin.

Lieber Sally, vielen Dank für das Interview!

 

Sonntags-Talk auf SALZBURG24

Wir veröffentlichen jeden Sonntag ein Interview mit besonderen Menschen aus Salzburg – egal ob prominent oder nicht. Wir freuen uns über eure Vorschläge an nicole.schuchter@salzburg24.at.

(Quelle: S24)

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