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„Ms. Coworking“ Romy Sigl im Sonntags-Talk: "Die Technologie hilft uns das zu machen, was wir wirklich wollen"

Romy Sigl ist „Ms. Corworking“. Die 34-Jährige eröffnete 2012 den Coworkingspace Salzburg im Techno-Z und gilt als Pionierin in der heimischen Coworking-Szene. Nach dem Motto „gemeinsam sind wir stärker“ unterstützt sie junge Gründer und Startups. „New work“ (deutsch: neues Arbeiten) steht im Mittelpunkt ihres Tuns. Was das bedeutet, wie sich die Arbeitswelt verändern wird und warum wir alle umdenken sollten, das beantwortet Romy Sigl in unserem heutigen Sonntags-Talk.

SALZBURG24: Du hast 2012 den Coworking Space in Salzburg gegründet und für Salzburg damit was ganz Einzigartiges geschaffen. Wie bist du überhaupt auf diese Idee gekommen?

ROMY SIGL: Ich bin gerne eine Pionierin. Mir taugt es etwas zu machen, was nicht jeder macht.

Ich bin auch keine Technikerin, sondern eine Kreative. Aus dem Grund habe ich dann nach der HTL, wo ich Hochbau gelernt habe, auch Design- und Produktmanagement in Kuchl studiert. Anschließend habe ich bei der Design- und Markenberatung Kiska einen Job bekommen. Ich war dort vier Jahre lang, war viel international unterwegs und habe wahnsinnig viel gelernt.

Aber irgendwann habe ich mich mal selbst gefragt, warum mache ich das eigentlich? Der Job hat mich nicht mehr zufriedengestellt, weil mir auch vieles zu langsam ging. Ich habe dann beschlossen, dass ich mich selbstständig mache und mir erstmal viel Zeit für mich genommen.

Und als ich dann das Betahaus – den Coworkingspace in Berlin-Kreuzberg – gesehen habe, wusste ich, genau das ist es. Das will ich machen. Es hat dann ein Jahr gedauert, bis ich das Techno-Z in Salzburg gefunden habe. Heute, mehr als dreieinhalb Jahre später, ist es eine Win-Win-Situation für das Techno-Z und unseren Coworking Space.

Hast du dir damals schon gedacht, dass sich das Projekt so gut entwickeln wird und so groß wird?

Ja, schon. Ich dachte, dass es ein bisschen schneller gehen würde. Weil wir haben drei Jahre gebraucht, bis die Auslastung okay war. Gerade das erste Jahr möchte ich nicht noch einmal machen. Da war ich wirklich rund um die Uhr hier.

Der Coworkingspace im Techno-Z./Coworkingspace Salzburg Salzburg24
Der Coworkingspace im Techno-Z./Coworkingspace Salzburg

Du hast dein eigenes Ding gemacht. Das erfordert viel Mut, denn das hätte ja auch schief gehen können.

Ja, das stimmt. Da hat mir meine Ausbildung schon sehr geholfen. Ich habe gewusst, ich habe einen Plan B – und der heißt Baupläne zeichnen. Eine Ausbildung zu haben hat schon seinen Wert.

Und ich habe auch sehr viel über mein Leben nachgedacht: was will ich bis zu meinem Lebensende gemacht haben? Ist mein Hauptinteresse jeden Monat so und so viel Geld zu verdienen oder will ich viel erleben?

Und zu welchem Schluss bist du da gekommen?

Mir ist es nicht so wichtig, dass die Leute irgendwann mal an meinem Grabmal stehen und wissen, ich habe 5.000 Mitarbeiter gehabt, sondern mir ist es viel wichtiger, dass die Leute sagen, sie hat uns inspiriert, sie hat Menschen zusammengebracht, die gemeinsam tolle Projekte entwickelt haben.

Weg von klassischer Arbeit, hin zu Selbsterfüllung und Zufriedenheit. Woher kommt der Wandel?

Weil die Leute anfangen nachzudenken – über ihr Leben. Und viele stellen sich die Frage, was sie in ihrem Leben überhaupt erreichen wollen. Geld, Statussymbole oder andere materielle Dinge nehmen an Wert ab. Den Leuten wird es immer wichtiger, dass sie sich die Zeit selbst einteilen können und zum Beispiel mal unter der Woche – einfach weil das Wetter gerade schön ist – eine Canyoningtour machen oder im Winter in der Früh bei Neuschnee Skifahren gehen können.

Arbeit und Freizeit verschwimmen immer mehr.

Ja, das hat aber Vor- und Nachteile. Man ist rund um die Uhr erreichbar und wenn man mal nicht innerhalb von fünf Minuten zurückschreibt, wird das zum Problem. Aber auch das lässt sich lösen –man muss seine Kunden halt so erziehen, dass das funktioniert.

Ist dieses „neue Arbeitsdenken“ in unserer Generation entstanden?

Ja – und das hängt damit zusammen, dass sich die Technologie so weiterentwickelt hat, dass du einfach mit Laptop und Internet deine eigene Firma gründen kannst. Zur Zeit unserer Eltern war das nicht so, da hast du zu einer Firma gehen müssen, die Maschinen und einen Vertrieb gehabt hat. Heute kannst du deine Produkte über einen Onlineshop vertreiben. Das klingt jetzt schon auch einfacher, als es tatsächlich ist, aber in der Theorie ist das heute so.

In welche Richtung glaubst wird sich das Ganze noch entwickeln? Werden die klassischen Unternehmen, die klassischen Bürostrukturen zusammenbrechen?

Ich glaube nicht. Ich war kürzlich in Ann Arbor, das ist eine Universitätsstadt im US-Bundesstaat Michigan und habe mich mit einem Philosophen unterhalten, der sich schon seit 1984 mit dem Thema „New Work“ beschäftigt. Und er sieht das so, dass wir uns die Maschinen zu Nutzen machen müssen. Also wir dürfen keine Angst vor Digitalisierung und Automatisierung haben. Im Gegenteil. Wir sollten die Entwicklung mehr steuern. Denn der große Vorteil ist, dass sich die Menschheit darauf konzentrieren kann, das zu machen, was sie wirklich will. Also ich sehe die Zukunft in der Hinsicht sehr positiv.

Das erfordert aber auch ein Umdenken in der Gesellschaft.

Ja. Wir müssen unsere Kinder zu Problemlösern erziehen und nicht zu Problemmachern.

Dieser Umdenkprozess ist ja bereits zu beobachten – zum Beispiel bei den vielen neuen Startups, die sich gründen. Wie schätzt du die Salzburger Szene ein?

Man muss erstmal verstehen, was ein Startup ist und was ein „normales“ neugegründetes Unternehmen ist. Ein Startup hat eine innovative, neue Idee und das Geschäftsmodell ist noch nicht klar. Die Gründerinnen und Gründer wissen noch nicht, wie sie damit Geld verdienen, weil es eben so neuartig ist. Man kann mit einem kleinen Team sehr große Umsätze generieren und deswegen ist das ja auch so interessant für Investoren und deshalb ist das Thema jetzt auch so in den Medien. Startups können Jobs schaffen, die Wirtschaft beleben.

Insgesamt gesehen hat es eine größere Auswirkung auf den Wirtschaftsraum, wenn man viele Startups hochzieht, als wenn man nur viele Einzelkämpfer hat. Aber es ist natürlich risikoreich. Ein Startup bedeutet eben hop oder drop.

Wird das Maß für Startups mal voll?

Das ist wie bei jedem Hype. Gerade in Berlin sieht man das jetzt schon. Dort ist es total hip ein Startup zu gründen und wenn man nach einem halben Jahr die Leute fragt, wie es dem Startup geht, hörst du oft die Antwort: „Hab ich wieder verworfen, ich mache was Neues.“

Das Schöne an Salzburg war bislang immer, dass die Qualität sehr hoch ist. Die Leute, die bei uns ein Startup gegründet haben, wollten das wirklich. Sie haben einfach eine Idee gehabt, haben daran geglaubt. Und wenn du von diesem Feuer erst einmal angesteckt bist, dann kannst du nicht mehr anders. Du denkst dann Tag und Nacht darüber nach, kannst nicht mehr schlafen – bis du es einfach machst.

Natürlich wird dieser Hype jetzt auch in Salzburg stattfinden. Es werden jetzt vermutlich viele Startups gegründet, die dann auch wieder verschwinden. Aber das ist doch okay. Das ist normal.

Was würdest du jungen Gründern raten?

Zu allen möglichen Veranstaltungen gehen. Die Zeit investieren. Das Ego abstreifen und nicht zu glauben, alles besser zu wissen. Es ist wichtig, für Feedback offen zu sein, sich das anzuhören, was andere machen und aus den Fehlern der anderen zu lernen. Aber andererseits darf man sich auch nichts einreden lassen. Man muss schon auch ganz genau wissen, was man will.

Wo sind die Frauen bei den Startups?

Ja, das ist ein Problem. In Österreich werden nur zwölf Prozent aller Startups von Frauen gegründet. Programme, die Frauen als Gründerinnen fördern, gibt es so noch nicht. Wir bei Coworking Salzburg arbeiten aber daran, dass wir das Ganze frauenfreundlicher gestalten – deswegen ja auch das „Coworking und Baby“. Aber man kann die Frauen auch nicht zu ihrem Glück zwingen.

Welche Zukunftspläne hast du? Wie geht es mit dem Coworking weiter?

Der nächste große Schritt für uns ist der Coworking Space Munich. Wir sind seit einem Jahr im Gespräch mit BMW. Die finden das gut, was wir machen, wie wir die Community zusammenbringen und wie wir Talente anziehen. Aber in einem so großen Unternehmen wie BMW dauert im Vergleich zu einem kleine Startup alles etwas länger. Die Fläche ist drei Mal so groß wie diese hier. Das wird ein riesiges Projekt und wir sind schon sehr gespannt.

Liebe Romy, zum Abschluss möchte ich dir noch ein paar flotte Entweder-Oder-Fragen stellen. Ist das für dich in Ordnung?

Ja klar!

Spontan oder durchgeplant? Spontan

Süß oder sauer? Süß

Bier oder Wein? Wein

Imbiss oder Fünf-Sterne-Lokal? Nichts von beidem

Frühaufsteher oder Langschläfer? Heute bin ich um drei aufgestanden, weil ich nicht mehr schlafen konnte. Kommt ganz drauf an.

Berge oder Strand? (lacht) Das ist typisch Ich – ich will immer beides!

Fahrrad oder Auto? Fahrrad

Auf die Waage oder besser nicht? Besser nicht

Kaffee oder Tee? Kaffee

Und damit unsere User dich noch etwas besser kennenlernen:

Deine Lieblingsfarbe ist? Gelb

Deine Lieblingsspeise? Sushi

Dein Lieblingsplatz in Salzburg? Der Gaisberg

Wenn du eine Sache an Salzburg ändern könntest/müsstest, was wäre das? Dass die Menschen auf der Straße sich gegenseitig sehen, grüßen und anlächeln.

Ein toller Schluss. Liebe Romy, vielen Dank für das Gespräch.

 

 

Ab sofort veröffentlichen wir jeden Sonntag ein Interview mit besonderen Menschen aus Salzburg – egal ob prominent oder nicht. Wir freuen uns über eure Vorschläge an: nicole.schuchter@salzburg24.at

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 08.03.2021 um 01:55 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/stadt/ms-coworking-romy-sigl-im-sonntags-talk-die-technologie-hilft-uns-das-zu-machen-was-wir-wirklich-wollen-53817499

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