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Nach Evakuierung in Straßwalchen: So gefährlich ist Chlorgas

Am Sonntag ist das Schwimmbad in Straßwalchen (Flachgau) nach einem Chlorgas-Austritt evakuiert worden. Tatsächlich ist das Gas hochgiftig und kann sogar tödlich sein. Hier erfahrt ihr, wie ihr das Austreten von Chlorgas bemerkt und was im Ernstfall zu tun ist.

Generell kommen Unfälle mit Chlorgas in Salzburg relativ selten vor, weiß Günter Dussing, Leiter des Referats für Chemie und Umweltschutz des Landes Salzburg. Gemeldet werden hier nur die größeren Vorfälle, diese würden sich auf ein bis zwei pro Jahr beschränken. Das bestätigt auch Landesfeuerwehrkommandant Leopold Winter im Gespräch mit SALZBURG24. Genaue Zahlen habe man dazu nicht, es seien aber drei bis fünf Einsätze im Jahr, zu denen die Feuerwehr in Salzburg ausrückt.

Chlorgas in Schwimmbädern verpflichtend

Und das, obwohl die Lagerung von Chlorgas in allen öffentlichen Bädern, aber auch in Hotelschwimmbädern verpflichtend ist, da es zur Reinigung des Wassers verwendet werden muss: "Versuche mit anderen Chemikalien sind hier gescheitert, man braucht Chlor um das Wasser zu desinfizieren" erklärt Dussing.

Chemische Waffe im Krieg

Bevor Chlorgas zur Desinfektion verwendet wurde, ist es aber zuallererst als Waffe eingesetzt worden. Bereits im ersten Weltkrieg wurde es  entweder aus Stahlflaschen ausgeblasen oder in Form von Granaten in die gegnerischen Truppen geworfen. Obwohl es relativ viel Chlorgas braucht, um beim Gegner großen Schaden zu verursachen, wird es weiterhin als chemischer Kampfstoff verwendet. Der UNO-Menschenrechtsrat wirft etwa auch dem Assad-Regime in Syrien vor, Chlorgas gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt zu haben.

Chlorgas kann tödlich sein

Kommt das Chlorgas mit den Schleimhäuten oder den Augen in Kontakt, bildet es stark ätzende Säuren. Ist man dem Gas länger ausgesetzt, folgen Bluthusten und Zellzerstörung. Schon 0,5 bis ein Prozent Chloranteil in der Atemluft kann tödlich sein, berichtet "Die Presse". Seinen Namen hat das Chlorgas aufgrund seiner Farbe bekommen: Es ist gelbgrün, was auf Griechisch "chloros" heißt.

Alarmgeräte warnen vor Chlorgas

Tritt Chlorgas aus, wie das in Straßwalchen der Fall war, so bleibt das nicht lange unbemerkt. "Chlorgas hat einen sehr unangenehmen, stechenden Geruch und, wenn es konzentriert ist, eine leicht gelbliche Farbe", beschreibt Dussing gegenüber SALZBURG24. Außerdem muss es in jedem Lagerraum für das Gas funktionsfähige Chlorgas-Warngeräte geben. Diese lösen ab einer bestimmten Konzentration von Chlorgas in der Luft automatisch Alarm aus. Das passiert laut Günter Dussing meist, wenn beim Umgang mit den Lagerbehältern Fehler passieren. Es komme so gut wie nicht vor, dass diese tatsächlich leck werden.

Situation in Salzburg gut

Deshalb ist es ungeheuer wichtig, dass das Personal in den Bädern gut geschult ist. Das werde auch regelmäßig und streng vom Land kontrolliert, betont der Referatsleiter. In Salzburg sei die Situation sehr gut, es werde verantwortungsvoll mit den Chemikalien umgegangen. Seit das Gas nicht mehr an private Schwimmbadbesitzer ausgegeben wird, passiere auch viel weniger, schildert Dussing.

Schnelle Reaktion bei Austritt gefragt

Kommt es nun trotz aller Vorsichtsmaßnahmen zu einem Austritt, braucht es eine schnelle Reaktion. "Chlorgas ist ein Atemgift. Kommt man nach dem Einatmen nicht schnell an die frische Luft, kann man daran sterben", warnt Dussing. Deshalb geht auch die Feuerwehr bei einem derartigen Einsatz mit großen Sicherheitsvorkehrungen ans Werk. Ausgerüstet mit Schutzanzügen wird das Gas abgesaugt. Die betroffene Stelle wird mit Wasser bespritzt und anschließend abgedichtet. In Straßwalchen dauerte es zwei Stunden, bis der Chlorgasanteil so weit gesunken war, dass Entwarnung gegeben werden konnte.

Aufgerufen am 16.12.2018 um 01:43 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/stadt/nach-evakuierung-in-strasswalchen-so-gefaehrlich-ist-chlorgas-41567725

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