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Notschlafstelle Salzburg: Das ganze Leben in einem Sackerl

Teure Mieten, zu wenig Wohnungen: 130 Wohnungslose mussten in den ersten 100 Tagen des Jahres bereits die Notschlafstelle der Caritas Salzburg nutzen.

Die akute Wohnungsnot samt den hohen Mieten sind ein Dauerthema in Salzburg. Viel zu viele Menschen wissen nicht, wo sie ihre nächste Nacht verbringen können. Das 300 Quadratmeter große Haus in der Hellbrunner Str. 13b bietet Platz für insgesamt vier Frauen und elf Männer in Mehrbettzimmern. Wenn der Andrang jedoch zu groß ist, kann das Heim kurzfristig auf maximal 23 Schlafplätze erweitert werden. Eine langfristige Lösung ist das freilich nicht. Für Frauen gibt es einen eigenen abgetrennten Schlafbereich mit Waschraum.

Notschlafstelle für alle Erwachsenen

Geöffnet ist die Notschlafstelle jeden Tag von 18 bis 22 Uhr. Am folgenden Morgen um 9 Uhr muss das Heim wieder verlassen werden. Zugänglich ist die Unterkunft für alle Erwachsenen, der älteste Gast bisher war 86 Jahre alt. Die Notschlafstelle für Jugendliche befindet sich im Stadtteil Maxglan. "Die Wohnungslosen haben bei uns die Möglichkeit zu Abend zu essen, sich zu waschen und morgens zu frühstücken", sagt Friedrich Laimbock im Gespräch mit SALZBURG24. Ermöglicht wird das über die Basisfinanzierung durch das Land Salzburg, die aber längst nicht ausreicht. Der Rest wird von Bürgern gestemmt, die nicht nur Geld, sondern auch hin und wieder Lebensmittel, Kleidung und Bustickets spenden.

Heuer schon 130 Wohnungslose

Im letzten Jahr haben 420 verschiedene Personen aus knapp 50 Nationen die Notunterkunft genutzt, in diesem Jahr (101 Tage) waren es schon 100 Männer und 30 Frauen, die das Angebot der Caritas in Anspruch nehmen mussten. Doch es sind nicht nur Bedürftige aus Salzburg und dem Umland, sondern wegen der Nähe zur Grenze auch Deutsche, die fälschlicherweise glauben, in Österreich wäre es leichter, als daheim. Es mussten auch schon Touristen, denen am Hauptbahnhof alle Sachen geklaut wurden, für ein oder mehrere Nächte in der Notschlafstelle übernachten.

Der Andrang der Wohnungslosen  richtet sich immer nach der aktuellen Lage auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt. „Jeder Tag ist neu, man kann nicht wissen, was einem am Abend erwartet und wie viele vor der Tür stehen", so Laimbock, denn mittlerweile hat die Wohnungsnot die Mittelschicht erreicht. „Deswegen gibt es das klassische Bild eines Obdachlosen in zerlumpten Kleidern fast nicht mehr."

Gesamtes Hab und Gut in einem Sackerl

Pro Übernachtung verlangt die Caritas einen Eigenleistungsbeitrag in Höhe von 2 Euro, der aber nicht sofort bezahlt werden muss. Es geht darum, eine vertragliche Grundlage (Hausordnung) wie im echten Leben zu schaffen. In der Unterkunft gilt Alkohol- und sonstiges Drogenverbot. Wer sich daran nicht hält, hat sich seine nächtliche Unterkunft verspielt. Das Gepäck der Bedürftigen kann kostenlos im Dachboden gelagert werden. "Das Erschreckende ist, das die meisten ihr komplettes Hab und Gut in einem einzigen Sackerl haben", so Laimbock.

„So kurz wie möglich, so lange wie nötig!"

Erfolgsgeschichten von Menschen, die den Sprung raus aus der Not geschafft haben, sind sehr selten. „Wir wollen unsere Gäste natürlich möglichst schnell beispielsweise an das betreute Wohnen weiter vermitteln", sagt Laimbock, doch zum Aufenthalt gilt hier in erster Linie das Motto „So kurz wie möglich, so lange wie nötig!" Vertraglich sind maximal 30 aufeinander folgende Nächte und insgesamt 90 Übernachtungen im Jahr erlaubt. Wenn es jedoch unerwartet mehr werden, wird trotzdem niemand rausgeworfen.

Spenden erwünscht

In der Notschlafstelle sind vier Sozialarbeiter in Teilzeit beschäftigt. Hinzu kommen ein Nachtdienst, zwei Zivildiener und eine Reinigungskraft. In den Wintermonaten helfen außerdem 35 Köche dabei, die Bedürftigen zu verpflegen. Hierbei wird auf eine möglichst gesunde Ernährung geachtet.

Wer Spenden möchte, der wendet sich am besten direkt an die Caritas Salzburg mit dem Stichwort „NOST". Finanzielle Spenden sind immer gern gesehen, genauso wie Busfahrscheine. Weitere Notschlafstellen hat das Land Salzburg auf seiner Internet-Plattform veröffentlicht.

 

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 28.02.2021 um 11:41 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/stadt/notschlafstelle-salzburg-das-ganze-leben-in-einem-sackerl-45076927

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