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Corona-Verzögerung

Bericht zu NS-belasteten Straßennamen erst 2021

Endbilanz soll im Frühling kommen

Der Abschlussbericht der Historikerkommission über NS-belastete Straßennamen in der Stadt Salzburg verzögert sich. Ursprünglich hätten die Biografien von 65 "braunen" Namenspaten bis Ende 2020 aufgearbeitet worden sein sollen. Als neuer Termin wird nun der Frühling genannt.

Salzburg

Wie man auf das in Salzburg politisch heiß diskutierte Thema aufmerksam machen kann, zeigte Mitte dieser Woche auch eine Aktion des Vereins für aktive Gedenk- und Erinnerungskultur Alpine Peace Crossing. Mit einem über 60 Quadratmeter großen Memory-Spiel luden Vereinsmitglieder am Mittwoch Passanten am Residenzplatz zum Nachdenken über das problematische Erbe ein. Sie legten 64 Karten mit 64 Salzburger Straßennamen auf, die bis heute Personen mit Verstrickungen im NS-Regime ehren. Wer wollte, war eingeladen, das Schild mit der dazugehörigen historischen Information zu finden.

Geschichten "jahrelang unter Teppich gekehrt"

"Die Aktion war eine Einladung an die Salzburger und Salzburgerinnen, genauer hinzuschauen", sagte Robert Obermair, Vorsitzender von Alpine Peace Crossing. Abseits einiger prominenter Fälle sei die dunkle Vergangenheit vieler belasteter Straßen wenig bekannt. Die Geschichten hinter den betroffenen Straßennamen seien von der Politik lange genug unter den Teppich gekehrt worden, nun sei die Stadt gefordert, "endlich zu handeln und nach jahrzehntelang verschleppten Debatten die überfälligen Schritte zu setzen."

15 von 65 belasteten Biografien online

Tatsächlich laufen die dazu notwendigen Vorarbeiten bereits seit einigen Jahren. Historiker haben zunächst 65 mit Straßennamen geehrte Personen identifiziert, die nachweislich Mitglieder der NSDAP oder Parteianwärter waren oder unterschiedlich stark ausgeprägt mit dem NS-System verstrickt waren. 15 der 65 Biografien wurden bereits ins Internet gestellt, die Recherchen zu den fehlenden Namenspaten gelten als weitgehend abgeschlossen. Allerdings hat die Corona-Epidemie für Verzögerungen im Zeitplan gesorgt.

Straßennamen: Abschlussbericht wird nicht fertig

"Wir wollten Ende des Jahres fertig sein", sagte die für das Projekt zuständige Chefin der Kulturabteilung der Stadt, Ingrid Tröger-Gordon, auf APA-Nachfrage. Die Maßnahmen gegen das Virus hätten aber nicht nur die Arbeit in den Archiven erschwert, vor allem die wichtigen Abschlusssitzungen des mit acht Personen besetzten wissenschaftlichen Fachbeirats seien zuletzt nicht möglich gewesen. Der Fachbeirat ist jenes Gremium, das dem Salzburger Gemeinderat empfehlen wird, wie mit den Forschungsergebnissen umgegangen wird - bis hin zu Umbenennungen einzelner Straßen.

"Es hat sich gezeigt, dass sich eine ordentliche Diskussion über Video-Konferenzen kaum bewerkstelligen lässt. Wir werden das nachholen, sobald physische Treffen wieder möglich sind", sagte Tröger-Gordon. Auf einen genauen Termin wolle sie sich angesichts der Umstände nicht festlegen. "Wir rechnen aber damit, dass der Bericht im Frühling vorliegen wird." Der Gemeinderat könnte sich dann noch in der ersten Jahreshälfte 2021 damit befassen.

Personen in drei Kategorien eingeteilt

In den Sitzungen des Fachbeirats sollen die Namen in drei Kategorien eingeteilt werden: Erstens in Personen, die sich keiner Verbrechen schuldig gemacht haben und deren Verstrickung mit dem Nazi-Regime nicht zu gravierend waren. Über sie soll es in Zukunft Einträge im digitalen Stadtplan geben. Zweitens in Personen, deren Aktivitäten so weit gegangen sind, dass es zusätzlich zur Darstellung der Biografie im Internet eine Info auf den Erklärungstafeln zu den Straßennamen vor Ort braucht. Und schließlich in Personen, die so gravierend mit dem NS-Regime verstrickt waren, dass eine Umbenennung der Straßen oder Plätze in Erwägung gezogen werden soll. Das könnte nach Aussagen des ressortzuständigen Vizebürgermeisters Bernhard Auinger (SPÖ) vom Sommer bei "sieben bis acht Straßen" der Fall sein.

Makartsteg, Salzburg, Fürhling FMT-Pictures/KJ

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(Quelle: APA)

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