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Offline gehen: Was bringt digitales Fasten?

In der Fastenzeit tritt der Verzicht wieder in den Vordergrund: Keine Süßigkeiten, kein Fleisch, weniger Autofahren. Immer häufiger wollen sich Menschen auch von ihrem Smartphone und dem Internet verabschieden. "Digital Detox", also digitales Fasten, ist auch im Salzburger Lungau angekommen. Die Voraussetzungen sind ideal, denn Empfang gibt es auf 1.900 Metern sowieso keinen.

Der erste Griff nach dem Aufwachen ist oft der nach dem Handy. Und sobald das Smartphone eingeschaltet ist, vibriert und klingelt es nach Lust und Laune und bringt all die wichtigen und unwichtigen Nachrichten, die man in der Nacht versäumt hat.

Psychologin: "Süchtig, wenn ich ohne nicht mehr leben kann"

Das Handy wegzulegen fällt immer schwerer, fällt der Akku aus kann das regelrechte Panik auslösen. Die Diagnose als Sucht ist beim Smartphone laut Monika Bernberger, Klinische- und Gesundheitspsychologin in Salzburg, äußerst schwierig. "Eine Sucht beginnt mit Missbrauch, süchtig bin ich, wenn ich ohne das Gerät nicht mehr leben kann, unruhig werde, zu schwitzen beginne oder aggressiv bin. Gefährlich wird es, wenn ich an meinem Verhalten nichts ändere, obwohl es mir schadet", erklärt Bernberger gegenüber SALZBURG24.

Während ihrer Zeit als Schulpsychologin zeigte sich, das Kinder nicht auf Schulreisen mitfuhren, weil sie es nicht eine Woche ohne Computer aushielten. "Das hat sich mit den Handys verschärft, die sind 24 Stunden lang überall verfügbar und werden oft nicht mehr ausgeschalten", schildert die Psychologin. Beim Digitalen Fasten steht für sie die Frage im Vordergrund: "Schaffe ich das überhaupt?" und weiter: "Abstinenz ist im Digitalen besonders schwierig, weil alles so vernetzt ist."

"Digital Detox" gegen die Reizüberflutung

Geprägt haben den Begriff "Digital Detox" Levi Felix und Brooke Dean, die ausgerechnet im Silicon Valley ein Offline-Camp für Erwachsene gründeten. Abschalten statt einschalten heißt das Motto: Handys, Kameras und Ähnliches müssen draußen bleiben.

Digitales Fasten im Lungau ganz ohne Empfang

Im Salzburger Lungau ist das nicht notwendig. Hier zieht die Natur für den Menschen den Stecker, genauer die Lungauer Nockberge. Auf der 1.900 Meter hohen Karneralm in Ramingstein gibt es keinen Empfang. Die Eigentümer Elke und Wolfgang Mäule sind zufällig im Lungau gelandet und haben auf der Alm drei Hütten gebaut. "Das Dorf liegt in einem schwarzen Loch, oberhalb des Dorfes gibt es bei schönem Wetter hin und wieder Empfang, aber in unseren Hütten gibt es keinen", schildert Wolfgang Mäule im Gespräch mit SALZBURG24.

Die Hütten auf 1.900 Meter bieten Digitale Auszeit ganz ohne zusätzliche Vorbereitungen. Foto: Almness Salzburg24
Die Hütten auf 1.900 Meter bieten Digitale Auszeit ganz ohne zusätzliche Vorbereitungen. Foto: Almness

Mäule: "Viele gehen das als Experiment an"

Auf der Karneralm haben Gäste die Wahl, ob sie ihren Urlaub offline oder online verbringen wollen. Der WLAN-Router in jeder Hütte kann ein- und ausgeschalten werden, der Fernseher ist versteckt und nur die Eltern bekommen einen Schlüssel. Allerdings lebt auch das Internet auf der Alm die Entschleunigung: Im Netz ist Geduld gefragt. Mäule: "Viele gehen das als Experiment an, wenn jemand aber mit der Stille nicht zurecht kommt, dann gibt es die Möglichkeit wieder online zu gehen. Das ist die Brücke für viele Menschen, sich auf das einzulassen." Oft seien es die Kinder, die wieder auf die Karneralm wollen, weil sie dort die Eltern ganz für sich alleine haben, weil "da ruft keiner an", weiß Mäule.

Bernberger: "Wir haben Angst, etwas zu versäumen"

Warum schaffen wir es nicht ohne einen Digital-Detox-Urlaub einfach mal das Handy aus der Hand zu geben? "Schlicht und ergreifend Gewohnheit. Doch die Systeme sind auch sehr ausgeklügelt, sodass wir immer wieder zurückkehren wollen. Sei es, um das nächste Level zu erreichen oder weil wir Angst haben, etwas zu versäumen", weiß Bernberger. Ihrer Meinung nach tut eine Verlangsamung gut und kann auch zur Prävention von Burnout beitragen.

Bringt digitale Auszeit überhaupt etwas?

"Eine Auszeit macht den bewussteren Umgang mit den Geräten im Alltag sicher wieder leichter", ist Bernberger überzeugt. Vor allem die jüngeren Generationen kennen ein Leben ohne Handy gar nicht, das könnten sie beim Handyfasten lernen. Sie rät dabei zu einer genauen Definition: Möchte ich nur offline sein, oder gänzlich nicht erreichbar? Darf ich einmal am Tag telefonieren oder ist das Handy komplett tabu? "Die ständige Verfügbarkeit löst Stress aus, das Gehirn aber braucht Erholung: Ein Verzicht kann helfen, die richtige Balance wieder zu finden", sagt die Psychologin abschließend.

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(Quelle: S24)

Aufgerufen am 06.12.2019 um 07:08 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/stadt/offline-gehen-was-bringt-digitales-fasten-57885844

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