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Osterfestspiel-Affäre: Raue im Zeugenstand

Im fortgesetzten Schadensersatzprozess in der Osterfestspiel-Affäre (SALZBURG24 hat berichtet) ist am Freitag der Rechtsanwalt der Berliner Philharmoniker, Peter Raue (71), am Landesgericht Salzburg als Zeuge befragt worden.

Raue war nach Auftauchen von finanziellen Ungereimtheiten und der Entlassung des Geschäftsführers Michael Dewitte als interimistischer Geschäftsführer von 9. Jänner bis 31. Juli 2010 eingesetzt. Raue schilderte, dass die Berliner Philharmoniker die fristlose Kündigung Dewittes gefordert hatten, da keine vertragliche Grundlage für erhöhte Gehaltszahlungen erkennbar gewesen sei.

Osterfestspiel-Affäre begann bereits 2009

"Am 9. Dezember 2009 habe ich zu Landeshauptfrau Burgstaller gesagt, dass wir auf die fristlose Entlassung bestehen", erklärte der Universitätsprofessor. "Wir verfügten über eine Aufstellung von Dewitte, die unnachvollziehbare hohe Reisekosten und Spesen beinhaltet hat. Das war keine Bilanz, das war ein Zettel, den er uns auf den Tisch gelegt hat. Wir waren wie gelähmt, als wir das gesehen haben." Die Kosten Dewittes seien in die Hundertausende Euro gegangen und Provisionen nicht gerechtfertigt gewesen. Zwei Tage später wurde dann die Kündigung ausgesprochen. Die Berliner Philharmoniker, die das Festival in Salzburg seit dessen Gründung 1967 musikalisch getragen haben, sahen sich die Gehälter der Mitarbeiter der Osterfestspiele deshalb genau an, weil die wirtschaftliche Lage des Festivals schlecht war. Ende November, Anfang Dezember 2009 sei klar gewesen, dass das Geld für die Realisierung der Festspiele nicht ausreichen wird. Es habe ein Fehlbetrag von 2,5 Millionen Euro bestanden, erzählte Raue von damaligen Gesprächen. Ohne eine Finanzspritze von einer Million Euro aus der Region wäre das Konzept nicht mehr finanzierbar gewesen.

Raue über "Vermittlungs-Provision" befragt

Es gab damals auch die Überlegung, dass sich die Berliner Philharmoniker von den Osterfestspielen trennen. "Mag sein, dass es schon 2008 ein Grummeln gegeben hat, nach Baden-Baden zu gehen", sagte Raue. Im Dezember 2009 habe es dann geheißen, "ein Bleiben unter Geschäftsführer Dewitte kommt überhaupt nicht in Betracht". Allerdings machte das Orchester im Mai 2011 publik, dass es Salzburg verlässt und ab Ostern 2013 ein Festival in Baden-Baden veranstaltet. Salzburger Politiker reagierten damals verärgert und enttäuscht. Peter Raue wurde von Zivilrichterin Caroline Außerhofer auch über die dubiose 300.000 Euro hohe "Vermittlungs-Provision" befragt, die sich Dewitte von einer ausbezahlten Förderung von 800.000 Euro aus einer Stiftung des russischen Kunstmäzens Igor Vidyaev abgezweigt haben soll. Dazu Raue: Als er Anfang Februar 2010 einem Rechtsvertreter von Vidyaev die Provisionsvereinbarung gezeigt habe, sei der Anwalt blass geworden, weil dieser davon nichts wusste. Als Begründung, warum Vidyaev weitere Zahlungen aus der geplanten 2,5 Mio. Euro hohen Förderung zurückhalte, habe dessen Anwalt angegeben, dass der russische Mäzen gerne die Österreichische Staatsbürgerschaft oder einen Daueraufenthalt haben wollte, sagte Raue. Die Zeugenbefragung gab auch einen Einblick über die gute Bezahlung, welche die Osterfestspiele führenden Mitarbeitern zukommen ließen. Raue verdiente für seine Tätigkeit als interimistischer Geschäftsführer nach eigenen Angaben 1.500 Euro am Tag, zuzüglich Spesen und der Übernachtung im Hotel Sacher. Das sei aber nicht unverhältnismäßig und "nicht der Ansatz dafür, was ich sonst nehme - 350 Euro pro Stunde", erklärte Raue. "Das war Einspringen in der Not, damit es weitergeht. Ich war vielleicht insgesamt 14 Tage hier, zehn, elf Stunden Arbeit am Tag." Die Richterin machte Raue auch auf ein Strafverfahren gegen ihn aufmerksam, dass die Oberstaatsanwalt Linz wegen einer Stimmbindungsvereinbarung zwischen den Osterfestspielen und den Berliner Philharmonikern erlassen habe. Die Staatsanwaltschaft Salzburg soll nun erheben, ob Raues Doppelrolle als interimistischer Geschäftsführer und Rechtsvertreter der Berliner Philharmoniker rechtens war. Raue betonte heute, er wisse nichts von diesem Verfahren, er sei für die Osterfestspiele ausschließlich als Geschäftsführer tätig gewesen. Das Salzburger Festival wird mittlerweile von Bernd Gaubinger und Peter Alward geleitet.

Osterfestspiele fordern 1,5 Mio. Euro

Die Osterfestspiele GmbH fordert in dem Zivilprozess wegen finanzieller Ungereimtheiten rund 1,5 Mio. Euro von vier beklagten Parteien. Es handelt sich um zwei Rechtsanwälte, die für die Osterfestspiele von 2002 bis 2009 Provisionen, Reisekosten, Extrapauschalen und Überstundenabgeltungen in der Höhe von rund 1,1 Mio. Euro an Dewitte durchgeführt hätten, "obwohl es keine vertragliche Grundlage gab", so die Klägerin. Schadensersatz gefordert wird auch vom ehemaligen Technischen Direktor der Salzburger Festspiele, Klaus K., und von einer Wiener Steuerberatungskanzlei wegen der 300.000 Euro hohen Provisionszahlung aus der Vidyaev-Stiftung. Gegen Dewitte und Klaus K. läuft auch ein Strafverfahren wegen des Verdachtes der Untreue mit einem mutmaßlichen Gesamtschaden von rund 3,1 Mio. Euro. Zwei Staatsanwälte ermitteln derzeit in der Causa "Osterefstspiele", eine Anklage ist noch nicht in Sicht. (APA)
(Quelle: S24)

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