Jetzt Live
Startseite Stadt
Stadt

Osterfestspielaffäre: Burgstaller trat in Zivilprozess als Zeugin auf

Im fortgesetzten Schadensersatzprozess in der Osterfestspiel-Affäre ist am Mittwoch Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (S) am Landesgericht Salzburg mehrere Stunden als Zeugin zu den Gehaltsbezügen des zum Jahreswechsel 2009/10 entlassenen Geschäftsführers Michael Dewitte befragt worden.

Seine Bezüge seien nie Gegenstand der Beratungen in den Kuratoriumssitzungen gewesen, es sei auch nie über Provisionen gesprochen worden, betonte die damalige geschäftsführende Präsidentin des Kuratoriums der Karajan-Stiftung.

1,5 Millionen Euro gefordert

Die Osterfestspiele GmbH hat den Zivilprozess nach Auftauchen von Malversationen angestrengt. Die Gesellschaft fordert rund 1,5 Mio. Euro von vier beklagten Parteien. Es handelt sich um zwei Rechtsanwälte (einer der beiden war ehemaliger Zwei-Prozent-Eigentümer der Osterfestspiele, Anm.), die für die Osterfestspiele von 2002 bis 2009 Provisionen, Reisekosten, Extrapauschalen und Überstundenabgeltungen in der Höhe von rund 1,1 Mio. Euro an Dewitte durchgeführt hätten, "obwohl es keine vertragliche Grundlage gab", argumentierte die Klägerin.

Provisionszahlung abgezweigt

Schadensersatz gefordert wird auch vom ehemaligen Technischen Direktor der Salzburger Festspiele, Klaus K., und von einer Wiener Steuerberatungskanzlei. Dabei geht es um eine 300.000 Euro hohe Provisionszahlung aus einer Privatstiftung des russischen Kunstmäzens Igor Vidyaev. Diese Summe soll bisherigen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zufolge Dewitte mit Hilfe von Klaus K. unrechtmäßig abgezweigt haben. Die strafrechtlichen Ermittlungen gegen die beiden sind noch nicht abgeschlossen. Die Anklagebehörde geht von einem mutmaßlichen Gesamtschaden von rund 3,1 Mio. Euro aus.

Burgstaller im Zeugenstand

Die Karajan-Stiftung hielt 98 Prozent der Gesellschaftsanteile der Osterfestspiele. Burgstaller erklärte heute im Zeugenstand, dass man sich in den Kuratoriums-Sitzungen vor allem mit der Einnahmenstruktur der Osterfestspiele und über die finanzielle Situation beschäftigt habe. Die Bilanzübersicht, die Gewinn- und Verlustrechnung, hätten nur aus wenigen Blättern bestanden. "Die Prüfberichte wurden vorgelegt, nicht allerdings die detaillierten Jahresabschlüsse", so die Landeshauptfrau. Ausgabenseitig sei durch die Überprüfung der Wirtschaftsprüfung nicht erkennbar gewesen, dass es Malversationen gebe. Burgstaller erklärte zudem, dass das Kuratorium fälschlicherweise als Aufsichtsrat der Osterfestspiele eingeschätzt wurde. Dewitte habe in den Jahren 2006 bis 2009 stets ein höheres Gehalt gefordert, schilderte die Landeshauptfrau. Sie habe ihre ablehnende Haltung mit der schwierigen finanziellen Situation der Osterfestspiele begründet. Sein Gehalt von rund 10.000 Euro brutto monatlich "erschien mir ausreichend", betonte Burgstaller. Sie sei auch davon ausgegangen, dass ein Geschäftsführer "üblicherweise korrekt abrechnet". Als ihr am 9. Dezember 2009 von ihrer Büroleiterin eine Aufgliederung der Mitarbeiter-Gehälter vorgelegt worden sei, habe sie erstmals Kenntnis über Tantiemen und Provisionen Dewittes aus Sponsoreneinnahmen erlangt.

"Provisionsvereinbarung nicht beliebt"

Der Ex-Geschäftsführer soll seinen Provisionsanspruch mit einer fünfprozentigen Provisionsvereinbarung aus seiner Tätigkeit für das European Art Forum begründet haben. Das Forum sei aber nicht zustande gekommen, erläuterte Burgstaller. Hätte sie schon vor 2009 von unrechtmäßigen Provisionszahlungen gewusst, dann hätte sie sich ebenfalls für seine Entlassung ausgesprochen. "In Salzburg sind Provisionsvereinbarungen nicht besonders beliebt."

Vidyaev wollte Verfahren abwarten

Auf die Frage, warum der russische Kunstmäzen Vidyaev weitere Zahlungen aus der geplanten 2,5 Mio. Euro hohen Förderung an die Osterfestspiele eingestellt hatte, sagte Burgstaller: Er habe das Verfahren in der Causa Osterfestspiele abwarten wollen und sei auch über die Medienberichterstattung verärgert gewesen. Eine Provisionszahlung sei jedenfalls nicht Gegenstand des Fördervertrages gewesen. Sie selbst habe Vidyaev, seine Frau und seine Kinder am Rande des Finalspiels der Fußball-EM 2008 in Wien getroffen, und zwar in einem Hotel nahe Wien. Er habe ihr erzählt, dass seine Kinder eine künstlerische Ausbildung in Österreich absolvieren wollten. Deshalb habe er die Zukunft der Familie in Österreich gesehen, deshalb sei er an einer Österreichischen Staatsbürgerschaft interessiert. Sie habe ihm mitgeteilt, dass das Land Salzburg hier eine Vermittlerfunktion einnehme, nach dem Staatsbürgerschaftsgesetz aber der Bund darüber entscheide. Seitens des Landes Salzburg habe es auch eine positive Stellungnahme zu dem Ansuchen gegeben. Die Voraussetzung des "kleinen Staatsinteresses" traf aufgrund des künstlerischen Engagement Vidyaevs zu. Der Akt sei dann an den Bund weitergeleitet worden, so Burgstaller. Dieser hat aber eine Staatsbürgerschaft für die russische Familie abgelehnt. (APA)
(Quelle: S24)

Aufgerufen am 23.04.2021 um 11:33 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/stadt/osterfestspielaffaere-burgstaller-trat-in-zivilprozess-als-zeugin-auf-59343541

Kommentare

Mehr zum Thema