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Osterfestspiele: Dewitte im Zeugenstand

Im fortgesetzten Schadensersatzprozess in der Osterfestspiel-Affäre am Donnerstag, wurde Ex-Geschäftsführer Michael Dewitte (45) als Zeuge einvernommen.

Bei der Befragung ging es auch darum, ob er im Zeitraum 2002 bis 2009 Reisekosten und Provisionen aus Sponsoreinnahmen rechtmäßig bezogen hat. Dewitte legte vor Zivilrichterin Christine Außerhofer dar, dass das Kuratorium der Osterfestspiele die erhaltenen Tantiemen "bis 2009 niemals beanstandet hat."

Dewitte hat Gehalt nach "oben korrigiert"

Als er seine Tätigkeit für die Berliner Philharmoniker im Jahre 2002 einstellte, habe er wegen dieses Gehaltsausfalles seinen Verdienst bei den Osterfestspielen "nach oben korrigieren wollen", schilderte Dewitte. Deshalb habe er den Vorschlag gemacht, eine Tantieme von fünf Prozent auf die Sponsoreneinnahmen als Gehaltserhöhung zu erzielen. Er habe dies auch einem Mitarbeiter des damaligen geschäftsführenden Präsidenten des Kuratoriums der Karajan-Stiftung, Landeshauptmann Franz Schausberger (V), mitgeteilt (die Stiftung hielt 98 Prozent der Gesellschaftsanteile der Osterfestspiele, Anm.), erläuterte Dewitte. Den Inhalt des Antwortfaxes des Hofrates, den er als Vertreter des Landeshauptmannes gesehen habe, habe er als Zustimmung gewertet.

Allfällige Honorierung für "Europa Art Forum"

Die Richterin wies Dewitte aber darauf hin, dass in der Betreffzeile des Schreibens "European Art Forum" stand. "Aus der Urkunde ergibt sich, dass der Hauptgesellschafter keine Zustimmung erteilt hat", erklärte Außerhofer. Neben der Unterschrift des Hofrates stehe auch kein Zusatz, dass dieser den Landeshauptmann vertreten habe, und das Schreiben habe gar nicht die Honorierung seitens der Osterfestspiele betroffen, so die Richterin. Der Hofrat habe bereits dargelegt, dass es für ihn klar gewesen sei, dass es in dem Schreiben um eine allfällige Honorierung für die Tätigkeit beim "Europa Art Forum" ging, welches aber gar nicht zustande gekommen sei, erklärte Außerhofer. "Ich sehe das persönlich anders", antwortete der Ex-Geschäftsführer der Osterfestspiele. "Ich wollte nicht immer alles hinterfragen, ich habe mich mit dieser Unterlage leider zufriedengegeben." Nach heutigem Wissensstand hätte er das Schreiben über seine Forderung von fünf Prozent an Tantiemen "detaillierter machen sollen". Mit dem Landeshauptmann selbst habe er über dieses Thema nicht gesprochen. Es sei aber buchhalterisch dokumentiert worden, dass er fünf Prozent Tantiemen erhalte.   Auf die Frage der Richterin, was bezüglich des Reiseaufwandes im Dienstvertrag geregelt war, antwortete Dewitte: "Nichts Definiertes. Die dienstnotwendigen Reisen sind nicht ausdiskutiert beziehungsweise nicht vertraglich erfasst worden." Keiner habe ihm erklärt, was es mit der beamtendienstlichen Regelung auf sich habe. "Im Nachhinein betrachtet hätte ich mir erklären lassen müssen, was diese Regelung beinhaltet." Gegen seine Reisekosten sei aber nie Einspruch erhoben worden, betonte Dewitte, der derzeit ohne Beschäftigung ist. Ob der Vorwurf der Osterfestspiele, er sei sehr exklusiv gereist, stimme, fragte die Richterin. "Nicht unbedingt", so Dewitte.

Osterfestspiele fordern 1,5 Millionen Euro

Die Osterfestspiele GmbH fordert in dem Zivilprozess wegen finanzieller Ungereimtheiten rund 1,5 Mio. Euro von vier beklagten Parteien. Es handelt sich um zwei Rechtsanwälte, die für die Osterfestspiele von 2002 bis 2009 Provisionen, Reisekosten, Extrapauschalen und Überstundenabgeltungen in der Höhe von rund 1,1 Mio. Euro an Dewitte durchgeführt hätten, "obwohl es keine vertragliche Grundlage gab", argumentierte die Klägerin. Schadensersatz gefordert wird auch vom ehemaligen Technischen Direktor der Salzburger Festspiele, Klaus K., und von einer Wiener Steuerberatungskanzlei. Dabei geht es um eine 300.000 Euro hohe Provisionszahlung aus einer Privatstiftung des russischen Kunstmäzens Igor Vidyaev.

Strafverfahren wegen Ungereimtheiten

Gegen Dewitte und Klaus K. läuft auch ein Strafverfahren wegen Untreue. Die Anklagebehörde geht von einem mutmaßlichen Gesamtschaden von rund 3,1 Mio. Euro aus. Zwei Staatsanwälte ermitteln derzeit in der Causa, eine Anklage ist noch nicht in Sicht. Anfang 2010 ist der Vorwurf von Malversationen aufgetaucht, Dewitte und K. sind entlassen worden.
(Quelle: S24)

Aufgerufen am 20.04.2021 um 11:33 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/stadt/osterfestspiele-dewitte-im-zeugenstand-59346352

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