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Phänomen Greta

Warum eine Jugendliche so gehasst wird

Salzburger Psychologin über Thunberg als Projektionsfläche

Greta Thunberg APA/AFP/Johannes EISELE
Greta Thunberg polarisiert, wie derzeit kaum jemand.

Greta Thunberg – entweder man bewundert die 16-jährige Schwedin oder man hasst sie. Dazwischen scheint es nicht viel zu geben. Doch warum polarisiert die junge Klimaaktivistin so sehr? Das erklärt Umweltpsychologin Isabella Uhl-Hädicke von der Uni Salzburg im Gespräch mit SALZBURG24.

Mit ihrer Wutrede beim UN-Klimagipfel in New York hat Thunberg diese Woche wieder einmal für Aufsehen gesorgt. "Ihr habt mit Euren leeren Worten meine Träume und meine Kindheit gestohlen", erhob die 16-Jährige schwerwiegende Vorwürfe gegen die Politiker.

Beleidigungen und Hass gegen Thunberg im Netz

Ihr Auftritt machte – wie schon viele zuvor – weltweit Schlagzeilen. Die Schwedin muss dafür aber auch viel Kritik einstecken – wie auch schon oftmals davor. Gerade im Netz fällt diese aber alles andere als sachlich aus. Persönliche Angriffe gegen die 16-Jährige, Beleidigungen und Hass – das ist alles keine Seltenheit in den Foren, auch unter Beiträgen auf der SALZBURG24-Facebook-Seite. Aber warum ist das so?

In einer emotionalen Rede warf Greta Thunberg Politikern aus aller Welt eklatantes Versagen vor:

Gepostet von SALZBURG24 am Montag, 23. September 2019

"Greta polarisiert sicherlich, weil sie unangenehme Wahrheiten anspricht", sagt Uhl-Hädicke. Die Wissenschafterin der Uni Salzburg geht der Frage nach, wie erfolgreich freiwillige bzw. verpflichtende Strategien darin sind, Personen zum Ausüben eines ökologisch nachhaltigen Lebensstils zu bewegen und mit welchen möglichen Nebenwirkungen zu rechnen ist. Dafür untersucht sie die Reaktionen von Personen auf bedrohliche Klimawandelinformationen.

"Greta ist sehr eindringlich und direkt"

"Sie legt die wissenschaftlichen Fakten des Klimawandels auf den Tisch und zeigt, dass ein Handeln nicht nur wünschenswert, sondern dringend notwendig ist", so die Umweltpsychologin. Im deutschsprachigen Raum stehen 30.000 Forscherinnen und Forscher als "Scientists for Future" hinter Thunbergs Bewegung "Fridays for Future", auch Uhl-Hädicke.

Unser Aufruf an die Politik

Wir fordern die Regierungen von Deutschland, Österreich und der Schweiz auf, umgehend wirksame Maßnahmen des Klimaschutzes zu ergreifen! ➡️ Unser Aufruf an die Politik: https://www.youtube.com/watch?v=4ZYh0aTSvBA feat. Greta Thunberg ➡️ Fakten, Quellen und mehr unter https://www.scientists4future.org/ #AlleFürsKlima #Klimastreik

Gepostet von Scientists 4 Future am Montag, 16. September 2019

Greta Thunberg habe aber "eine sehr eigene Art ihre Anliegen anzusprechen. Sie ist sehr eindringlich und direkt". Ihre Vorwürfe in der UN "Ihr habt mir meine Kindheit geraubt" würden vor allem bei Älteren Schuldgefühle auslösen, erklärt die Psychologin. "Niemand will von sich selbst das Gefühl haben, ein schlechter Mensch zu sein. Wir Menschen haben unterschiedliche Wege damit umzugehen."

Wer die Quelle herunterspielt, müsse nicht handeln

Einer davon sei die Quelle dieses Unwohlseins, also Greta Thunberg, herunterzuspielen. "Greta ist die Projektionsfläche, damit sich jemand nicht für sein eigenes Nicht-Handeln rechtfertigen muss. Indem man ihr die Legitimation nimmt, muss man sie nicht so ernst nehmen."

Sie sei zu jung, zu naiv und habe keine Erfahrung oder zeige keinen Respekt gegenüber Älteren, heißt es in Kommentaren häufig. Aber was wäre, wenn Greta Thunberg keine Jugendliche, sondern ein Mitte 50-jähriger Mann wäre? "Wir in der Wissenschaft stellen uns dieselbe Frage: Seit 30 Jahren versuchen wir, dass die Wissenschaft in der Politik und in der Gesellschaft gehört wird und bislang ist es nicht wirklich gelungen", so Uhl-Hädicke. "Plötzlich kommt eine junge Schwedin und der Fokus liegt auf ihr. Es hat alles gut gepasst: Die Rolle, wie sie auftritt. Dieser scheinbare Widerspruch, wenn ein kleines, junges Mädchen erscheint, aber dann bei ihren Reden so kraftvoll wird." Das Phänomen Greta Thunberg funktioniere gerade durch diese Diskrepanz, durch die Polarisierung, ist sie überzeugt.

(Quelle: SALZBURG24)

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