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Corona-Quarantäne

"Wir sind jetzt nicht die Covid-19-Jäger"

Salzburger Polizist über den neuen Dienstalltag

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Martin Nief ist stellvertretender Kommandant der Polizeiinspektion Rathaus in der Stadt Salzburg.

Mit den weitreichenden Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus kamen auch auf die Salzburger Polizei plötzlich neue Aufgaben zu. Wie der Alltag der Streifenpolizisten aktuell aussieht, hat uns Martin Nief von der Polizeiinspektion Rathaus in der Stadt Salzburg erklärt.

Nief ist stellvertretender Kommandant der Polizeiinspektion Rathaus. Die aktuelle Corona-Krise bekommt der 45-Jährige also vor allem im Zentrum der Stadt Salzburg mit. Im Interview erzählt er uns, wie die Polizistinnen und Polizisten mit der neuen Aufgabenlage umgehen und wie sich dadurch der Alltag der Beamten verändert.

SALZBURG24: Herr Nief, mit den Maßnahmen zur Einschränkung des Coronavirus kommen auf die Polizei ganz neue Aufgaben zu. Die Menschen bleiben großteils zu Hause, Ausgangsbeschränkungen müssen überwacht werden. Wie sind die Erfahrungen nach eineinhalb Wochen dieser Maßnahmen? 

MARTIN NIEF: Grundsätzlich kann man sagen, dass sich die Bevölkerung großteils daran hält. Wir haben sehr selten mit unvernünftigen Personen zu tun, die die Maßnahmen in irgendeiner Art und Weise ignorieren oder sich nicht daran halten. Es sind aber sicher weit über 90 Prozent der Menschen, die sich daran halten. Aber es gibt halt doch ein paar Uneinsichtige. Zum Beispiel Personengruppen, die im Fahrzeug unterwegs sind. Die haben oftmals keinen gemeinsamen Wohnsitz, sondern machen einfach zusammen einen Ausflug. 

Handelt es sich dabei eher um jüngere Menschen?

Ja, was die Kollegen so berichten, handelt es sich dabei eher um Jüngere in der Altersgruppe bis 30 Jahre. 

Die Leute scheinen den Ernst der Lage großteils verstanden zu haben. Muss die Polizei auch ab und zu durchgreifen? 

Naja, durchgreifen bedeutet bei uns, Anzeigen zu erstatten. Das kommt vor, wenn Leute wirklich uneinsichtig sind. Es handelt sich dann um eine Spezialprävention, dass wir die Anzeige erstatten. Aber wir versuchen trotzdem nach wie vor sehr informativ aufzutreten und suchen das Gespräch mit den Leuten. Wir sind also nicht die Covid-19-Jäger, sondern achten auf Verständnis für die Maßnahmen. 

Der Aufenthalt im Freien ist nur alleine oder mit Personen, die im gemeinsamen Haushalt leben, erlaubt. Gegenüber...

Gepostet von Polizei Salzburg am Dienstag, 24. März 2020

In der Krise wird nun allen nahegelegt, zu Hause zu bleibe. Für die Polizei ist das natürlich nicht möglich. Wie sehen hier die Maßnahmen zum Eigenschutz der Beamten aus?

Grundsätzlich halten wir uns natürlich an die Maßnahmen, die auch allen anderen empfohlen werden. Das heißt Händewaschen, Abstand einhalten. Im Dienstbetrieb haben wir die Eigenschutzmaßnahmen dahingehend gestaltet, dass wir keine Besprechungen mehr auf engen Raum abhalten. Wir haben glücklicherweise die bauliche Situation, dass wir einen großen Raum haben, in dem wir unsere Dienstbesprechungen machen können. Wir achten auch darauf, dass wir diese Besprechungen nicht allzu lange halten. Die Kolleginnen und Kollegen haben auch dahingehend die Anweisung, Räumlichkeiten nicht in Gruppen zu betreten. In den Kanzleien sind maximal zwei Personen im Einsatz.

Wir haben zudem Desinfektionsmittel, außerdem Schutzausrüstung in Form von Einweghandschuhen und Masken, die im Bedarfsfall angezogen werden können. Vor allem aber geht es um die Umsetzung der Maßnahmen, die auch der Bevölkerung empfohlen werden. Was es derzeit nicht gibt, ist das gemeinsame Mittagessen. 

Das Coronavirus macht natürlich nicht vor der Uniform halt. Wie ist es, wenn man in den Straßen unterwegs ist und ständig das Risiko einer Ansteckung gegeben ist  versucht man dies auszublenden oder ist man sich dieser Gefahr immer bewusst?

Man hat es schon vergegenwärtigt, wir schieben diese Gefahr also nicht weg. Aber, wir versuchen professionell damit umzugehen. Die Situation kann nicht geändert werden. Es wird also noch mehr auf Eigenschutzmaßnahmen geachtet. Eigensicherung ist bei uns natürlich immer ein Thema, unabhängig vom Coronavirus. Wir haben ja auch sonst mit Personen zu tun, die ansteckende Krankheiten haben und wir das im Vorfeld nicht wissen. Das heißt, vielleicht kann die Polizistin oder Polizist mit dieser Gefahr sogar besser umgehen, weil sie ja von Haus aus eine erhöhte Gefährdung kennen. Was wir in der Führung nun versuchen, ist bei Gesprächen und Dienstbesprechungen die Kolleginnen und Kollegen zu sensibilisieren und auch zuzuhören. Wir achten also genauer darauf, wie es ihnen geht, um eine mögliche mentale Belastung zu erkennen. Auch das ist unsere Verantwortung. 

Der Innenminister hat bei einer Pressekonferenz angegeben, dass aufgrund der Ausgangsbeschränkungen bereits ein Rückgang bei den Einbrüchen erkennbar ist, dafür aber ein Zuwachs bei Betrugsdelikten und Internetkriminalität feststellbar ist. Ist das auch in Salzburg erkennbar?

Für Salzburg kann ich das schwer beurteilen, weil wir eine lokale Dienststelle sind. Aber diese Auskunft ist für mich logisch, weil sich sehr viel  wie auch schon in den letzten Jahren  ins Internet verlagert hat, und jetzt wo die Menschen vermehr zu Hause sind, wird noch mehr online eingekauft oder eben gesurft. Von dem her erscheint es durchaus schlüssig, dass es hier vermehrt zu Straftaten kommt.

Um einen Rückgang bei Einbrüchen feststellen zu können, wird wohl der Zeitraum noch zu kurz sein?

Genau. Was wir nun feststellen, ist, dass weniger Personen unterwegs sind, auch zu den Nachtstunden  die Stadt ist ja wirklich wie ausgestorben. Man kann schon sagen, dass es derzeit weniger Anzeigen gibt, was Eigentumsdelikte betrifft. Das merkt man auf der Dienststelle. 

Das Leben verlagert sich nun vermehrt in den privaten Bereich. Ist dabei zu erkennen, dass es in den Eigenheimen vermehrt zu Streits kommt?

Nun, es gab hier durchaus die Befürchtung, dass es sich in diese Richtung entwickelt. In der Innenstadt haben wir etwa 6.000 Bewohner, also keine hohe Zahl. Wir auf der Polizeiinspektion Rathaus merken davon aber nichts. Es ist bei uns wie sonst auch, einmal mehr einmal weniger. Eine eklatante Steigerung ist aber nicht erkennbar.

Herr Nief, dann sind wir am Ende unsere Interviews angelangt. Gibt es noch einen Appell, den Sie den Menschen mit auf den Weg geben möchten?

Ja, durchhalten! Daheim bleiben und die Zeit zur Entschleunigung nutzen. So kann man etwas Positives in der Krise sehen. 

Herr Nief, vielen Dank für das Interview.

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 30.03.2020 um 09:12 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/stadt/polizist-martin-nief-im-interview-wir-sind-nicht-die-covid-19-jaeger-85415410

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