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Protest am Platzl

Sozialbranche fordert 35-Stunden-Woche

Gewerkschafts-Kundgebung in der Stadt Salzburg

Trotz eines Wintergewitters mit heftigen Graupelschauern und Windböen haben am Dienstagnachmittag in der Stadt Salzburg rund 120 Beschäftigte aus Gesundheits-, Pflege- und Sozialberufen für die 35-Stunden-Woche demonstriert. Sollten die Verhandlungen mit der Arbeitgeberseite am kommenden Montag erneut scheitern, sahen heute viele Teilnehmer Warnstreiks ab dem 13. Februar als legitimes Mittel.

Salzburg

"Wir erbringen physische und emotionale Höchstleistungen - jeden einzelnen Tag", sagte ein Demonstrant zur APA. "Ich mache die Arbeit gerne, will aber nicht nach ein paar Jahren völlig ausgebrannt sein. Wenn es mich selbst einmal betrifft, will ich auch von motiviertem, gut ausgebildetem und fair bezahltem Personal versorgt werden."

Zu wenig Personal im Sozialbereich

Die Diskussion hin zu weniger Arbeit sei ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, pflichte ihm auch eine Kollegin bei, die mit Menschen mit psychischen Erkrankungen arbeitet. "Es können sich viele nicht vorstellen, aber ich bin jeden Tag nach der Arbeit im Kopf leer - und das fünf Tage die Woche."

Die äußerst dünne Personaldecke im Gesundheits- und Sozialbereich führe mittlerweile dazu, dass Beschäftigte regelmäßig bei Krankheit oder Urlaub für andere einspringen müssen, beklagte Nadja Haitzmann, Betriebsratsvorsitzende bei der Volkshilfe Salzburg. "Die eigene Freizeitplanung kommt da völlig unter die Räder. Das bedeutet zusätzlichen Stress für die ohnehin schon stark belasteten Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen."

Protestkundgebung KV Sozialwirtschaft

SEI DABEI! Morgen um 15:15 Protestkundgebung für die Beschäftigten in den Sozialberufen am Platzl/Linzergasse: wir fordern eine Arbeitszeitverkürzung in Richtung 35 Stunden!

Gepostet von Gerald Forcher am Montag, 3. Februar 2020

Gewerkschaft: "Weniger Arbeitszeit bei gleichem Lohn"

Für viele Mitarbeiter führe der hohe Arbeitsdruck ins Burn-out, betonte Gerald Forcher, Geschäftsführer der GPA-djp Salzburg in seiner Rede bei der Protestkundgebung. "Wir fordern darum erstmals keine Lohnerhöhung, sondern ein Zeichen Richtung Arbeitszeitverkürzung." Ziel sei die Einführung der 35-Stunden-Woche bei vollem Lohn- und Zeitausgleich. "Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, Kranken, alten Menschen, Behinderten, psychisch Kranken, Drogenabhängigen - das ist eine wahnsinnige Herausforderung. Doch die Menschen in der Branche sind selbst gefährdet, Pflege in Anspruch nehmen zu müssen."

3.000 Pflegekräfte in Salzburg wechseln Branche

Eine Umsetzung sei zwar nicht von heute auf morgen umsetzbar, "aber wir müssen jetzt die entsprechenden Schritte setzen", so Forcher. Für realistisch halte er einen Zeithorizont von drei bis fünf Jahren. Wichtig sei es, junge Menschen für den Job zu begeistern und bestehende Mitarbeiter im Job zu halten. Bis ins Jahr 2030 werde laut Studien 43 Prozent mehr Personal gebraucht. "Alleine in Salzburg haben wir rund 3.000 ausgebildete Pflegekräfte, die derzeit aber auf diesen Beruf pfeifen und der Branche den Rücken gekehrt haben - weil eben die Arbeitsbedingungen hinten und vorne nicht passen."

Als eines der schärfsten Gegner der gewünschen Arbeitszeitverkürzung auf Arbeitgeberseite wurde heute namentlich die österreichische SeneCura-Gruppe genannt, seit 2015 Teil des börsengelisteten französischen Orpea-Konzerns. "Und der hat 2018 an seine Aktionäre 78 Mio. Euro Dividende ausgeschüttet", ärgerte sich ein Betriebsrat.

(Quelle: APA/SALZBURG24)

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