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Radiofabrik Salzburg: Vom "Bongo-Piraten" zu sozialer Kompetenz

Demnächst feiert die Radiofabrik großes Jubiläum. Radiofabrik
Demnächst feiert die Radiofabrik großes Jubiläum.

Die Radiofabrik feiert Geburtstag. Vor 15 Jahren als Piratensender begonnen ist sie heute der zweitgrößte nichtkommerzielle Radiosender in Österreichs. Begleitet wird die Station von einem ständigen Kampf ums Überleben.

Die Salzburger Radiofabrik - größter nichtkommerzieller Sender Österreichs außerhalb von Wien - wird 15 Jahre alt. Anfang der 1990er Jahre haben die Aktivisten des Piratensenders "Radio Bongo" ihren Kampf gegen das ORF-Monopol begonnen, seit 1998 verfügt der in "Radiofabrik" umgetaufte Sender über eine offizielle Lizenz. In den vergangenen 15 Jahren haben 300 Sendungsmachende im Alter von sieben bis 70 Jahren eine extrem vielfältige "Radio-Community" mit über 160 verschiedenen Programmen aufgebaut.

Täglich fünf Stunden neues Programm

Ausgestrahlt werden durchschnittlich fünf Stunden eigenständig und täglich neu entwickelte Programme auf der Frequenz 107,5 sowie 98,6. Technisch erreicht der Sender 350.000 Hörer in der Stadt, im Flachgau, im Tennengau und im angrenzenden Bayern. Praktisch hören 4.000 bis 5.000 Menschen die Programmangebote der Radiofabrik. "Das ist eine Schätzung", erklärte Radiofabrik-Geschäftsführer Alf Altendorf am Mittwoch bei einem Pressegespräch. "Wir nehmen nicht am Radiotest teil, weil der nur eine Umfrage über tägliche Werbezeiten darstellt. Aber bei uns gibt es keine Werbung, und außerdem sind wird wochenweise und monatsweise strukturiert."

17 Auszeichnungen für die Radiofabrik

Die Programme der Radiofabrik sind vielschichtig und heterogen. Sechs Mal hat die Radiofabrik den Preis der Erwachsenenbildung eingeheimst, insgesamt stehen 17 nationale und internationale Radiopreise in der Erfolgsbilanz. Und das, obwohl hier jeder Radio machen kann, der ethische Grundsätze einhält, niemanden diskriminiert oder kommerzielle Interessen verfolgt. Das Programm ist - anders als alle Mainstreamradios - nicht durchhörbar. "Wir bieten Spezielles für speziell interessiertes Publikum. Das bedeutet, dass es keine Hörer gibt, die am gesamten Programm interessiert sind, mich eingeschlossen", erläuterte Altendorf. "Uns geht es um niederschwelligen Zugang zu diesem Medium und um soziale und kulturelle Kompetenz, also Meinungs-, Themen- und Musikvielfalt, vom Kinder- bis zum Senioren-Radio, von Lebenshilfe bis Lebensgefühl, von Operette his Minimal-Techno."

Kampf ums Überleben

Wirtschaftlich sind die 15 Jahre Radiofabrik (trotz der Einführung des "Nichtkommerziellen Rundfunkfonds" im Jahr 2010) gekennzeichnet von permanentem Kampf ums Überleben. Das rund 400.000 Euro schwere Budget kommt von der Stadt (59.000 Euro), vom Bund (150.000 Euro), vom Land (26.000 Euro) und dem Verkauf von Workshops im Bereich Erwachsenenbildung, Schulen und Bildung. Dazu kommen projektbezogene EU-Gelder, die allerdings - und das ist laut Altendorf extrem schwierig - außerhalb des normalen Budgets kofinanziert werden müssen. "Manchmal gelingt das, manchmal auch nicht. Einmal haben wir 40.000 Euro für ein genehmigtes Projekt zurück nach Brüssel überweisen müssen, weil wir in Salzburg kein Geld auftreiben konnten. Daher ist es extrem wichtig, dass die vom Land eingehobene Medienabgabe (zwölf Mio. Euro jährlich) nicht einfach im Budget verschwindet, sondern in Medienkultur zurück investiert wird. Dann könnten wir wenigstens unsere insgesamt zwölf Teilzeitmitarbeiter halbwegs normal bezahlen", sagte der Radiofabrik-Geschäftsführer.

Am 25. Oktober feiert die Radiofabrik ihren 15. Geburtstag in der ARGEKultur. Größtes Projekt für die künftigen Jahre ist ein professioneller Reichweitentest nach oberösterreichischem Muster. (APA)

(Quelle: S24)

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