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Viel zu schnell unterwegs

Raser auf Innsbrucker Bundesstraße erwischt

Junger Lenker mit 113 km/h im Stadtgebiet gemessen

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Der Lenker missachtet die Geschwindigkeitsbeschränkung in der Innsbrucker Bundesstraße, so die Polizei. (SYMBOLBILD)

Mit satten 113 km/h wurde am Montagabend ein Probeführerscheinbesitzer in der Stadt Salzburg aus dem Verkehr gezogen. Seine Lenkberichtigung dürfte der junge Mann bald wieder los sein.

Salzburg

Wie die Polizei Dienstagfrüh mitteilte, wurde der 18-Jährige mit 113 km/h auf der Innsbrucker Bundesstraße gemessen. Der Lenker "missachtete dabei die dortige Geschwindigkeitsbeschränkung von 50 km/h im Stadtgebiet", heißt es in der Aussendung.

Junger Lenker viel zu schnell unterwegs

Der Bosnier wurde angehalten und einer Kontrolle unterzogen. Einen Grund für die überhöhte Geschwindigkeit habe er nicht nennen wollen. Der junge Mann wird angezeigt, zudem muss er mit einem Führerscheinentzugsverfahren rechnen.

(Quelle: SALZBURG24)

Streit um Raser-Strafen flammt neu auf

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(SYMBOLBILD)

Der Todes-Crash vom Wochenende sowie zahlreiche Meldungen über Raser sorgen in Salzburg für erhitzte Gemüter und emotionale Diskussionen. Erneut wird der Ruf nach höheren Strafen laut, sogar das Beschlagnahmen von Fahrzeugen steht im Raum.

Ein Raser-Unfall hat am Wochenende ein noch junges Leben in Salzburg ausgelöscht. Bei dem Crash in der Vogelweiderstraße erlitten der Lenker (18) und die Beifahrerin schwere Verletzungen, während der 17-Jährige auf der Rückbank die Tragödie mit seinem Leben bezahlte.

Hinzu kamen am Wochenende illegale Straßenrennen, Drogenlenker, Fahrer ohne Führerschein sowie solche, die unbedingt ihren "erneuerten Turbo ausprobieren" mussten. Mit 234 km/h anstatt der erlaubten 130 km/h brettere außerdem ein Salzburger über die Autobahn in Niederösterreich. Nicht angepasste Geschwindigkeit ist laut Straßenverkehrsunfallstatistik eine der drei maßgebenden Ursachen für tödliche Unfälle.

Ursachen für tödliche Verkehrsunfälle

Als Hauptursachen gelten Unachtsamkeit, Ablenkung und eine nicht angepasste Fahrgeschwindigkeit. Im Jahr 2019 hat die Polizei in Österreich um fast zwölf Prozent mehr Geschwindigkeitsüberschreitungen festgestellt. Damals wurden deswegen rund 7.200 Lenkern der Führerschein entzogen. Im besagten Jahr sind 416 Menschen im Straßenverkehr gestorben und im Jahr 2020 sind laut Innenministerium 338 Personen auf Österreichs Straßen tödlich verunglückt. Heuer wurden bereits 24 Tote gezählt.

Gefahr der "gefühlten Sicherheit"

Die Überschätzung des eigenen Könnens und die trügerische "gefühlte Sicherheit" der Fahrzeuge sind nach Angaben der ARBÖ-Verkehrspsychologin Patricia Prunner oftmals Gründe für verheerende Verkehrsunfälle. Der häufigste Menschentyp, der in ihre Verkehrs-Nachschulungen komme, sei Anfang zwanzig, jung, dynamisch und von sich selbst überzeugt. Die Bedeutung des oftmals gut motorisierten Fahrzeugs deren in Besitz sei besonders hoch. "Eine Strafe wird oftmals als narzisstische Kränkung aufgefasst", erklärt Prunner im Gespräch mit SALZBURG24: "Der Staat will ja nur Geld verdienen", heiße es dann oft, obwohl Eigenverantwortung und Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer angebracht wären. Auch gebe es Fälle, bei denen vor allem junge, männliche Lenker mit der Höhe ihres Strafbefehls prahlen. 

Höhere Strafen gegen Raser geplant

Bereits im Herbst 2020 haben mehrere Bundesländer höhere Strafen gegen Raser gefordert. Verkehrsministerium Leonore Gewessler (Grüne) kündigte daraufhin ein härteres Vorgehen samt Maßnahmenpaket an: Vorgesehen war unter anderem eine Erhöhung des Strafrahmens von 2.180 auf 5.000 Euro. Auch die Grenzwerte für Führerscheinabnahmen sollen gesenkt werden.

 

Rasen soll zudem als Vormerkdelikt eingeführt werden – und zwar für Tempoüberschreitungen von zehn km/h unter der jeweiligen Schwelle zum Führerscheinentzug. In besonders gefährlichen Fällen ist eben auch geplant, dass die Fahrzeuge beschlagnahmt werden. Eine SALZBURG24-Anfrage zum Stand der Ausarbeitungen beim Ministerium blieb bis dato unbeantwortet. Ein weiterer Vorschlag ist ein neuer Straftatbestand "Illegale Rennen" nach deutschem Vorbild.

Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) und das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) begrüßten die Pläne des Ministeriums, während der ÖAMTC eine bessere Kommunikation über die bestehenden Strafen forderte, die nicht allgemein bekannt seien.

Prävention schon in Fahrschulen

Ablehnend reagierte der ARBÖ, was eine angedachte Beschlagnahmung in besonders gefährlichen Fällen von Raserei betrifft. "Hier stellt sich die Frage nach der Umsetzbarkeit", wirft Prunner ein: "Autos können nur beschlagnahmt werden, wenn sie Besitz des Lenker sind. Was ist also beim Pkw der Eltern oder Leasing-Fahrzeugen?" Die Verkehrspsychologin befürchtet eine "offene Tür für die Suche nach Schlupflöchern." Eine Verlängerung der Führerscheinentzugsdauer sei jedoch ein "probates Mittel, das weh tut". Schließlich steigt die Versicherung beim Fahren ohne Lenkberechtigung aus, was vielen Fahranfänger gar nicht bewusst sei.

 

Der Verkehrsclub setzt sich in dem Zusammenhang für eine Drei-Säulen-Strategie ein: Einerseits sollten aus Gründen der Abschreckung die Strafen für Raserei erhöht, andererseits auch die Polizeikontrollen verschärft werden. Zusätzlich sollte auf eine präventive Bewusstseinsbildung und verstärkte Sensibilität bei der Ausbildung der jungen Lenker in Fahrschulen gesetzt werden – insbesondere zu Zeiten des Online-Unterrichts. "Oft ist man sich den möglichen Folgen des Rasens gar nicht bewusst", sagt Prunner, die auch Defizite in den Fahrschulen ortet. "Dahingehend sollten Bremswegberechnungen, physikalische Gesetze und das Risiko bei einem Kontrollverlust bzw. auch das Erleben eines Kontrollverlusts vermehrt in den Theorie-und Praxisunterricht eingebaut werden." Ziel müsse es bei der Vermittlung sein, nicht Strafen zu vermeiden, sondern Bewusstsein zu schaffen, dass es um den Schutz des eigenen Lebens und dem anderer geht. "Fahranfänger müssen sich bewusst machen, was es heißt, die Kontrolle über ein tonnenschweres Fahrzeug zu verlieren."

Landesrat sieht Bund am Zug

Salzburgs Verkehrslandesrat Stefan Schnöll (ÖVP) dauert das jedenfalls alles zu lange. Am Sonntag erneuerte er seine Forderungen an den Bund in einer Presseaussendung.

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Sobald der Strafrahmen in der StVO ausgeweitet wird, können die Länder die Richtsätze für massiv überhöhte Geschwindigkeiten wieder anheben, so Verkehrslandesrat Stefan Schnöll.

Raser: Schnöll sieht Bund am Zug

Nach einem Unfall in der Stadt Salzburg, bei dem in der Nacht auf Sonntag ein 17-Jähriger ums Leben kam, fordert Salzburgs Verkehrslandesrat Stefan Schnöll (ÖVP) den Bund auf, ein geplantes Raser-…

Schnöll habe bereits Ende 2019 alles ausgeschöpft, um die Strafen zu erhöhen und die Straffolgen für Raser zu verschärfen. Nun sei der Bund am Zug, nachdem es für weitere Verschärfungen bundesgesetzliche Änderungen braucht. "Aktuell haben wir die absurde Situation, dass wir keine höheren Strafen verhängen können, weil das der Strafrahmen nicht hergibt. Die StVO muss rasch geändert werden", so Schnöll. Salzburgs SPÖ-Chef David Egger forderte den Landesrat am Montag unterdessen dazu auf, neben verstärkter Aufklärung und Präventionsarbeit auch auf einen gemeinsamen Verkehrsgipfel mit Fachleuten zu setzen. 

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