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Raubmord in Salzburg: Haftstrafen leicht herabgesetzt

Nach einem Raubmord im Salzburger Bahnhofsviertel hat am Mittwoch ein Berufungssenat des Oberlandesgerichtes Linz in Salzburg das Urteil gegen die beiden Täter, zwei 20-Jährige aus Syrien, leicht herabgesetzt.

Beim Haupttäter wurde die Strafe wegen Mordes, Raubes und versuchter schwerer Erpressung von 15 Jahren (Höchststrafe) auf 14 Jahre Haft reduziert.

Komplize: Haftstrafe auf elf Jahre herabgesetzt

Bei seinem gleichaltrigen Komplizen wurde die Haftstrafe wegen schweren Raubes und versuchter schwerer Erpressung von zwölf Jahren auf elf Jahre herabgesetzt.

Raubmord: Unterschiedliche Angaben zu Motiv

Die Tat hatte sich am 9. Juli 2016 ereignet. Die beiden Angeklagten sollen damals Alkohol und Marihuana konsumiert und bei einer Tankstelle Klebebänder zum Fesseln besorgt haben, ehe sie an der Wohnungstüre des späteren Opfers im Salzburger Bahnhofsviertel läuteten. Über das Motiv gaben die beiden vor Gericht unterschiedliche Gründe an: Der mutmaßliche Haupttäter sagte im Hauptverfahren, der Serbe habe ihm am Vortag einen Porno gezeigt und den Wunsch nach Sex mit einem Mann geäußert. Wegen dieser "Beleidigung" habe er sich rächen und den 30-Jährigen "erziehen" und berauben wollen. Sein Komplize wiederum wollte davon nichts wissen und gab an, man habe den Mann ausrauben wollen. Einig waren sich die beiden allerdings darin, dass sie das Opfer nicht töten haben wollen.

"Dann hörte ich ein Auspusten"

Sie fesselten danach offenbar den Serben mit dem Klebeband, knebelten ihn mit einem Tuch und schlugen ihn. Sie zwangen den 30-Jährigen zur Herausgabe des Codes für die Bankomatkarte. Der Komplize soll dann die Wohnung verlassen haben, um damit Geld zu beheben, was aber nicht möglich war, weil das Konto des Opfers nicht gedeckt war. Währenddessen fixierte der Haupttäter immer noch den Serben. Dabei streckte sich dieser offenbar nach vor, weil er nach einem Messer greifen wollte. "Ich habe ihn zurückgezogen und zugedrückt. Das dauerte fünf Sekunden, dann hörte ich ein Auspusten", soll der anerkannte Flüchtling gesagt haben. Als er wieder locker ließ, habe er gemerkt, dass der Serbe nicht mehr atmete.

Toten in Badewanne verfrachtet

Das Duo verfrachtete den Toten in die Badewanne und ließ Wasser ein. Als die Polizei am Tag darauf die Wohnung betrat, war das Wasser wegen eines undichten Stöpsels abgelaufen. Nach der Tat hatten die jungen Männer unzählige Kleidungsstücke des Toten in fünf bis sieben Müllsäcke gestopft und abtransportiert. Sie ließen sich mit einem Taxi in die Unterkunft des Hauptbeschuldigten fahren. Beide wurden wenige Tage später festgenommen - in Kleidungsstücken ihres Opfers.

Verteidigerin weist auf Alkoholisierung hin

Die Verteidigerin des Erstangeklagten, Julia Steffen, betonte am Mittwoch bei der Berufungsverhandlung, im Ersturteil sei nicht berücksichtigt worden, dass ihr Mandant unter massivem Alkohol- und Tabletteneinfluss gestanden sei. Für die starke Alkoholisierung gebe es aber keine gesicherte Grundlage, weshalb dieser Einwand nicht berücksichtigt werden könne, entgegnete der Vorsitzende Günther Winsauer in der Urteilsbegründung.

Der Verfahrenshelfer des Zweitangeklagten, Georg Zechbauer, wies ebenfalls auf die Alkoholisierung seines Mandanten hin und meinte, der 20-Jährige habe sich von seinem Komplizen zu diesem "dummen Leichtsinn" verleiten lassen. Eine Aussage, die Oberstaatsanwältin Herta Stix scharf zurückwies: "Es war eine heimtückische und äußerst brutale Vorgehensweise. Von Leichtsinn sind wir Lichtjahre entfernt."

Stelle man die Erschwernis- und Milderungsgründe gegenüber, so seien 14 bzw. elf Jahre Haft schuldadäquat, begründete Winsauer das heutige Urteil.

(APA)

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(Quelle: S24)

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