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Roland Birner im Sonntags-Talk: "Müssen Cannabis aus dem Schmuddeleck holen"

Der Bauunternehmer Roland Birner startet vor zwei Jahren mit „Plants4Friends“ in Salzburg. SALZBURG24/Plants4Friends
Der Bauunternehmer Roland Birner startet vor zwei Jahren mit „Plants4Friends“ in Salzburg.

Der Salzburger Unternehmer Roland Birner nimmt seit rund zwei Jahren eine Vorreiter-Rolle in Sachen Cannabis in Österreich ein: Mit seinem Start-up "Plants4Friends" hat er es sich zur Aufgabe gemacht, Cannabis-Stecklinge in bester Qualität zu produzieren. Im Sonntags-Talk spricht der eigentliche Bauunternehmer über seine Beweggründe, Probleme in der Cannabis-Szene und gibt eine zeitliche Einschätzung zur Legalisierung in Österreich ab.

In den gerade einmal zwei Jahren, seitdem es den Shop in der Stadt Salzburg gibt, war Roland Birner bereits äußerst umtriebig. Er stellte sein Unternehmen bei der TV-Sendung "2 Minuten 2 Millionen" vor, startete eine sehr erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne und bewirbt sich aktuell um die Lizenz zur Produktion von medizinischem Marihuana in Deutschland.

SALZBURG24: Was war deine grundsätzliche Motivation, ein Cannabis-Start-Up zu gründen?

ROLAND BIRNER: Das war eigentlich keine lustige Geschichte. Eine Bekannte hatte vor fünf oder sechs Jahren Brustkrebs. Wie jeder Krebskranke versuchte natürlich auch sie, ihr Leben zu retten. Sie hatte bereits zwei Chemotherapie hinter sich und war währenddessen und danach immer körperlich und psychisch komplett fertig.

Jemand im Bekanntenkreis hat ihr dann von einem Cannabismittel in Ölform erzählt. Sie hat das dann eingenommen und es ging ihr schlagartig besser. Plötzlich hat sie wieder einen Appetit entwickelt, hat schlafen können und sich körperlich wieder komplett regeneriert. Das war so das erste Mal, dass ich mir gedacht habe 'wow, was für eine geile Geschichte'. Da ich Unternehmer bin, habe ich dann nach einem Weg gesucht, beides zu verbinden: Den Menschen zu helfen und ein Geschäft zu machen.

Wie läuft dein Start-Up? Zuletzt hast du es ja im Fernsehen vorgestellt.

Ja, unser Auftritt bei '2 Minuten 2 Millionen' war gerade erst im Frühling. Leider ist es da mit den Investoren nichts geworden. Unser Crowdfunding-Aufruf war dafür sehr erfolgreich. Wir wollten eigentlich nur 250.000 Euro, die Kampagne war dann allerdings gleich mal überzeichnet. Da haben wir den Betrag dann eben auf 300.000 Euro angehoben. Letztendlich wurden es sogar 308.000 Euro. Das ist radikal schnell gegangen.

Gibt es rechtliche Probleme bei deiner Arbeit? Wie oft war die Polizei schon hier?

Rechtliche Probleme haben sich gar nicht ergeben. Einer meiner besten Freunde ist Rechtsanwalt, der hat sich im Vorfeld genau erkundigt und dann einen Gesetzestext erstellt, der nun bei mir an der Kassa hängt. Darauf ist festgehalten, worauf ich meine Kunden hinweisen muss. Bis jetzt war einmal ganz offiziell die Polizei in Uniform bei mir im Shop. Die haben gesagt, dass sie öfters hier vorbeifahren und haben dann eben beschlossen, sich den Laden mal anzusehen. Da habe ich ihnen natürlich alles gezeigt. Als sie sich wieder verabschiedeten, haben sie mir gratuliert und gesagt „wow, echt ein schöner Laden“.

Ich habe meinen Leuten aber auch von Anfang an gesagt, dass ich nicht möchte, dass sie kiffen oder irgendetwas hier im Laden verticken. Ich will, dass sauber und gut gearbeitet wird. Und das ist wirklich das Um-und-Auf. Wir müssen das ganze Cannabis-Business aus dem Schmuddeleck holen. Das bekommt man nur hin, wenn man das Unternehmen als sauberes Geschäft ohne eben diesen Schmuddelhintergrund aufzieht. Dann hat man auch bei den Leuten ein ganz anderes Auftreten.

Deine Kunden kaufen bei dir Stecklinge. Hast du Angst, dass sie wegen deiner Produkte mit dem Gesetz in Konflikt kommen könnten?

Klar, das hat man immer. Ich sichere mich hier eben durch meinen Gesetzestext ab. Ich muss den Leuten mitteilen, dass die Pflanze nur dann legal ist, wenn sie nicht blüht. Seitdem wir hier sind haben wir aber noch keinen Kunden verloren, weil er mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist. Bei meinem Laden war es mir von Anfang an wichtig, nicht zu suggerieren, dass man mit der Pflanze etwas Illegales machen kann. Das heißt, bei uns gibt es keine Kombination aus "Head-" und "Grow-Shop", wie etwa in Wien. "Head" bedeutet hier Konsummittel, was darauf abzielt, dass man mit der Pflanze etwas Illegales machen kann.

Wäre es nicht einfacher, ein solches Start-Up in ein Land zu verlegen, das Cannabis bereits legalisiert hat?

Sicher sogar, natürlich wäre es einfacher. Aber ich habe hier meine Wurzeln, ich möchte nicht in ein anderes Land gehen. Ich bin schon gerne unterwegs, auf Urlaub oder auch geschäftlich. Aber ich möchte jetzt eigentlich nicht wo anders sein. Einer muss das in Österreich ja machen und vorantreiben!

Wie steht es um eine – wie auch immer geartete – Legalisierung in Österreich? Gibt es hier kein Lobbying?

Nein, leider funktioniert das Lobbying hier überhaupt nicht. Und da bin ich auch wirklich enttäuscht von Österreich. Ich kenne das eigentlich aus der Baubranche, da gibt es Firmen, die sich gegenseitig nicht unbedingt mögen, die helfen sich aber trotzdem gegenseitig. Im Cannabisgeschäft ist das leider überhaupt nicht der Fall. Jeder versucht irgendwie dem anderen ans Bein zu pinkeln. In Wirklichkeit sollten wir aber doch alle zusammenhelfen. Zumindest gibt es ein Hanf-Institut, das versucht, alle irgendwie zu einen. Aber die sind eben auch zu klein und viel zu wenige.

Was die Legalisierung angeht, das zeigt Deutschland jetzt vor: Im März ist Cannabis für den medizinischen Gebrauch legalisiert worden. Deutschland ist ja immer der große Bruder Österreichs, das heißt wir werden legalisieren, keine Frage. Sicher aber nicht in den nächsten zwei bis drei Jahren. In der Politik hört und sieht man derzeit auf jeden Fall nichts, Cannabis ist im Wahlkampf aktuell auch überhaupt kein Thema. Wichtig wird es dann, wenn weitere Steuereinnahmen benötigt werden. Dann kann das schnell gehen. Aber ich sage einmal realistisch sind etwa fünf Jahre. Kommt auch darauf an, was Deutschland nun vorzeigt.

Jedenfalls wird auf der ganzen Welt Cannabis entkriminalisiert oder legalisiert, zu welchem Grad auch immer. In Österreich reden wir aber nicht einmal mehr darüber. 


Was kann ein komplett legalisierter Markt?

Das wichtigste ist, er entkriminalisiert. Somit wird man nicht sofort in eine Schublade gesteckt. Für mich wäre es das Interessanteste, wenn jemand Cannabis beispielsweise für seine Familie zu einem gesunden Zweck anbaut und keine Angst vor Konsequenzen haben muss. Ein Vater, der Cannabis etwa für seine Tochter besorgt, weil sie einen Gehirntumor hat – wenn sie wollen, pinkeln die dem ans Bein. Der bekommt eine Vorstrafe, nur weil er seiner Tochter etwas Gutes tun wollte. Das ist doch zum Kotzen, was ist denn das für eine Gesellschaft?

Cannabis als Rohstoff ist vielseitig, welcher Bereich ist am lukrativsten? 

Definitiv der medizinische Bereich. Im Bezug auf die Bauwirtschaft kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass es hier viel Alternativen zu Hanf gibt. Dabei handelt es sich auch um nachwachsende Rohstoffe, die baubiologisch super sind. Bei den Hanfprodukten handelt es sich um Randerscheinungen, bei denen die Pflanze auch eingesetzt werden kann. Aber im medizinischen Bereich, da ist richtig viel Geld vorhanden.

Wie siehst du die Arbeit des Cannabis Social Clubs (CSC)?

Das tolle am CSC ist ja, dass er aufklären darf. Das darf ich nicht. Wenn ich den Leuten etwas über die medizinische Wirkung von Cannabis erzähle, dann mache ich mich strafbar. Der CSC hingegen kann das, weil er ein Verein ist. Was er natürlich nicht darf ist, Pflanzen, Cannabis-Butter, Öl oder ähnliches zu verkaufen wie das zuletzt Willi Wallner gemacht (Obmann des CSC Salzburg, Anm.) hat.

Mein Angebot und das Wissen des CSC haben wir ja dann auch kombiniert und einmal im Monat einen CSC-Stammtisch im Shop veranstaltet, bei dem Willi Wallner die Kunden oder Patienten auf die jeweiligen Beschwerden hin beraten hat. Der war wirklich gut besucht. Wir haben den Stammtisch dann aber wieder eingestellt, nachdem Willi Wallner hier mit dem Gesetz in Konflikt gekommen ist. Grundsätzlich muss ich aber sagen, die Idee des Cannabis Social Club ist richtig geil!

Was wünscht du dir für die Zukunft?

Bezüglich dem Cannabis-Business wünsche ich mir einen offenen Umgang mit der Pflanze. Ich will, dass man nicht in irgendein Schmuddeleck gedrängt wird, wenn man sich damit auseinandersetzt.

Was Plants4Friends angeht, hier haben wir festgestellt, dass unser ursprünglicher Weg der Produktion nicht funktioniert. Wir arbeiten aber weiter daran, dass wir bei der Erzeugung gänzlich ohne Pestizide auskommen. Wir wollen sauber und vernünftig High-End Cannabis produzieren. Ich will in Europa derjenige sein, der allen zeigt, wie man Cannabis in Top-Qualität herstellt.

Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für die Zukunft!

Danke!

Aufgerufen am 14.11.2018 um 04:05 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/stadt/roland-birner-im-sonntags-talk-muessen-cannabis-aus-dem-schmuddeleck-holen-56432962

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