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Die Geschichte des Salzburger Neutors

Das Neutor beherrscht im Wahlkampf der Stadt Salzburg seit Montag die Schlagzeilen. Historisch gesehen war es ganz am Anfang ein einfacher Stollen. Stadt-Archivar Thomas Weidenholzer schildert, wie das Neutor entstand, warum es kleiner geplant war und es stadtauswärts bergauf geht.

Salzburg

Die Geschichte des Neutors beginnt im 17. Jahrhundert. Damals, unter Erzbischof Max Gandolf, war die Riedenburg von der Stadt durch den Mönchsberg getrennt. „Das einzige Gebäude das dort stand, von dem man heute weiß, war der Ofenlochwirt“, erklärt Weidenholzer im Gespräch mit SALZBURG24. In der Hofstallgasse wurden damals nicht nur Pferde gezüchtet, sondern auch Konglomerat abgebaut. Der Durchbruch sollte im Steinbruch entstehen.

Stollen durch den Mönchsberg

Realisiert wird das im 18. Jahrhundert. Der damalige Hofbaumeister Elias von Geyer plant das Neutor zuerst als Suchstollen. Im Mai 1774 beginnen die Bauarbeiten, eingesetzt werden hauptsächlich Gefangene, die mit der Arbeit ihre Strafe abbüßen. Eineinhalb Jahre später, 1776, fährt Erzbischof Sigismund von Schrattenbach das erste Mal durch „seinen“ Tunnel.

Zuerst kleines Portal geplant

Damit ist das Neutor aber nicht fertig. Die Portalanlage steht zu diesem Zeitpunkt noch nicht, es gibt nur den Tunnel. „Geyer hat den Gedanken, dass außerhalb der Riedenburg ein einfaches Gewerbeviertel entsteht“, erklärt Weidenholzer. Deshalb ist der Entwurf seiner Anlage klein und orientiert sich am Müleggertor, das sich in der Nähe des heutigen Landeskrankenhauses befindet. Ausgestochen wird der Hofbaumeister ausgerechnet von einem seiner Untergebenen: Wolfgang Hagenauer.

Neutor soll Erzbischof huldigen

Hagenauer stilisiert die Portalanlage zur Verherrlichung des Erzbischofs hoch. Dem gefällt das und er beauftragt Hagenauer und seinen Bruder mit der Gestaltung. Weidenholzer: „Wenn man sich die Fassadenseite auf der Riedenburg-Seite ansieht, sieht man ein riesiges Portal. Das macht fast zwei Drittel der Mönchsbergwand aus und in dieser Anlage steht der heilige Sigismund.“ Dieser gilt als Burgunder-Märtyrer und steht für den Erzbischof. Die Pyramiden rechts und links des Portals sind an der Spitze abgebrochen – und zwar absichtlich, erläutert der Archivar. Hagenauer wollte nämlich außerhalb der Riedenburg eine Ruinenbastei der alten lateinischen Stadt Juvavum anlegen. Als Zeichen des Triumphes von Sigismund über das heidnische Rom.

Vor der Umsetzung stirbt Erzbischof Sigismund, sein Nachfolger – Hieronymus von Colloredo – sagt den Bau ab. Geblieben ist aber die Portalgestaltung, samt Medaillon des Erzbischofs und zwei Medusenhäupter. Ihren Anblick sollte man beim Weg hinaus meiden – ansonsten würde man versteinern – und stattdessen auf die Stadt zurückblicken: „Damit man die Heimat Salzburg nicht vergisst.“

Teil der Pferdeschwemme abgerissen

1860 schließlich wurde ein Teil der Pferdeschwemme abgerissen, um Platz für eine Straße zu machen. „Am Neutor gab es außerdem eine Mautstelle: Man musste zahlen, wenn man in die Stadt wollte und wurde auch immer kontrolliert.“

"Gelbe Elektrische" fährt durch Neutor

Um Platz für die Salzburger Straßenbahn zu schaffen, wurde der Tunnel 1916 schließlich verbreitert. Beim jetzigen Gasthaus Riedenburg befand sich bis 1938 die Endstation der „Gelben Elektrischen.“ Dann wurde sie eingestellt. Zur selben Zeit, mitten im Ersten Weltkrieg, legte man eine Fußgängerpforte an. Diese ging allerdings noch nicht durch den Berg, sondern diente nur zur Umgehung der Portalwand. Mit den Mauteinnahmen finanzierte man eine Kriegsfigur zum Sammeln von Spenden.

Die letzten großen Arbeiten am Neutor fanden laut Weidenholzer 1975 statt: Die Rad- und Fußgängertunnel wurden in den Berg gehauen. Danach gab es lediglich Restaurierungsarbeiten, etwa zur Absicherung gegen Steinschläge.

Deshalb geht's bergauf:

Und für alle, die sich schon einmal gefragt haben, warum man auf dem Weg durch die Riedenburg bergauf fahren muss, hat Weidenholzer übrigens eine einfache Erklärung: „Das hat einen ganz besonderen Grund. Man hätte das Niveau ja auch tiefer machen können. Das ist so gemacht, damit das Licht von Westen her in das Tor einfallen kann, sich dort bricht und eine zusätzliche Beleuchtung bringt“, erklärt der Archivar abschließend.

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 17.09.2019 um 12:27 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/stadt/rueckblick-die-geschichte-des-salzburger-neutors-66107203

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