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Salzburg bereitet sich auf Deutschklassen vor

In eigenen Klassen sollen die Kinder ausreichend Deutsch lernen (Symbolbild). APA/HARALD SCHNEIDER
In eigenen Klassen sollen die Kinder ausreichend Deutsch lernen (Symbolbild).

Eigene Deutschklassen sollen bereits im nächsten Schuljahr die bisherigen Start-und Förderklassen ersetzen. Das hat die Bundesregierung am Mittwoch im Ministerrat beschlossen. Im Bundesland Salzburg betrifft das im Moment 2.600 Schüler. Wir haben nachgefragt, welche Herausforderungen auf Salzburg im neuen Schuljahr zukommen.

2.600 sogenannte "außerordentliche Schüler" werden im Land Salzburg derzeit in Willkommensklassen und Sprachförderkursen betreut. Das sind jene Kinder, die beim Schuleintritt nicht gut genug deutsch sprechen, um dem Unterricht zu folgen. In Österreich sind das in allen Volksschulen, Neuen Mittelschulen und der AHS insgesamt 40.000 Schüler (siehe Grafik). Bisher bekamen sie elf zusätzliche Deutschstunden. Die Sprachförderkurse fanden integrativ während den Schulfächern statt, ebenfalls im Ausmaß von elf Stunden.

Sch?ler mit mangelnden Deutschkenntnissen Salzburg24
Sch?ler mit mangelnden Deutschkenntnissen

Eigene Deutschklassen, 300 Lehrer mehr

Das neue Konzept der Regierung sieht nun vor, dass es für Schüler mit Sprachdefiziten eigene Klassen gibt. In der Volksschule werden es 15 Stunden, in den Neuen Mittelschulen und der AHS-Oberstufe werden es 20 Stunden Deutschunterricht pro Woche sein. In Fächern wie Zeichnen, Musik oder Turnen werden die Kinder aber in den Regelklassen mit den anderen Schülern unterrichtet. Die Regierung geht davon aus, dass dafür 300 Lehrer mehr benötigt werden, zu den Kosten wollte sich Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) bisher nicht äußern.

Deutschklassen negativ für Integration?

Der Kritik, dass durch die separaten Deutschklassen die Integration von Kindern mit Migrationshintergrund erschwer wird, schließt sich hingegen Salzburgs Integrationslandesrätin Martina Berthold (Grüne) an. „Die Kinder sollen natürlich von Beginn an intensiv gefördert werden. Allerdings sollte das in den Stammklassen passieren“, erklärt Berthold gegenüber SALZBURG24. Sie würde das Konzept umdrehen: Mehr Zeit in der Stammklasse und zusätzlich dazu intensiven Deutschunterricht. Vier Semester in Deutschklassen seien außerdem zu lang, die Unterstützung sollte "so intensiv sein, dass die Kinder wirklich schnell lernen können." Ein integratives Sprachförderungskonzept wie es in Salzburgs Kindergärten umgesetzt wird, hätte sie auch gerne für die Schulen. „Wichtig für die Sprache und die Integration ist das gemeinsame Lernen“, betont Berthold.

 

Vorbereitungen laufen auf Hochtouren

Für die Deutschklassen müssen Räumlichkeiten und Lehrer gefunden werden. Laut Berechnungen des Landes werden nach den derzeitigen Plänen 14 neue Klassen geschaffen, der Landesschulrat rechnet mit 25 neuen Lehrstellen, die vom Bund zugeteilt werden. „Diese Zahl ist noch nicht fixiert, man muss sich dann auch im Detail ansehen, wo Bedarf besteht“, stellt Roland Bieber, Leiter der Präsidialabteilung im Landesschulrat im Gespräch mit S24 fest. Der Landesschulrat bereite bereits die Zusammenstellung der neuen Klassen vor.

Die Besetzung mit den jeweiligen Lehrern findet im Frühjahr statt. „Natürlich ist die Plaungszeit bis zum Beginn des nächsten Schuljahres etwas knapp, wir sind aber optimistisch, dass sich das ausgeht“, sagt Bieber. Trotz der Herausforderungen auf administrativer Seite stehe man dem Konzept des Bildunsministers positiv gegenüber: „Es macht absolut Sinn, dass der Spracherwerb in den Fokus rückt.“

Land: „Salzburg gut vorbereitet“

Der Bedarf an zusätzlichem Deutschunterricht ist in Salzburg weiter hoch. Die Zahl der außerordentlichen Schüler bleibt mit 2.600 auch im neuen Schuljahr 2018/19 relativ konstant, heißt es aus dem Büro von Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP). Mit Platzproblemen oder einem Lehrermangel rechnet man nicht: „Salzburg war in diesem Bereich schon in den vergangen Jahren sehr aktiv. Die Gemeinden haben viel investiert, die Willkommens-Klassen funktionieren gut“, heißt es auf Anfrage von SALZBURG24. Es sei positiv, dass vom Bund zu den 50 derzeitigen Planstellen für Lehrer 25 hinzukommen werden. 13 stellt das Land bereits jetzt selbst für zusätzlichen Deutschunterricht zur Verfügung. Die neue Regelung der Deutschklassen müsse man sich noch im Detail mit Experten ansehen, generell sei es aber positiv, dass „zusätzliche Ressourcen in die Hand genommen werden.“

(Quelle: S24)

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