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Salzburg-Bewerbung als Kulturhauptstadt 2024?

Könnte "Aufbruch in die Zukunft" sein Salzburg24
Könnte "Aufbruch in die Zukunft" sein

Salzburg könnte sich als "Europäische Kulturhauptstadt 2024" bewerben, zumindest sollte mit Kulturinitiativen und Bürgern darüber debattiert werden. Dies forderte Tomas Friedmann, Vorsitzender des Dachverbandes Salzburger Kulturstätten, am Mittwoch in einem Interview mit den "Salzburger Nachrichten".

"Graz und Linz haben von der 'Kulturhauptstadt' profitiert. Wir dürfen hier nicht so arrogant sein und glauben, in Salzburg brauchen wir so etwas nicht", argumentierte Friedmann.

Kulturhauptstadt, "ein Aufbruch in die Zukunft"

Dies könnte ein Aufbruch in die Zukunft sein. Voraussetzung dafür wäre, dass wir uns darüber klar werden, was diese Stadt kulturell über die Festspiele hinaus ausmacht."

Friedmann wies darauf hin, dass die Festspiele im Wesentlichen nur im Sommer Programm bieten würden, während es auch die restliche Zeit etwas gebe. "Die Produktionsstätten, die gut gefördert werden, sollen mindestens 50 Prozent ihres Programms Produktionen lebender Künstler widmen. Die kleineren und mittleren Kulturstätten bringen in erster Linie lebende Künstler und müssen dabei mit viel weniger Geld über die Runden kommen."

Strukturen in der Kultur gewachsen

Natürlich seien auch in der Kultur Strukturen gewachsen, durch die es zu schweren Fehlern gekommen sei, so der Dachverbandsvorsitzende und Literaturhaus-Leiter im Hinblick auf Burgtheater, Osterfestspiele oder diverse Wiener Museen. "Das ist eine Schande, diese Einzelfälle gehören alle untersucht. Aber die Verhältnisse müssen richtig eingeschätzt werden. Die Landwirtschaft, das Gesundheitswesen, der Bankensektor, das Militär oder die Bahn werden um ein Vielfaches höher subventioniert. Da kann man nicht Einzellfälle im Kulturbereich nehmen und die Unterstützung generell infrage stellen. Wir müssen ohnehin alles offenlegen und werden dauernd geprüft. Das ist auch gut so. Aber der soziale Sprengstoff liegt woanders, etwa in der ungleichen Vermögensverteilung in Österreich."

Kritik gab es seitens des Dachverbandsvorsitzenden Friedmann an den Plänen von Landeshauptmann Haslauer, im Jahr 2016 eine große Feier zum Thema "Salzburg - 200 Jahre bei Österreich" abzuhalten: "Brauchen wir das wirklich, wie zahlen wir das? Dazu sollte man vielleicht die Bürger befragen und nicht im Geheimen große Jubiläumsfeiern planen, die noch dazu historisch nicht ganz abgesichert sind."

Schaden gegen Status "Europäische Kulturhauptstadt"

Ein klare Absage erteilte indes der Salzburger Bürgermeister Heinz Schaden (SPÖ) einer Bewerbung der Stadt als "Europäische Kulturhauptstadt 2024". "Ich war 2009 dagegen und bin es heute noch viel mehr", so Schaden im APA-Gespräch. "Das ist ein Strohfeuer ohne Strahlkraft. Das ist derart inflationär, dass ich selbst nicht mehr weiß, welche Städte im Moment Kulturhauptstädte sind."

Die Rahmenbedingungen seien noch schlechter als früher, argumentierte Schaden. "Mittlerweile hat die EU diesen Status auf zwei, in Zukunft möglicherweise sogar auf drei Städte aufgeteilt. Natürlich wird auch das Geld geteilt. Und da wir im Moment sowohl vom Land als auch vom Bund null Chancen auf substanzielle Unterstützung für außergewöhnliche Kulturprojekte haben, bin ich strikt dagegen", so der Bürgermeister, der daran erinnerte, dass bereits im Jahr 2009 die Kosten einer "Kulturhauptstadt" auf 70 bis 80 Mio. Euro geschätzt wurden.

Kulturhauptstadt: Linz steht besser da als zuvor

Auch die Nachhaltigkeit sei nicht gesichert. "Wenn man sich anschaut, was davon übrig geblieben ist, dann ist man schnell ernüchtert. Einzig Linz steht nach dem Jahr als Kulturhauptstadt besser da als zuvor. Aber das ist hauptsächlich auf die Eigeninitiative der Linzer zurückzuführen", sagte der Salzburger Bürgermeister und ergänzte, dass Salzburg keine Sonderinitiative für die Festspiele brauche: "Was wir brauchen, ist eine Stärkung der kleinen und mittleren Initiativen. Deren Finanzierung zu sichern, ist vordringliche Aufgabe der Stadt. Der EU-Status 'Europäische Kulturhauptstadt' hilft da wenig."

Preuner: „Salzburg ist ohnehin Kulturstadt"

Ganz ähnlich sieht das ÖVP-Vizebürgermeister Harald Preuner: "Salzburg ist ohnehin Kulturstadt. Ohne überheblich klingen zu wollen, die Stadt hat diesen Status nicht wirklich nötig. Er bringt keinen Marketingvorteil. Ich finde, es ist vernünftiger, das Geld vor Ort in Kultur zu investieren, statt überregionale Werbung zu finanzieren."

Etwas anderes sieht das Kulturlandesrat Heinrich Schellhorn (Grüne). Er steht einer Bewerbung "vorsichtig positiv" gegenüber. Allerdings müsse, so Schellhorn im APA-Gespräch, darüber debattiert werden, welche Initiativen und Fachleute auf welche Art eingebunden werden sollen. "Es muss genau analysiert werden, was dieser Status in Städten wie Lissabon, Linz, Graz, Marburg oder Hermannstadt wirklich gebracht hat. Die Frage der Nachhaltigkeit muss also geklärt sein, damit nicht so etwas wie in Graz passiert. Da dümpelt etwa ein teures Museum auf der Murinsel so vor sich hin und hat kaum Zuschauer. Das ist zu vermeiden." (APA)

(Quelle: S24)

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