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"Wirtschaftliches Desaster"

Salzburger Advent-Events leiden unter Lockdown

Veranstaltungen müssen abgesagt werden

Vom Lockdown, der ab Montag in ganz Österreich in Kraft tritt, sind auch Salzburgs Adventveranstaltungen extrem betroffen. Viele Veranstaltungen wurden bereits zur Gänze abgesagt, die Christkindlmärkte müssen wieder schließen.

Salzburg

Mit dem Lockdown ab kommendem Montag wird im Bundesland Salzburg erneut auch das kulturelle Leben heruntergefahren. Neben den klassischen Kulturbetrieben wie Landestheater oder Rockhouse trifft es damit besonders hart jene Einrichtungen, die nur im Advent Veranstaltungen durchführen. Deren bekanntester Vertreter ist das Salzburger Adventsingen, das bereits im Vorjahr einen Totalausfall zu verzeichnen hatte. Rufe nach öffentlicher Hilfe werden laut, ergab ein APA-Rundruf.

Lockdown ist "wirtschaftliches Desaster"

Von einem "wirtschaftlichen Desaster" sprach Hans Köhl, Gesamtleiter des bekannten Salzburger Adventsingens im Großen Festspielhaus, das heuer 16 Vorstellungen mit insgesamt rund 35.000 Besuchern geplant hat. Das vorweihnachtliche Spiel ist schon im Vorjahr zur Gänze ausgefallen. Für heuer waren die Vorbereitungen abgeschlossen: Heute, Freitag, findet bereits der Gesamt-Durchlauf des Stückes statt. Das 1,5 Millionen Euro schwere Budget werde fast zur Gänze über den Kartenerlös aufgebracht, weil das Adventsingen bisher immer ohne öffentliche Gelder ausgekommen sei, sagte Köhl im APA-Gespräch. Wie hoch die heuer schon angefallenen Kosten sind, konnte er noch nicht beziffern, weil noch keine Abrechnung erfolgt sei. Ganz abgeschrieben hat er 2021 aber noch nicht: "Noch besteht ein kleiner Funke Hoffnung, dass wir zumindest am 3. Advent-Wochenende spielen können."

"Salzburger Advent" abgesagt

Betroffen sind auch der "Salzburger Advent" in der Andräkirche, der nun zur Gänze abgesagt wird, sowie der "Salzburger Hirtenadvent" in der Universitätsaula. Dessen künstlerischer Leiter Sepp Radauer hofft ebenfalls noch auf Veranstaltungen ab dem 17. Dezember. Betroffen ist auch das "Winterfest". Dieses Festival für zeitgenössische Zirkuskunst sollte heuer am 9. Dezember starten. Neben dem bewährten Zelt im Volksgarten ist heuer auch die Szene Salzburg als Veranstaltungsort vorgesehen. Da dieses Festival bis 8. Jänner dauert, könnte zumindest ein Teil des Programms durchgeführt werden.

Das Salzburger Landestheater hat zunächst alle 21 Aufführungen bis einschließlich 5. Dezember abgesagt. Betroffen sind auch die Premieren von "Cinderella" und "Schöne Bescherungen" sowie die Musicalgala "The Sound of Broadway" in der Felsenreitschule. Auch die Aufführungen von "Macbeth" in der Felsenreitschule heute, Freitag, und morgen wurden abgesagt.

Reduktion der Umsatzsteuer verlängern

Die Salzburger Kulturvereinigung - mit rund 100 Veranstaltungen im Jahr einer der größten Kulturbetriebe Salzburgs - muss zumindest drei Konzerte mit dem Basque National Orchestra absagen, die Mitte Dezember im Großen Festspielhaus geplant waren. "Heute ist der letzte Tag für ein kostenloses Storno von Hotel und Flügen", sagte der künstlerische Leiter Thomas Heißbauer. Man werde diese Option daher ziehen. Auch sechs weitere Veranstaltungen "wackeln", die um den Jahreswechsel geplant sind. Heißbauer appellierte im APA-Gespräch an die Politik, die zu Jahresende auslaufende Reduktion der Umsatzsteuer auf 5 Prozent auch für 2022 zu verlängern, um den Kulturveranstaltern eine Perspektive zu geben. Das Publikum werde im nächsten Jahr noch nicht zur Gänze zurückkommen.

Lockdown für Rockhouse zu spät

Für das Rockhouse Salzburg kommt der Lockdown zu spät. "Hätte man früher reagiert, wäre er wohl kürzer ausgefallen", sagte Geschäftsführer Wolfgang Descho zur APA. Bis Weihnachten müssen laut Veranstaltungskalender rund zwei Dutzend Konzerte und Workshops abgesagt werden. "Und wir wissen nicht einmal, wie lange der Lockdown dauert." Die Planungen wären deutlich einfacher, wenn man mit einem konkreten Datum rechnen könne. "Falls die Infektionszahlen bis dahin nicht sinken, dann halt mit einer Verlängerung nur für Ungeimpfte." Fest stehe aber: "Für heuer ist das meiste vorbei." Für die weitere Zukunft sprach sich Descho klar gegen eine mögliche 2G-Plus-Regelung für Veranstaltungen aus, also Eintritt für Geimpfte und Genesene nur in Kombination mit einem PCR-Test. "Dann bricht das Test-System erneut zusammen. Mit Wohnzimmertests wäre das hingegen kein Problem. Es geht um Veranstaltungen, nicht um eine Krankenhausabteilung."

ARGE bleibt bis Jänner finster

Die ARGEkultur hat noch am Donnerstag alle Veranstaltungen bis Jahresende abgesagt. Heute Freitag, findet mit dem Konzert von "Sofie | Christoh" die letzte Veranstaltung des Jahres statt.

Der Dachverband Salzburger Kulturstätten, der 79 Kultureinrichtungen und Initiativen im ganzen Bundesland vertritt, fordert die Verlängerung der ausgelaufenen Hilfsinstrumente des Bundes. Geschäftsführer Thomas Randisek möchte eine Gleichbehandlung und Gleichstellung der Kultureinrichtungen mit Skiliften, Handel und Gastronomie. "Die Kulturszene braucht rasch Klarheit und Sicherheit für die Tausenden Kulturarbeiter, Künstler und die weiteren Beschäftigten." Notwendig seien etwa die Fortführung des NPO-Fonds für die gemeinnützigen Kulturträger, die Verlängerung der Überbrückungsfinanzierung für Künstler und die Ausweitung der 100-Prozent Kurzarbeit auf die Kulturbetriebe.

(Quelle: APA)

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