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Immer der Nase nach

Wie Düfte uns beeinflussen

Salzburger Expertin über die Wirkung von Gerüchen

Aromatherapeutin Ute Pröll-Strobl SALZBURG24/Winkler
Ute Pröll-Strobl kennt sich in der Welt der Düfte aus.

Mehr als 10.000 unterschiedliche Duftnoten kann unsere Nase unterscheiden. Unser Geruchssinn warnt nicht nur vor giftigen Gasen, Düfte können den Körper auf unterschiedlichste Weise beeinflussen. Was sie alles können, erklärt Aromatherapeutin Ute Pröll-Strobl im Gespräch mit SALZBURG24.

Salzburg

Die gelernte Pharmazeutin hat 2016 eine eigene Praxis in der Salzburger Altstadt eröffnet. Die Aromatherapie ist ein Teilgebiet der Pflanzenheilkunde und hat ihren Ursprung in Frankreich. Sie arbeitet mit ätherischen Ölen, Hydrolaten und nativen Pflanzenölen.

Babys riechen schon im Mutterleib

„Der Geruchssinn ist evolutionsgeschichtlich gesehen unser ältester Sinn, ist aber zugunsten des Seh- und des Hörsinns immer mehr in Vergessenheit geraten“, weiß die Expertin. Ab der 28. Schwangerschaftswoche können Ungeborene riechen. Dafür zuständig sind die Riechschleimhäute an beiden Seiten der Nasenscheidewand. Sie sind mit 350 Rezeptoren für verschiedenste Duftstoffe ausgestattet. Über die Nervenbahnen werden diese Reize ins Riechhirn weitergleitet und landen im limbischen System. Das ist jenes Areal im Gehirn, wo unsere Erinnerungen gespeichert und verarbeitet werden. Düfte sind somit immer mit Gefühlen verknüpft.

Düfte wirken auf Körper und Psyche

„Ätherische Öle haben nachweislich biochemische Inhaltsstoffe. Und die wirken: Auf unseren Körper, auf die Psyche und auf unsere Gefühle“, schildert Pröll-Strobl. Das umfasst etwa eine schmerzstillende, entzündungshemmende und auch eine antiallergische Wirkung. Dabei ist es egal, ob wir Düfte bewusst oder unbewusst wahrnehmen: Sie beeinflussen uns.

„Man sagt ja: Einen Menschen riechen können. Und das stimmt wirklich: Bevor wir uns bewusst für oder gegen jemanden entscheiden, hat unser Unterbewusstsein das schon für uns erledigt“, erläutert Pröll-Strobl.

Zudem haben Forscher herausgefunden, dass es in allen Körperzellen Rezeptoren für Duftstoffe gibt. So sollen Spermien etwa dem Maiglöckchenduft der Eizelle folgen, diese Theorie wurde aber immer wieder angezweifelt. Und Prostatakrebszellen wachsen – zumindest im Reagenzglas – langsamer, wenn sie mit Veilchenduft in Kontakt kommen.

Gerüche mit Erlebnissen verbunden

Ob etwas für uns gut oder schlecht riecht, hängt ganz von unseren Erfahrungen ab. Düfte seien nie neutral, sagt die Aromatherapeutin: „Sie sind immer emotional.“ Gerüche sind mit bestimmten Erlebnissen verbunden, das Duftempfinden ist bei jedem anders. Doch auch, wenn wir den Duft von Lavendel so gar nicht ausstehen können: Die beruhigende Wirkung bleibt.

Bergamotte wirkt antidepressiv

Düfte, die fast alle Menschen mögen, sind jene aus Zitrusfrüchten. Sie „haben die Sonne gespeichert“ und wirken stimmungsaufhellend, aktivierend sowie keimabtötend. Grapefruit und Bergamotte haben „klinisch nachweislich eine antidepressive Wirkung.“ Mit Bergamotte werde etwa auch der britische Earl Grey Tee aromatisiert: „Weil dort das Wetter neblig und düster ist.“

Öle aus Blättern und Blüten von Pflanzen – Rose, Lavendel, Küchenkräuter – wirken harmonisierend und ausgleichend. Melissenöl etwa hilft gegen Herpes. Schwere Düfte, aus Hölzern und Harzen, erden und beruhigen.

 

So helfen ätherische Öle

Mit Düften lasse sich sehr gut bei Erschöpfungserscheinungen und Schlafproblematiken arbeiten. Sie würden aber auch beim Lernen helfen, weil Düfte mit Erinnerungen verknüpft sind. „Wenn ich beim Lernen für Mathematik an einem Duft rieche und diesen dann auch in der Prüfungssituation dabei habe, können die gelernten Inhalte durch den Duft besser abgerufen werden.“

Ihre Wirkung entfalten sie nicht über unser Riechorgan. Vermischt mit sogenannten Trägerölen – Mandelöl, Jojobaöl oder Sesamöl – können sie direkt auf die Haut aufgetragen werden. Manche ätherischen Öle helfen auch von innen heraus: Trinken kann man beispielsweise Schwarzkümmelöl, Öl aus Granatapfelsamen oder auch das Öl aus Sanddornfruchtfleisch.

Workshop in der Altstadt

Im Rahmen des eat&meet-Festivals veranstaltet Ute Pröll-Strobl am Samstag einen Duftworkshop mit anschließendem Frühstück im Fasties. „Die Teilnehmer bekommen eine kurze Einführung in die Welt der ätherischen Öle und dann kann sich jeder einen Parfum-Roll-On kreieren“, sagt sie abschließend.

(Quelle: SALZBURG24)

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