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Salzburger Erzbischof Kothgasser bindet Basis in Nachfolge-Suche ein

In der Erzdiözese Salzburg steht ein Führungswechsel bevor: Erzbischof Alois Kothgasser erreicht am 29. Mai das "Pensionsalter" von 75 Jahren und wird Papst Benedikt XVI. seinen Rücktritt anbieten.

In der Erzdiözese Salzburg steht ein Führungswechsel bevor: Erzbischof Alois Kothgasser erreicht am 29. Mai das "Pensionsalter" von 75 Jahren und wird Papst Benedikt XVI. seinen Rücktritt anbieten. Im Interview mit der APA blickte Kothgasser auf Höhepunkte wie Schattenseiten seiner Zeit an der Salzach zurück, forderte mehr Schwung für innerkirchliche Diskussionen und Reformen, zeigte aber wenig Sympathie für eine Reihe von Forderungen der Pfarrerinitiative. In die Suche nach einem Nachfolger klinkt er sich selbst ein und lässt dabei auch die Kirchenbasis mitreden.

Kothgasser: "Erfüllende Zeit"

Insgesamt bezeichnet der scheidende Erzbischof sein Wirken in Salzburg als "eine sehr erfüllte Zeit". Eindeutig auf die positive Seite verbucht er dabei seine Befriedung der Erzdiözese: Kothgasser fand zum Amtsantritt ein gespaltenes Bistum vor, in dem selbst die Priesterschaft entzweit war. Innerhalb eines Jahres waren die Gräben zugeschüttet: "Damit hat eigentlich ein gutes Miteinander begonnen." Mit Freude erinnert sich der Erzbischof auch an Schulbesuche, Begegnungen mit Firmlingen und den Erfolg der "Aktion offener Himmel".

Abtreibungen und Kirchenaustritte als "dunkle Kapitel"

Zu den dunklen Kapiteln zählt der Salesianer vor allem die Themen Abtreibungen und Kirchenaustritte. Trotz einer Reihe von Gesprächen habe er nicht verhindern können, dass Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (S) 2005 Schwangerschaftsabbrüche an den Salzburger Landeskliniken ermöglichte. Auf die Frage, ob sein Verhältnis zu ihr auch heute noch deswegen getrübt sei, sagte er: "Kann sein; so im offiziellen Umgang nicht - denn ich bin der Überzeugung, wir müssen mit jedem Menschen gut umgehen können. Aber ich habe die Dinge gesagt, und sie sind verstanden worden."

Selbstbestimmung der Menschen als Grund für Kirchenaustritte

Als "schmerzlich" bezeichnet der Erzbischof die "relativ vielen Kirchenaustritte": Es sei bedauerlich, "wenn man selbst versucht, sich für die Menschen wirklich einzusetzen, und sieht, wie viel in den Pfarrgemeinden geschieht, und dann merkt, dass vieles nicht ankommt." Ein Grund für die Kirchenaustritte sei die gewachsene Freiheit und Selbstbestimmung der Menschen, die heute mehr auswählen würden. Missbrauchsfälle oder umstrittene Bischofsernennung seien "Motive, die mitspielen", ebenso wie persönliche "schlechte Begegnungen mit Vertretern der Kirche". Nach einem Rezept für mehr Wiedereintritte befragt, antwortete der Erzbischof: "Dass wir als einzelne Christen und Verantwortliche der Kirche gut mit den Menschen umgehen, auf eine offene, sympathische Weise."

Kothgasser freut sich auf Ruhestand

Auch wenn ihm das Wort "amtsmüde" nicht gefällt, so ist Kothgasser doch merklich "dankbar, wenn ich die Verantwortung abgeben kann. Wenn man sich bemüht hat, 15 Jahre wirklich im Einsatz zu stehen, und auch älter wird - 75 Jahre ist keine Kleinigkeit -, dann ist es wohl auch verständlich, dass die Kräfte nicht zunehmen." Dann sollten "jüngere Kräfte die Verantwortung übernehmen, die haben vielleicht neue Ideen, haben sicher mehr Kräfte." Pläne für den Ruhestand hat Kothgasser zuhauf: "Zuerst einmal das Leben ordnen. In der Zeit, in der man so im Einsatz steht, hat man keine Zeit, die eigenen Dinge zu ordnen, zum Beispiel Bücher. Worauf ich mich noch freue, ist Zeit und Ruhe zu haben zum Gebet." Dann möchte der Neo-Pensionist gerne lesen ("Bibelkommentare oder das Zweite Vatikanum nachstudieren") oder Musik hören. Über den Ort seines Alterssitzes hat Kothgasser noch nicht entschieden. Rein kirchenrechtlich hat ein emeritierter Bischof zwar keinen Einfluss auf die Wahl seines Nachfolgers, unversucht lassen will Erzbischof Alois aber nichts. Und er bindet dabei die Kirchenbasis ein: "Ich halte in diskreter Weise eine große Umfrage in den Gremien: dem Pastoralrat, dem Priesterrat, der Dechantenkonferenz, dem Konsistorium und unter allen hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Seelsorge sowie den Vorsitzenden der verschiedenen Verbände. Ich möchte wissen, was diese Mitverantwortlichen denken und wen sie vorschlagen würden." Die Liste dieser Vorschläge wird er ungekürzt dem Nuntius übergeben, der sie nach Rom übermittelt.

Kothgasser-Nachfolge soll "Mann der Mitte" sein

Kothgasser selbst wünscht sich einen "Mann der Mitte, der keine Schlagseiten hat, der gut hören kann und ein tiefgläubiger Mensch ist. Am liebsten wäre mir, wenn an jenem Tag X, an dem die Domkapitulare zusammentreten und der Dreier-Vorschlag aus Rom geöffnet wird, dass sie zum Schwitzen kämen, weil drei so gute Namen drauf stehen, dass sie nicht wissen, wer der beste von ihnen ist." (APA)
(Quelle: S24)

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