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Salzburger Experten diskutieren: Cybermobbing ist kein Kavaliersdelikt

Im Rahmen der 7. Ausgabe der ÖVP-Klubgespräche diskutierten am Dienstag Salzburger Experten über das Thema Cybermobbing und Gefahren für die Jugendlichen im Internet.

"Cybermobbing, Verunglimpfungen und Beschimpfungen im Internet und in sozialen Foren stellen ein wachsendes gesellschaftliches Problem dar. Österreichweit sind bereits 7 Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen neun und 16 Jahren Opfer von Cybermobbing geworden, Tendenz steigend. Cybermobbing ist kein Kavaliersdelikt und hinterlässt oft bleibende Schäden bei jungen Menschen. Das Internet bietet der jungen Generation enorme Chancen und ist längst Teil der Lebensrealität der jungen Generation geworden. Mit der neuen Technologie sind aber auch große Risiken und Gefahren verbunden, auf die wir entsprechend reagieren müssen", meint ÖVP-Klubobfrau Gerlinde Rogatsch.

Eltern wissen oft wenig über Cybermobbing

Die Professorin Ingrid Paus-Hasebrink, Leiterin der Abteilung Audiovisuelle und Online-Kommunikation der Universität Salzburg, zitierte Studien, laut denen das Einstiegsalter für die Internetnutzung in Österreich bereits deutlich unter zehn Jahren liegt, Tendenz sinkend. 68 Prozent der zwölf bis 19-Jährigen surfen täglich im Internet, 83 Prozent besitzen und nutzen ein Handy. Im EU-Vergleich überdurchschnittlich stark vertreten sind Österreichs Jugendliche in Chatrooms und Blogs. Gleichzeitig seien vor allem österreichischen Eltern die Risiken der Internetnutzung weniger bewusst.

Identitätssuche im Internet

"Gerade in einem Alter, in denen junge Menschen auf der Suche nach ihrer eigenen Identität und ihrer Rolle in der Gesellschaft sind, finden sich im Internet neue Formen und Möglichkeiten, die diesem Prozess Ausdruck verleihen. Umso wichtiger ist es, junge Menschen in dieser Phase nicht alleine zu lassen und zu unterstützen. Hier sind Eltern, Schulen, aber auch die Gesellschaft besonders gefordert", zieht Rogatsch einen Schluss aus den präsentierten Studienergebnissen.

Opfer werden zu Tätern

Laut Fred Kellner-Steinmetz, Schulpsychologe und Bildungsberater der Wirtschaftskammer zeige sich in der Praxis immer wieder, dass im Bereich Cybermobbing ehemalige Opfer oft zu Tätern werden. Dies sei ein Beispiel für eine falsche Konfliktlösungsstrategie und führe - ohne entsprechende Unterstützung und Hilfe - auch oft zu Konflikten und Problemen im Erwachsenenleben. Diese Opfer-Täter-Problematik bestätigte auch Professor Leonhard Thun-Hohenstein, Leiter der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und ergänzte, dass vor allem Kinder aus bereits belasteten Familien, Kinder mit negativen Beziehungserfahrungen und Kinder und Jugendliche aus bildungsfernen Schichten besonders häufig von Mobbing und Gefahren im Internet betroffen seien.

Drei Lösungsansätze

Gerlinde Rogatsch sieht drei Lösungsansätze für das Problem:

  1. Bereitstellung von genügend Ressourcen im Bildungsbereich, in der Elternberatung und in der Kinder- und Jugendmedizin.
  2. Auf das Thema weiter aufmerksam machen, es enttabuisieren und die Bewusstseinsbildung weiter verstärken.
  3. Im europäischen Zusammenspiel muss über strengere gesetzliche Regelungen nachgedacht werden, mit denen auch Anbieter stärker zur Verantwortung gezogen werden können", so die ÖVP-Klubobfrau abschließend. 

    Salzburger Experten diskutierten über Cybermobbing Salzburg24
    Salzburger Experten diskutierten über Cybermobbing
    ÖVP-Salzburg

(Quelle: S24)

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