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Salzburger Grenzfall: Extremisten unter Steinen, Pflanzen und Menschen

Im neuesten Grenzfall geht es unter anderem um die ältesten Bäume des Landes. Land Salzburg
4MP859 Digital Camera 1000_jaehrige_Linde_in_Faistenau001_c_Heinz-Peter Deska: Die angeblich 1.000-jährige Dorflinde bildet den Mittelpunkt des Flachgauer Orts Faistenau

Wo die Methusalems und Riesen unter Salzburgs Bäumen zu finden sind, was ein höchst seltenes Salzburger Moos mit dem Fernen Osten zu tun hat, warum die exklusivsten Lebewesen Salzburgs aus nur einer Zelle bestehen, welche schrägen Vögel zu neuem Leben im Land erweckt wurden und mit wieviel Jahren man in Salzburg wirklich zum alten Eisen gehört, verrät ein aktueller Grenzfall, der am Mittwoch auf www.salzburg.at, der Plattform für die Europaregion, veröffentlicht wurde.

Salzburgs Natur garantiert nicht nur einen steten Touristenstrom, sie wartet auch mit zahlreichen Einmaligkeiten und Kuriositäten auf. Beginnen wir bei den harten Fakten, den Steinen. Auf Salzburgs ältestes Gestein tritt man im hinteren Habachtal im Pinzgau. Vor 650 Millionen Jahren haben sich Ton- und Sandsteine gebildet, diese sind heute zu Schiefer und Gneis geworden. In den Lungauer Nockbergen findet man ähnlich alte Gesteine am Kleinen Königstuhl.

Bäume, die Geschichte erzählen könnten

An belebter Materie zählen Bäume zu den Methusalems in Salzburger Gefilden. Linden als beliebte Dorfmittelpunkte, Eiben und Eichen haben hier die höchste Lebenserwartung. Die sogenannte tausendjährige Dorflinde von Faistenau kann zwar keine Geburtsurkunde vorweisen, doch geht man davon aus, dass sie von den ersten Siedlern in dieser Gegend im 12. Jahrhundert als Zeichen der Gemeinschaft gepflanzt wurde. Den Zweck erfüllt das Naturdenkmal heute noch als Treffpunkt vor dem Kirchgang oder als Kulisse für den "Faistenauer Jedermann". Zu weiteren imposanten Erscheinungen der Baumflora zählen die Ulmen. Jene vor dem Bad Hofgasteiner Kurhaus soll mit dreißig Metern Höhe sogar die größte Österreichs sein.

Grenzfall: Ungelöstes Botanik-Rätsel

Senkt man den Blick zum Kleinen, eher Unauffälligen, so gehören Flechten und Moose zu den Besonderheiten des Landes. Das gekielte Zweizeilblattmoos im Salzburger Teil des Salzkammerguts (mehr wird über den Standort aus Sicherheitsgründen von Naturschutzbeauftragten nicht verraten) gilt als weltweit äußerst selten. Nur an einer Stelle in Oberbayern und an zwei Plätzen in Vorarlberg gibt es diese Art europaweit noch. Alle anderen weltweit nur zehn Vorkommen befinden sich in China und Japan. Die Fachleute können bis heute diese große Entfernung nicht schlüssig erklären. Und wenn von richtig "einheimisch" die Rede sein soll, ist der Nonntaler Krauthügel am Fuß der Festung Hohensalzburg die beste Adresse. Denn dort tummeln sich in einem regelmäßig austrocknenden Tümpel zwölf Arten von Einzellern, die auf dieser Welt höchstwahrscheinlich einzigartig sind.

Ein flatterhaftes Comeback

So selten, dass es ihn gar nicht mehr gab, war Ende des 16. Jahrhunderts der Klausrabe in Europa. Heute ist er unter dem Namen Waldrapp bekannter, und in Salzburg schlüpfte erstmals seit 400 Jahren in freier Wildbahn wieder einer dieser Ibis-Verwandten mit dem lustigen Federschopf und dem rötlichen, gebogenen Schnabel. Da den Vorfahren dieser Zugvögel aufgrund ihres Aussterbens das familieneigene "Navi" in den Süden abhandengekommen ist, erhielt die neue Generation Luftbeistand in Form von Leichtflugzeugen, die sie bis in die Toskana lotsten.

Durch besondere Federn fällt auch der Bartgeier auf. Ihm hängen sie büschelweise über den Schnabel. Der Greifvogel ist ein lupenreiner Extremist, lebt er doch in Höhenregionen bis zu 7.800 Metern im Himalaya. In den Alpen wurde der als "Lämmergeier" verteufelte Habichtverwandte Anfang des 20. Jahrhunderts ausgerottet. Erst 1986 gelang im Rauriser Krumltal eine erfolgreiche Auswilderung von Tieren aus europäischen Zoos im Nationalpark Hohe Tauern. Heute leben wieder einige wilde Brutpaare dieses größten heimischen Greifvogels mit einer Flügelspannweite bis zu drei Metern im Alpenraum.

Als die Pferde wieder wild wurden

Apropos wild: Das Przewalski-Pferd – schon der Name klingt ungezügelt – ist heute das einzige Wildpferd, das bis in unsere Tage überlebt hat. Das verdankt das nach einem polnischen Forschungsreisenden benannte Huftier seiner Weiterzüchtung in Zoos, unter anderem in Hellbrunn. In seiner Heimat, der Mongolei, war das Pferd in freier Wildbahn ausgestorben, seit der Auswilderung Anfang der 1990er Jahre traben wieder rund mehrere Hundert wilde Exemplare in den Steppen der Mongolei umher.

Echte Oldies

Bleibt noch die Frage nach den ältesten Salzburgern – diesmal der Gattung homo sapiens. Die Landesstatistik weist per Jahresbeginn 2015 drei 105-jährige Frauen und drei 103-jährige Männer aus, insgesamt lebten in Salzburg zu diesem Zeitpunkt 83 Personen, die den Hunderter an Lebensjahren überschritten hatten, davon waren 65 Frauen – wahrlich steinalt, um im wahrsten Wortsinn den Kreis zum Beginn dieses Grenzfalls zu schließen.

(Quelle: S24)

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