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Salzburger Kinderanwältin: "Wir suchen dieses Mädchen und ich bin in großer Sorge um sie"

Amina ist vor rund acht Monaten spurlos verschwunden. kija Salzburg
Amina ist vor rund acht Monaten spurlos verschwunden.

Mindestens 151 Flüchtlingskinder werden in Österreich vermisst. Ein aktueller Fall beschäftigt jetzt die Kinder- und Jungendanwaltschaft (kija) in Salzburg: Die 17-jährige Amina ist seit Jänner verschwunden. Es wird befürchtet, dass sie Opfer von Menschenhandel oder Prostitution geworden ist.

Im Vorjahr und im bisherigen Jahr 2016 sind im Flüchtlingslager Traiskirchen, das die meisten minderjährigen Flüchtlinge durchlaufen, insgesamt 193 abgängige Unter-14-Jährige gemeldet worden, teilte das Innenministerium am Montag mit. Davon sind 42 wieder aufgetaucht.

Amina flüchtete vor der Zwangsverheiratung aus Guinea

Bislang nicht aufgetaucht ist die heute 17-jährige Amina aus Guinea. Nach ihrer Flucht vor der Zwangsheirat ist sie im Herbst 2015 gemeinsam mit ihrem 18-jährigen Bruder in Traiskirchen untergekommen, wurde jedoch innerhalb des Lagers aufgrund des unterschiedlichen Geschlechts getrennt. Im Jänner wollte die damals 16-Jährige einen Arzttermin wahrnehmen und gab ihrem Bruder Bescheid. Doch das Mädchen kam nie beim Arzt an und gilt seither als vermisst. Die Polizei wurde informiert und Amina wurde daraufhin ins Schengener Informations-Computersystem eingetragen. Wenn sie kontrolliert wird, würde sie auffallen. Bis heute gibt es keine Spur von Amina.

Schlimme Befürchtungen um Amina

Weil Amina auch auf dem Handy nicht mehr erreichbar war, wandte sich ihr Bruder, der mittlerweile in Salzburg lebt, an die Salzburger Kinder- und Jugendanwaltschaft (kija).

"Nachdem Amina drei Tage unabgemeldet vom Flüchtlingslager fernblieb, wurde ihr Asylverfahren geschlossen. Wir sind in großer Sorge um sie", so Kinderanwältin Holz-Dahrenstaedt im Gespräch mit SALZBURG24. Dahrenstaedt befürchtet, dass Amina Opfer von Menschenhandel oder Prostitution geworden ist. Amina ist sehr hübsch, dunkelhäutig, ca. 1,75 Meter groß und schlank. Sie spricht Französisch und Poular.

Verschwinden zur Kenntnis genommen

"Ich bin zur Polizei gegangen und habe gesagt, meine Schwester wollte mich gestern treffen und seither ist sie verschwunden, ich weiß nicht was ich tun soll. Sie haben gesagt ich muss warten. Ich weiß nicht, ob es eine technische Methode gegeben hätte, das Telefon zu orten. Sie haben immer gesagt, ich muss warten", sagt ihr Bruder am Dienstag im Morgenjournal auf Ö1. Holz-Dahrenstaedt kritisiert, dass die Polizei zu wenig nach vermissten Flüchtlingskindern sucht. "Es macht mich betroffen, dass das Verschwinden eines bildhübschen 16-jährigen Mädchens achselzuckend zur Kenntnis genommen wird. Man stelle sich vor, ein Urlauberkind würde aus einer Betreuungseinrichtung vermisst, dann würden wohl alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, das Kind zu finden", so die Kinder- und Jugendanwältin gegenüber SALZBURG24.

Kinder sind erhöhter Gefahr ausgesetzt

Alleinreisende Kinder sind einer erhöhten Gefahr ausgesetzt, mahnt Holz-Dahrenstaedt. „Dort wo niemand hinschaut haben Menschenhändler und Zuhälter ein leichtes Spiel." Auch ein Bericht der Organisation "Missing Children Europe" warnt davor, dass Flüchtlingskinder verstärkt dem Risiko ausgesetzt sind, Opfer von Menschenhandel, sexueller Ausbeutung, erzwungenem Drogenschmuggel oder Bettelei zu werden. Die Studienautoren rufen zur besseren Kooperation der einzelnen nationalen Behörden und innerhalb Europas auf, um alle Fälle vermisster Kinder aufzuklären.

Laut Innenministerium keine Hinweise auf Menschenhandel

Im Innenministerium sagt man, dass es keine Hinweise auf Menschenhandel bei den vermissten Kindern gebe. Viel eher geht man davon aus, dass die Kinder in andere EU-Länder weitergereist sind. Innenministeriumssprecher Karl-Heinz Grundböck sagte am Montag gegenüber der APA, dass die Asylregeln der EU, die an sich ein Schutzansuchen im ersten Land der Einreise vorschreiben, nach der Dublin-III-Verordnung auf Minderjährige meist nicht anzuwenden seien. Daher seien wohl einige der Kinder in Deutschland gelandet. Mögliche Hinweise auf Menschenhandel sehen die Behörden bei den vermissten Kindern nicht. "Es gibt keinerlei Anhaltspunkte, dass Abgängigkeiten auf andere Umstände zurückzuführen sind", so Grundböck.

Europaweit 10.000 Flüchtlingskinder vermisst

Berichte über vermisste Flüchtlingskinder gab es in den vergangenen Monaten in einigen EU-Ländern. Zu Jahresbeginn schätzte die Polizeibehörde Europol ihre Zahl europaweit auf rund 10.000. Und die deutschen Behörden teilten am Montag mit, dass in Deutschland derzeit knapp 9.000 junge Flüchtlinge als vermisst gemeldet sind.

(Quelle: S24)

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