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So geht es Ali W. in Kenia

Ali W Alois Dürlinger Erzdiözese Salzburg
Ali (2.v.r.) hält sich derzeit in Kenia auf.

In letzter Sekunde gelang dem Salzburger Lehrling Ali W. vergangenen Donnerstag die Ausreise nach Nairobi. Begleitet wurde der 23-Jährige von Pfarrer Alois Dürlinger, der die ersten Tage im Benediktinerkloster in Nairobi mit Ali zusammen verbrachte. Am Mittwoch kehrte Dürlinger nach Salzburg zurück – und schilderte seine Erlebnisse der turbulenten vergangenen Tage.

Trotz aller Ereignisse gehe es Ali entsprechend gut, berichtet Alois Dürlinger beim Pressegespräch in St. Virgil in der Stadt Salzburg. Der Pfarrer war am frühen Mittwochmorgen aus Kenia in Wien gelandet und hatte sich sofort nach Salzburg begeben, wo er über Alis Befinden Auskunft erteilt. Vorab stellt der Pfarrer eines richtig: "Ali ist sein Nachname."

Ali: Österreich ist sein Zuhause

Dürlinger spricht bedächtig und ruhig – ab und an kommt sein Dialekt durch. Er habe den 23-Jährigen in den vergangenen Tagen besser kennen gelernt, habe mit dem gläubigen Moslem viel gesprochen. "Er redet sehr offen und ehrlich über seine Situation. Dadurch kann er sie bewältigen", berichtet der Pfarrer. Eines habe den Dechant in seinen Gesprächen mit dem Pakistani besonders beeindruckt. Er nenne Österreich sein Zuhause. Obwohl er weggeschickt wurde.

Als Moslem bei Christen

Ali lebte in den letzten rund drei Jahren in Österreich und hatte nach zwei negativen Asylverfahren knapp sieben Monate in der Pfarre St. Peter „Kirchenasyl“ erhalten. Der 23-Jährige hatte bis 1. Februar Zeit bekommen, Österreich freiwillig zu verlassen. Ansonsten drohte ihm die Abschiebung zurück nach Pakistan, wo „es für ihn sehr gefährlich wäre“, wie Dürlinger betont. Vor allem jetzt, da Ali als Moslem monatelang mit Christen unter einem Dach zusammengewohnt habe. Entsprechend hektisch gestalteten sich die letzten Stunden des 31. Jänners, wo Alis Helfer fieberhaft an einer Lösung für den Lehrling arbeiteten. "Wir kannten 24 Stunden vor der Reise das Ziel noch nicht. Am Ende war es eine Entscheidung zwischen Kenia und Bosnien", erklärt der Pfarrer.

Wajid Ali ist jetzt in Nairobi, mehr dazu unter: www.kirchen.net Begleitet wurde er von Pfarrer Alois Dürlinger. Was er ihm wünscht und wie es dem jungen Mann Wajid Ali geht...

Gepostet von Erzdiözese Salzburg am Mittwoch, 6. Februar 2019

Ali mit Touristenvisum in Kenia

Es wurde Kenia. Dort bekam er gerade noch rechtzeitig die Zusage für ein Touristenvisum. "Dieses ist vorerst ein Monat lang gültig und kann auf drei Monate verlängert werden", berichtet Dürlinger. Um Asyl hat der 23-Jährige in Kenia nicht angesucht."Das ist kein Thema", betont der Dechant. Ali ist derzeit in einem Benediktinerkloster in Nairobi untergebracht. Der Kontakt kam über die Salzburgerin Susanne Kerschbaumer zustande, die einen Verein für Straßenkinder (panairobi) in Nairobi gegründet hat. "Wir haben uns in den vergangenen Tagen das Projekt angesehen, waren dort gemeinsam mit zwei Sozialarbeitern in den Slums", erzählt der Pfarrer. Ali wolle sich während seiner Zeit in Afrika in dem Sozialprojekt engagieren. "Er ist ein ohnehin sehr kontaktfreudiger Mensch", berichtet der Dechant.

Rückkehr nach Österreich als Wunsch

Wie es mit dem Lehrling nach Ablauf des Touristenvisum weitergeht? "Das kann ich derzeit nicht beantworten. Wir arbeiten daran, dass er nach Österreich zurückkehren kann", erklärt Dürlinger. Die Rot-Weiß-Rot-Card komme für den Pakistani nicht infrage, da er keine abgeschlossene Berufsausbildung besitze. "Vielleicht ist die Berufsmangelliste eine Option."

Der 23-Jährige möchte in jedem Fall zurück nach Österreich. Auch, um etwas zurückgeben zu können. Seinen Helfern sei er "für immer dankbar", erklärt Dürlinger. Denn: "Ali ist bei Gott kein Nehmer", sondern vielmehr "ein Paradebeispiel der Integrationsbemühung." Nun gilt es für Ali, sich vorerst in einem neuen Land zurechtzufinden.

Dürlinger kritisiert Asylregelung

Für Alois Dürlinger, der auch Sprecher des Salzburger Erzbischofs in Flüchtlingsangelegenheiten ist, geht der Kampf gegen die Abschiebung gut integrierter Lehrlinge indes weiter. "Ich erinnere mich an einen Fall eines Bäckerlehrlings im Oberpinzgau, der an einem Sonntagmorgen für seine Abschiebung abgeholt worden ist. Der betroffene Bäcker hatte zuvor vier Jahre händeringend nach einem Lehrling gesucht", kritisiert der Dechant die aktuelle Asylregelung. In der Asyldebatte käme dann oft das Argument der straffällig gewordenen Asylbewerber. "Das finde ich unfair."

Pfarrer für Stärkung des Kirchenasyls

Dürlinger hat im Zuge dessen eine Stärkung des Kirchenasyls in Österreich angeregt. Er verwies auf Deutschland, wo die Kirche befristete Duldungsregelungen ausverhandelt habe, wenn auch ohne Rechtsgrundlage und Rechtsanspruch. "Kirchenasyl dient dort vor allem der Wiederaufnahme oder der erneuten Überprüfung von Asylverfahren", sagte Dürlinger. Einem Bericht der deutschen "Zeit" (Online-Ausgabe) zufolge konnten etwa im ersten Quartal 2018 in Deutschland 498 Abschiebungen durch Kirchenasyl verzögert oder verhindert werden. Die Maßnahme habe allerdings seit der Einführung von Härtefallkommissionen an Bedeutung verloren.

"Im Gegensatz zu Deutschland gibt es in Österreich aber keine Härtefallkommissionen", betonte Dürlinger. Er regte darum an, dass auf föderaler Ebene die Landeshauptleute und die Diözesen aufeinander zugehen sollten, um dann ein gemeinsames Votum an die Bundesregierung zu richten.

(S24/APA)

(Quelle: SALZBURG24)

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