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Salzburger Radiofabrik gedenkt mit Hörstolpersteinen an Nazi-Opfer

Mit Hörstolpersteinen will die Salzburger Radiofabrik auf die Schicksale der NS-Opfer aufmerksam machen. Radiofabrik
Mit Hörstolpersteinen will die Salzburger Radiofabrik auf die Schicksale der NS-Opfer aufmerksam machen.

Die Salzburger Radiofabrik - eine von 14 nicht kommerziellen Radiostationen in Österreich - strahlt ab kommenden Sonntag, den 16. September, erstmals Hörstolpersteine im Programm aus. Die kurzen, vier bis sieben Minuten langen Biografien, erinnern an Menschen, die im Nazi-Regime ermordet wurden.

Ähnlich den Stolpersteinen auf der Straße tauchen die Porträts auch im Radio ganz unvermittelt auf. "Sie haben keinen festen Programmplatz, sondern werden unter einer Sendung oder einer Musik-Playlist eingespielt", so Radiofabrik-Programmkoordinatorin Eva Schmidhuber zur APA.

Auf NS-Opfer aufmerksam machen

Die Projektinitiatoren wollen mit der Aktion auf die Schicksale der NS-Opfer aufmerksam machen und durchaus auch irritieren. "Wir sind der Meinung, gewisse Dinge soll man nicht vergessen. Das funktioniert mit einzelnen Personen und ihren Geschichten sehr gut", so Schmidhuber. Während auf den Stolpersteinen auf der Straße nur Name, Geburtsjahr, und - wenn bekannt - Datum ihrer Verhaftung und Ermordung stehen, erhalten die Menschen in den Audio-Porträts zusätzlich eine Geschichte.

Menschen, wie die junge Salzburger Näherin Rosa Hofmann, die unter dem NS-Regime Leiterin des Kommunistischen Jugendverbandes in Salzburg war. Die 23-Jährige verteilte Flugblätter, in dem unter anderem zum Ende des Kriegs aufgerufen wurde. Trotz Warnungen von Bekannten, fuhr die junge Frau mit ihrem Tun fort. Im April 1942 wurde sie von der Gestapo verhaftet und wenige Monate später zum Tod verurteilt. Ein Gnadengesuch blieb erfolglos, am 9. März 1943 wurde Hofmann im Zuchthaus Berlin-Plötzensee enthauptet.

Hörstolpersteine: Gemeinschaftsprojekt

Die Kurz-Features sind ein Gemeinschaftsprojekt von Freien Radiosendern in Linz, Hamburg, Halle/Saale, Erfurt und Nürnberg unter der Federführung der Radiofabrik Salzburg. Die Aktion wird von der EU finanziell unterstützt. Jeder Sender wird zehn Hörstolpersteine produzieren, von den insgesamt 60 geplanten Porträts wurden bereits 35 fertiggestellt. "Daneben wird es zehn Langsendungen mit 30 bis 60 Minuten Dauer zum Thema geben", sagte Schmidhuber. Diese ausführlichen Beiträge werden jeweils Sonntags (ab 14.06 Uhr) auf der Radiofabrik "on Air" gehen.

Die Aktion Stolpersteine geht auf den Kölner Künstler Gunter Demnig zurück, der seit 1992 mit Messingplatten verzierte Pflastersteine in Gehsteige einlässt - überall dort, wo Menschen lebten, die Opfer des NS-Regimes wurden: Juden, Zigeuner, Widerstandskämpfer, Zeugen Jehovas, Homosexuelle, Euthanasieopfer. Demnigs Motto: "Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist." In Europa sollen ihm zufolge bereits an 750 Orten rund 34.000 Stolpersteine verlegt worden sein. (APA)

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 27.02.2021 um 11:30 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/stadt/salzburger-radiofabrik-gedenkt-mit-hoerstolpersteinen-an-nazi-opfer-41797954

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