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Salzburger Steinmetz bietet "Gendergräber" nur für Männer oder nur für Frauen an

Ein Salzburger Steinmetz bietet "Gendergräber" an. Bilderbox/Symbolbild
Ein Salzburger Steinmetz bietet "Gendergräber" an.

Ein Steinmetzbetrieb am Salzburger Kommunalfriedhof bietet neu - offenbar erstmals in Österreich - speziell ausgewiesene Gendergräber an. Die Firma Lienbacher hat zwei historische Gräber von der Friedhofsverwaltung übernommen und restauriert und stellt diese ausdrücklich nur für Frauen bzw. nur für Männer zur Verfügung. Dabei spielt es keine Rolle, ob eine Erd-oder Feuerbestattung erfolgen soll.

"Die Idee ist hier neu, international aber keine Seltenheit", betonte Geschäftsführer Gottfried Mayer am Mittwoch bei einem Pressegespräch. Impuls sei eine konkrete Anfrage für ein Sammelgrab nur für Frauen gewesen. Gezielt an eine lesbische oder schwule Klientel richte sich das Angebot zwar nicht, man habe diese Gruppen aber durchaus im Hinterkopf. Laut Mayer gibt es etwa in München einen Friedhof mit Gräbergruppen speziell für lesbische Frauen.

Signal nach dem Tod setzen

Und in Berlin hat die Schwulencommunity vor Jahren zahlreiche Gräber auf einem alten Friedhof mit viel Liebe restaurieren lassen. "Warum soll man nicht nach dem Tod auch ein Signal setzen", sagte Mayer, der offen zugibt, dass die starke Zunahme an Naturbestattungen die Steinmetze zunehmend unter Druck bringt und die Suche nach Marktnischen fordert. Allein in der Nonntaler Hauptstraße in Salzburg, an welcher der Kommunalfriedhof liegt, hätten in den vergangenen 20 Jahren vier Steinmetze zusperren müssen. Auch viele Friedhofsgärtnereien kämpfen damit, dass sich immer weniger Menschen auf Friedhöfen bestatten lassen und immer mehr, auch historisch wertvolle, Gräber aufgelassen werden. "Die Bestattungskultur war in den vergangenen zwei Jahrzehnten einem starken Wandel unterworfen. In diesem Zeitraum sind hier in der Straße rund 100 Arbeitsplätze verloren gegangen", erzählte Mayer.

Wer soll Single-Gräber pflegen?

Im Zuge der starken Zunahme von Single-Haushalten stelle sich für viele die Frage, wer ihr Grab einmal pflegen soll. Und ein Grab braucht Betreuung - so sieht es das Salzburger Leichen- und Bestattungsgesetz vor. "Die junge Generation hat aber zunehmend kein Interesse mehr an einem Grab, die wollen damit nichts zu tun haben." Bei den neuen Gemeinschaftsgräbern übernehme sein Unternehmen die Betreuung des Grabes. Die Kosten: etwas mehr als 1.000 Euro brutto für einen Zeitraum von zehn Jahren. Belegt sind die beiden nach Geschlechter getrennten Sammelgräber in Salzburg derzeit noch nicht.

 

(APA)

(Quelle: S24)

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