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Ist das die Zukunft?

So entgehen kreative Salzburger:innen dem Mietwucher

Vereine zeigen, wie solidarisches Wohnen funktioniert

Hohe Mieten, wenig Mitspracherecht: Damit wollten sich einige Salzburger:innen nicht mehr zufriedengeben. Sie haben sich nach Alternativen zu Miete und Eigenheim umgesehen. Mit Häusern, die dauerhaft dem Immobilienmarkt entzogen werden, wollen sie als Vereine langfristig günstigen Wohnraum sichern.

Salzburg

Günstig mieten und dabei trotzdem mitbestimmen wie beim Eigenheim: In der autonomen Wohnfabrik, dem ersten Hausprojekt in der Stadt Salzburg, ist das möglich. Die elf Bewohner:innen des gelben Hauses in der Poschingerstraße sind nämlich Mieter:innen und Eigentümer:innen gleichermaßen. Wie das funktioniert, hat uns Bewohner Benno Auer erklärt.

 

Selbstverwaltetes Wohnen in Salzburg

Ziel des Projektes sei es, selbstverwalteten und gleichzeitig günstigen Wohnraum zu schaffen. „Das Haus gehört eigentlich unserem Verein“, führt der 23-Jährige aus. Wer in eine der Ein-Zimmer-Wohnungen einzieht, tritt auch dem Verein bei und hat damit dasselbe Mitbestimmungsrecht wie die anderen Bewohner:innen. Eigenkapital muss nicht mitgebracht werden, denn finanziert wurde der Hauskauf 2017 über Direktkredite, ebenso wird es mit anfallenden Reparaturen und Sanierungen gehandhabt. Die Mieten werden gemeinsam besprochen und daran angepasst, wie viel vom Einzelnen bezahlt werden kann.

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„Wie eine große WG“

Entschieden wird in der autonomen Wohnfabrik prinzipiell einstimmig. So entstanden schon eine Werkstatt und ein kleines Beisel im Erdgeschoss, das nicht nur für Hausbewohner:innen offensteht. Auch einen Garten mit Pool, ein gemeinsames Wohnzimmer und eine große Küche gibt es. „Man kann es sich wie eine große WG vorstellen, nur mit mehr Rückzugsmöglichkeiten“, beschreibt Auer das Zusammenleben. Im Haus wohnen vor allem junge Menschen zwischen 18 und 27 Jahren. Nur die beiden Altmieter, die schon seit über 20 Jahren in der Poschingerstraße leben, tanzen mit ihren über 80 Jahren aus der Reihe.

Autonome Wohnfabrik rechtlich gesehen GmbH

Rechtlich gesehen ist die autonome Wohnfabrik eine GmbH. Sie gehört zu gleichen Teilen dem Hausverein und dem Verein habitat, der die autonome Wohnfabrik seit ihrer Gründung unterstützt. Wollte man das Haus verkaufen, müssten alle Bewohner:innen zustimmen, zusätzlich hat habitat ein Veto-Recht. „Man kann also sagen, dass wir das Haus dauerhaft dem Immobilienmarkt entzogen haben“, stellt Auer fest.

 

Gut Überdacht plant ähnliches Projekt

Einen ganz ähnlichen Traum hat Gabriele Güntert vom Verein Gut Überdacht. „Wir wollen schönes, günstiges und ökologisches Wohnen für alle“, fasst die Obfrau den Grundgedanken des Projekts im Gespräch mit SALZBURG24 zusammen. Auch ihr Verein möchte deshalb mithilfe von Direktkrediten ein Haus oder Grundstück kaufen, das nur durch einstimmigen Beschluss wieder verkauft werden kann.

„Verdichtetes Mini-Dorf“ soll entstehen

Auf möglichst wenig Fläche will die Baugruppe 40 bis 80 Menschen unterbringen. „Wir stellen es uns vor wie ein verdichtetes Mini-Dorf auf mehreren Stockwerken“, schildert die FH-Professorin. Der persönliche Wohnraum soll möglichst reduziert werden und mehr Platz für Gemeinschaftsflächen lassen. Geplant sind gemeinsame Spielzimmer für Kinder, Werkstätten und sogar kleinere Gästewohnungen. Um das Klima zu schonen, will die Baugruppe auch ein Fahrrad- und Car-Sharing-Modell einrichten.

Baugruppe jederzeit startbereit

Wann der Startschuss für das Vorhaben fällt, ist aber ungewiss. Es fehlt noch ein Grundstück oder Haus, das zum Projekt passt. Gesucht werden etwa 2.000 Quadratmeter Fläche - seit sechs Jahren. „Wir haben die Bank, das Geld, die Leute“, so Güntert. „Theoretisch könnten wir morgen starten.“ Fände sich ein Ort, könnte in der Stadt Salzburg also bald ein zweites Haus stehen, in dem die Grenzen zwischen Miete und Eigentum verschwimmen und Bewohner:innen ihren Wohnraum selbst organisieren.

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Um den Austausch zu fördern und die Idee von Hausprojekten weiterzutragen, will Gut Überdacht das Erdgeschoss ihres zukünftigen Hauses für etwas nutzen, das der Gesellschaft dient. „Eine Arztpraxis, Co-Working-Spaces, ein Cafè, … wir werden dann schauen, was es in der Umgebung braucht“, meint Güntert. Sie hofft, dass so in Zukunft noch mehr Menschen auf den Geschmack kommen und ähnliche Projekte entstehen. „Die Leute sollen sehen: So kann wohnen auch gehen.“

(Quelle: SALZBURG24)

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