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Sonntags-Talk

"Das Handwerk hat sich kaum verändert"

Salzburgs berühmtester Goldschmied über Abschied und Tradition

Seine Schmuckstücke sind weltweit begehrt. Seit über 40 Jahren stellt Gold- und Silberschmiedemeister Hartwig Thurner seine Salzburger Herzen per Hand her und verkauft sie bis nach Japan. Viele Prominenten zählen zu seinen Kunden. Darauf ist der 64-Jährige stolz – zurecht. Und gleichzeitig ist er auf Abschied gestimmt. Im Sonntags-Talk spricht er mit uns über seine Nachfolge, seine Ängste und Leidenschaften.

Salzburg

Es war das Jahr 1970, als sich der gebürtige Innsbrucker Hartwig Thurner für den Beruf des Gold- und Silberschmieds entschied und bald sein erstes Schmuckstück anfertigte. Seither lebt er das Handwerk mit Leib und Seele, seit 41 Jahren ist er in Salzburg selbstständig. In der Klessheimer Allee im Stadtteil Maxglan war er am längsten: 31 Jahre lang führte er dort seine Werkstatt samt Geschäft und 17 Mitarbeitern. Mit dem Umzug in die Innenstadt hat er sich sukzessive verkleinert. Aus den ursprünglichen 200 Quadratmetern wurden 29. Wir haben ihn in seinem kleinen Reich – direkt über den Tresorräumen in Mozarts Wohnhaus – besucht. Auf dieser Fläche befindet sich Schmuck im Wert von rund 300.000 Euro.

SALZBURG24: Herr Thurner, welches Schmuckstück auf diesen paar Quadratmetern ist Ihr absolutes Lieblingsstück?

Das ist natürlich mein Meisterstück. Ich habe es damals im 78er-Jahr angefertigt. Ursprünglich war es eine Brosche, in der die Originalunterschrift von Wolfang Amadeus Mozart eingraviert ist. In den 80er-Jahren habe ich es dann zu einem Collier mit Drei-Karat-Brillanten und Naturperlen umgearbeitet.

Wie viel verlangen Sie für das Collier?

Es hat einen Wert von rund 25.000 Euro.

Und haben Sie vor, das Stück zu verkaufen?

Um ehrlich zu sein, habe ich es lange nicht vorgehabt, weil ich schon sehr daran hänge. Doch jetzt gehe ich bald in Pension. Und da meine Frau und ich – wir sind 44 Jahre verheiratet – keine Kinder haben, habe ich meine Meinung geändert. Wenn jemand sagt, das gefällt mir, ich möchte es unbedingt mal weitervererben, warum nicht. Wem soll ich’s sonst geben. Mit ins Grab kann ich es ja nicht nehmen.

Sie sind auf der ganzen Welt berühmt für Ihre Salzburger Herzen und Silbertäschchen. Was hat es damit auf sich?

Die Täschchen trugen die feinen Damen in der Kaiserzeit zur Tanzstunde. Da war ein kleiner Zettel drinnen und ein Bleistift. Die Damen haben eingetragen, wann und mit wem sie den nächsten Tanz haben. 1916 sind diese Täschchen verschwunden und in Vergessenheit geraten, weshalb ich sie vor 40 Jahren wieder aufgegriffen habe und wieder herstelle, um die Tradition zu wahren. Heute trägt man sie gerne zum Trachtenrock.

Und die Herzen?

Ja, die verkaufe ich auf der ganzen Welt. Es gibt sie in zwei Größen und in 30 verschiedenen Edelsteinfarben – vom Malachit bis zur Koralle. Man kann sie zu Jeans tragen oder zur Tracht. Auch als Ohrringe sind sie sehr schön. Die Herzen haben mich bekannt gemacht. Letztes Jahr musste ich für alle Staatsoberhäupter beim EU-Gipfel in Salzburg Herzen machen.

Was kostet denn so ein original Salzburger Edelstein-Herz?

Die kleinen 210 und die großen 310 Euro.

Thurner, Gold- und Silberschmied SALZBURG24/Wurzer
Die berühmten Salzburger Herzen.

Wer kommt zu Ihnen, um Schmuck zu kaufen?

Touristen sind ja nicht wirklich meine Abteilung. Sie schauen zwar rein, aber unser Standort ist das Andräviertel und hier geht der Salzburger einkaufen.

Haben Sie viele Festspielkunden?

Ja, sehr viele. Vom Hotel Sacher, vom Bristol oder vom Goldenen Hirschen kommen sie zu mir.

Dürfen Sie Namen nennen?

Ja, sicher. Tobias Moretti, Sir Peter Ustinov, damals Bundespräsident Kirchschläger mit seiner Frau und so weiter. Oder auch Peter Simonischek. Der alte und wohl bald neue Bundeskanzler Sebastian Kurz hat auch ein Herz von mir bekommen. Wir haben zwei Gästebücher, die sind voll mit Prominenten.

Sind Sie denn ein Festspiel-Fan?

Ja, ein großer. Ich bin einer der wenigen, der seit 1975 alle Jedermann-Aufführungen gesehen hat. Von Curd Jürgens bis jetzt.

Und welcher war der beste?

Curd Jürgens und Peter Simonischek, die beiden.

Thurner, Gold- und Silberschmied SALZBURG24/Wurzer
Hartwig Thurner im Gespräch mit Nicole Schuchter.

Zurück zu Ihrem Geschäft. Auf diesen paar Quadratmetern befindet sich sehr viel Wertvolles. Haben sie eigentlich Angst vor Einbrechern oder Dieben?

Das ist alles Panzerglas. Diese Türen kannst du nicht mal mit einem Auto einfahren.

Ist noch nie etwas passiert?

In 41 Jahren sieben Mal. Das ist normal für einen Juwelier. Aber zum Glück war es bei uns nie der Fall, dass am Tag jemand eingebrochen ist. Davor fürchte ich mich am meisten. Viele Kollegen von mir in Bregenz und Wien sind in ihrem Geschäft erschossen worden. Da stehst du hinter dem Tresen, einer kommt rein, fragt nicht, sondern es macht patsch bum. Das sind ganz skrupellose Banden, die machen das so. Du wirst sofort erledigt und dann wird das Geschäft ausgeräumt.

Vor 15 Jahren wurde bei mir auch zu Hause eingebrochen. Sie sind mir damals vom Geschäft weg hinten nachgefahren und haben mich ausspioniert. Als meine Frau und ich dann mal nicht zu Hause waren, haben sie zugeschlagen. Ja, das ist halt so.

Was ist das Schöne an Ihrem Beruf?

Die Vielfalt und das Handwerk an sich. Um den Beruf zu erlernen, brauchst du eigentlich nur eine gute, ruhige Hand, ein geschultes Auge, Feinfühligkeit – und vielleicht einen Zugang zu Designs. Unser Arbeitsplatz ist zwei Quadratmeter klein. Alles, was wir benötigen, sind ein paar Werkzeuge und gutes Licht. In den letzten 100 Jahren hat sich werkzeugmäßig in unserem Beruf ja nicht wirklich viel geändert – Gott sei Dank.

Wie erkennt man beim Schmuck-Einkauf, dass handwerklich etwas gut gemacht ist?

Das ist schwierig, das erkennt eher nur der Fachmann. Es ist so, die jungen Leute sind heute nicht mehr so wie früher. Es muss gefallen. Ob das jetzt schlecht verarbeitet ist oder vom Ausland kommt, ist nicht so tragisch. Der ältere Gast fragt nach. Er will wissen, ob das Stück selbst gemacht wurde, von wem es gemacht wurde und wer dahinter steckt. Die Generation, die diese Fragen interessiert, ist 50 plus.

Thurner, Gold- und Silberschmied SALZBURG24/Wurzer
Seit 41 Jahren stellt Hartwig Thurner hochwertigen Schmuck aus Gold oder Silber her. Wir haben ihn zum Sonntags-Talk in seinem Geschäft in der Theatergasse getroffen.

Glauben Sie, dass der Beruf einmal aussterben wird?

Das ist eine schwierige Frage. Aussterben glaube ich nicht, aber er wird sich in eine andere Richtung weiterentwickeln. Die neuen Goldschmiede machen ihre Arbeit ja jetzt schon mit Lasertechnik, Computer und allem Möglichen. Wir machen wirklich 90 Prozent mit der Hand. Wir machen das so, weil wir die Tradition schätzen. Und ich glaube, solche wie wir es sind, wird es auch immer geben.

Bemerkenswert im Vergleich zu früher ist auch, dass immer mehr Frauen in den Beruf kommen. Der Goldschmied war ursprünglich ein reiner Männerberuf. Heute weiß man, dass Frauen eigentlich noch die bessere Hand bei der Schmuck-Anfertigung haben und noch feinfühliger sind. Heute ist jede zweite eine Goldschmiedemeisterin. Das war früher wirklich undenkbar.

Sie stehen kurz vor der Pension. Was passiert dann mit Ihrem Geschäft?

Ich habe zum Glück einen Nachfolger gefunden, einen jungen Burschen mit 33 Jahren. Er wird ab Ende nächsten Jahres hier sein und er möchte das genauso weiterführen, wie ich es 40 Jahre lang gemacht habe.

Herr Thurner, herzlichen Dank für das Gespräch.

(Quelle: SALZBURG24)

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