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Speditionserweiterung

Biotop in Schallmoos "fast zerstört"

Bürgerinitiative kämpft gegen Weiss-Ausbau

Das große Biotop im Salzburger Stadtteil Schallmoos ist seit nunmehr zwei Jahren heftig umkämpft. Während die Spedition Weiss die Fläche zum Firmenausbau pachten möchte, setzt sich eine Bürgerinitiative für den Erhalt ein. Seit Montag wühlen sich allerdings tagtäglich Bagger durch das 7.000 Quadratmeter große Areal. "Es ist schon sehr viel Schaden angerichtet", schildert Anrainer-Vertreterin Sylvia Hochreiter am Freitag im Gespräch mit SALZBURG24.

Salzburg

Als Rechtsanwältin hat sie Ende Jänner im Namen des Naturschutzbundes eine Beschwerde beim Landesverwaltungsgericht gegen die Zerstörung eingebracht. Dennoch fuhren am Montag Bagger im Biotop auf. Wie derstandard.at am Donnerstag berichtete, berufe sich der Grundstückseigentümer auf einen Bescheid der Naturschutzabteilung der Stadt Salzburg, wonach die Rodungsarbeiten im geschützten Biotop legal seien. Das Grundstück soll später von der Firma Weiss gepachtet und für den Speditionsausbau genutzt werden. Der Planungsausschuss der Stadt Salzburg hat dazu im Sommer des Vorjahres bereits die Genehmigung erteilt (wir haben berichtet).

Schallmoos, Biotop Google Maps/Screenshot
Das Areal befindet sich zwischen Schwarzparkstraße und Vilniusstraße (siehe roter Pfeil).

Politische Forderung nach Baustopp

Die Bürgerinitiative sowie auf politischer Ebene die Bürgerliste und die SPÖ forderten am Montag ein Aussetzen der Arbeiten, bis das Gericht entschieden habe. Der Magistrat der Stadt Salzburg sprach der Beschwerde jedoch keine aufschiebende Wirkung zu. Inzwischen liegt auch ein Beschluss des Landesverwaltungsgerichtes vor. "Der Antrag des Österreichischen Naturschutzbundes auf Aufhebung der Rechtskraft des naturschutzrechtlichen Bescheides [wurde] als unzulässig zurückgewiesen", informiert ein Sprecher der Spedition Weiss am Freitagnachmittag per E-Mail. Das Unternehmen sieht die Genehmigungen bestätigt.

Für die Klubobfrau der Bürgerliste, Ingeborg Haller, handelt es sich dabei allerdings "um reine Verfahrensentscheidungen", wie sie in einer Aussendung mitteilt. "Inhaltlich hat sich das Landesverwaltungsgericht mit der Beschwerde des Naturschutzbundes überhaupt noch nicht auseinandergesetzt", so Haller weiter. Auch laut Hochreiter ist eine inhaltliche Entscheidung des Gerichts noch ausständig.

Auch wenn die Weiden bereits gerodet und Teile des Moors umgegraben sind, täten der Grundeigentümer und die Gebrüder...

Gepostet von Bürgerliste: Die Grünen in der Stadt Salzburg am Freitag, 14. Februar 2020

Umstrittene Bagger-Arbeiten in Schallmoos

Ein Bagger sei jedenfalls am Freitag am Biotop zugange gewesen, wie die Anrainerin erzählt. "Die Rodungsarbeiten laufen noch, ich habe mir am Vormittag selbst ein Bild gemacht. Es ist fast alles zerstört. Die Weidengehölzer sind alle weg, das Moor wird umgegraben und Bäume wurden gefällt", beschreibt sie.

Bürgerinitiative will Biotop wieder herstellen

"Als Rechtsanwältin war ich selten so zuversichtlich in einem Fall. Ich bin zu 100 Prozent davon überzeugt, dass unser Anliegen schlussendlich durchgehen wird und dass der Bescheid des Bürgermeisters, mit dem im Jahr 2019 diese Biotop-Zerstörung erlaubt worden ist, als rechtswidrig aufgehoben werden wird", erklärt sie weiter. Die Anrainer wollen sich dann dafür einsetzen, dass das Biotop in Schallmoos wiederhergestellt werden muss. "Es wird Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern, bis das alles wieder so hochgewachsen ist. Nur die Tiere, zum Beispiel Zauneidechsen oder Molche, denen jetzt der Lebensraum genommen wurde, sind tot."

Die Bürgerinitiative in Schallmoos kämpft bereits seit zwei Jahren gegen den Ausbau der Spedition. Sie wollen dadurch nicht nur die Versiegelung des letzten Feuchtbiotops im Stadtteil verhindern, sondern befürchten auch einen weiteren Anstieg des Schwerverkehrs in ihrem Wohngebiet.

(Quelle: SALZBURG24)

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