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Seit drei Monaten Tempo 80: "Schonzeit" auf A1 vorbei

Rund drei Monate ist das flexible Tempolimit auf der Westautobahn bei Salzburg bereits in Kraft. Je nach Schadstoffbelastung und Verkehr gilt zwischen dem Knoten Walserberg und Salzburg Nord Tempo 80 bzw. 100. Angaben über Auswirkungen auf die Umwelt oder Strafen liegen noch keine vor. 

Was allerdings schon vorliegt ist eine Tabelle über die Schaltzeiten der immissionsgesteuerten "Verkehrsbeeinflussungsanlage" (VBA), die sich aufgrund der Schadstoffbelastungen nach dem "IG-Luft" (Immissionsschutzgesetz-Luft, Anm.) ergeben.

Im April alle drei Tage Tempo 80

Demnach betrug die Schaltzeit im März 47 Prozent und im April 35,4 Prozent. Über den Monat gerechnet habe im April ein Drittel der Zeit Tempo 80 gegolten, hieß es aus dem Büro von Umweltreferentin LHStv. Astrid Rössler (Grüne), die das Tempolimit initiiert hatte. Im Februar, als noch ein "Blindbetrieb" herrschte und keine Anzeige auf den Überkopfanzeigen zu sehen war, betrug die Schaltzeit 60,5 Prozent. Das Ergebnis vom Mai wird dem Land noch übermittelt.

Zumeist in der Früh und am Abend

Die Schaltzeiten würden auch sehr gut die vorherrschende Wettersituation widerspiegeln, teilte Rösslers Sprecher Stefan Tschandl der APA auf Anfrage mit. In Monaten mit ungünstigen meteorologischen Verhältnissen, zum Beispiel Inversionswetterlagen, würden die IG-Luft-Schaltzeiten deutlich höher liegen als in wärmeren Monaten, wo ein günstigeres Klima die Schadstoffe rascher verdünne. Tempo 80 gilt auch wegen des Verkehrsaufkommens und der Schadstoffemissionen öfters zwischen 7.00 und 9.00 Uhr und zwischen 16.00 und 18.00 Uhr als zu anderen Tages- und Nachtzeiten. Pendler sind daher häufig mit einem "80er" konfrontiert.

Verkehrsbeeinflussungsanlage wichtig

Wenn durch einen technischen Defekt keine Steuerung des IG-Luft-Algorithmus möglich ist, wird nach 48 Stunden ersatzweise Tempo 80 nach IG-Luft bis zur Fehlerbehebung verordnet. Dieser Fall trat laut Büro Rössler bisher einmal ein, und zwar Anfang Mai. Die Verkehrsbeeinflussungsanlage wurde aus mehreren Gründen errichtet: Zur Harmonisierung des Verkehrsflusses, um Staus zu vermeiden, zweitens zur Information der Autofahrer über mögliche Gefahren wie z. B. Unfälle - in beiden Fällen ist die Asfinag verantwortlich, und drittens zur Verringerung der Stickstoffoxidbelastung, die im Zuständigkeitsbereich des Landes Salzburg liegt.

Drei neue Radarkabinen aktiv

Zur Überwachung der vorgegebenen Geschwindigkeiten nach "IG-Luft" sind seit wenigen Tagen neben mobilen Kontrollen auch drei neue stationäre Radarkabinen aufgestellt, in denen wechselweise zwei Radarmessgeräte eingesetzt werden können. Die neuen Standorte befinden sich im Bereich Knoten Wals (in beide Fahrtrichtungen) und bei Salzburg Nord, Fahrtrichtung München/Villach. Diese sind alle mit einem Frontblitz ausgestattet und werden mit der jeweilig angezeigten Geschwindigkeit gekoppelt.

Eine der Radarboxen kurz nach der Ausfahrt Flughafen in Fahrtrichtung Villach. / Neumayr/ MMV Salzburg24
Eine der Radarboxen kurz nach der Ausfahrt Flughafen in Fahrtrichtung Villach. / Neumayr/ MMV

Ein Radargerät überwacht schon seit längerem das "fixe" 80er-Tempolimit, das im Bereich des Lieferinger Tunnels gilt. Die Radarkabine steht am Ende des Portals in Fahrtrichtung Wien. "Der 80er im Tunnel erfolgte aus Sicherheitsgründen auf Wunsch der Asfinag. Das hat mit der IG-L-Regelung nichts zu tun", sagte Tschandl. Mit durchschnittlich 100.000 Fahrzeugen pro Tag zähle die A1 in diesem Bereich zu den verkehrsstärksten Autobahnabschnitten in Österreich.

Zudem sei in Zukunft noch mit einem Anstieg des Verkehrsaufkommens zu rechnen. In dem Tunnel wechseln die Fahrzeuglenker häufig die Fahrspuren, es befindet sich dort auch eine Auffahrt. "Weil es sich um einen permanenten 80er nach der Straßenverkehrsordnung handelt, ist für die Bestrafung die Polizei zuständig", sagte ein Mitarbeiter des Informationszentrums im Magistrat Salzburg.

Keine Informationen zu Strafen

Auf städtischem Boden der A1 ist nur ein neues Radargerät aufgestellt. Die jeweilige Bezirksverwaltungsbehörde ist auch nur für Strafen bei einem Verstoß gegen das IG-L-Tempolimit zuständig, ansonsten die Polizei, wurde seitens des Magistrats erklärt. Auf dem Foto des Radargerätes müsse das Kennzeichen, der Lenker und auch die vorgeschriebene Geschwindigkeit am Überkopfanzeiger zu sehen sein. Da die drei neuen Radargeräte erst seit einigen Tagen betriebsbereit seien, könne man noch keine Aussagen über die Anzahl der festgestellten Geschwindigkeitsüberschreitungen treffen. Der Radarkasten bei Hallwang (Bezirk Salzburg-Umgebung) und die dort installierte VBA fällt laut Asfinag nicht mehr in den rund zehn kilometerlangen Streckenabschnitt der A1, in dem der "Luft-80er" verhängt werden kann.

Erste Ergebnisse im Sommer

Eine erste Auswertung über eine erzielte Schadstoffreduzierung will das Land Salzburg im Sommer präsentieren. Ein detailliertes Ergebnis mit Angaben über den Fahrzeug-Anteil, die Geschwindigkeiten und welche Rolle das Wetter spielt, soll ein Jahr nach Inkrafttreten des flexiblen Tempolimits vorliegen. Der dreimonatige Probebetrieb von Tempo 80 von Mitte Februar bis Mitte Mai 2014 ergab einen Rückgang der Stickoxid-Belastung um sechs bis sieben Prozent, was Rössler als einen "großen Erfolg" bezeichnete, auch wenn das Land vor der Testphase noch mit einem 13-prozentigen Rückgang gerechnet hat.

Bereits der Probebetrieb im Vorjahr war umstritten. Vor der Einführung des flexiblen Tempolimits am 4. März hagelte es wieder Kritik, beispielsweise seitens der ÖVP in der Stadt Salzburg, weil viele ausländische Tempobolzer verwaltungsstrafrechtlich nicht belangbar seien, und seitens des ÖAMTC, der Alternativen zu Tempo 80 gefordert hatte. Mittlerweile scheint ein gewisser Gewöhnungseffekt bei den Verkehrsteilnehmern eingetreten zu sein. "Wir bekommen vereinzelt Beschwerden, die meisten davon betreffen aber die Lkw-Fahrer, weil sie zu knapp auffahren", sagte Tschandl. Deshalb will die Asfinag noch eine Abstandsmessanlage fix installieren. (APA)

(Quelle: S24)

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