Jetzt Live
Startseite Stadt
Studie

Salzburger erforscht Wirkung des Lockdown light

Simulation zeigt Ausbreitung von Covid-19

Die Arbeitsgruppe des Salzburger Informatikers Robert Elsässer hat eine Simulation erschaffen, die den weichen Lockdown und dessen Wirkung auf die Ausbreitung von Covid-19 untersucht hat. Die mathematische Modellierung hat ein eindeutiges Ergebnis zu Tage gefördert.

Robert Elsässer und sein Team beschäftigen sich schon seit etlichen Jahren mit der Ausbreitung von Krankheiten in großen Populationen. Die ersten Simulationsläufe zu Covid-19 erstellte Florian Lugstein aus der Arbeitsgruppe „Efficient Algorithms“ kurz vor Weihnachten 2020. Da die Resultate darauf hindeuteten, dass der weiche Lockdown die Infektionswelle nicht brechen kann, konzentrierten sich die Forscher insbesondere auf dieses Szenario und führten in den ersten Jänner-Wochen eine große Anzahl von Simulationen mit unterschiedlichen Parametern durch. Parameter, die variiert wurden, waren zum Beispiel das Ausmaß von Distance Learning, der Anteil von Homeoffice oder die Wahrscheinlichkeit, mit der eine Person zuhause eine andere zuhause ansteckt.

Robert Elsässer Kolarik
Robert Elsässer forscht an der Universität Salzburg.

Die Forscher fokussierten auf die Übertragung von Viren in geschlossenen Räumen, konkret an Schulen, am Arbeitsplatz, und in den Familien. „Wir haben dafür die einschlägige Fachliteratur bezüglich der Übertragungswahrscheinlichkeiten von SARS-CoV-2 über Tröpfchen und Aerosole herangezogen. Darauf aufbauend wurde ein mathematisches Modell entwickelt, das die Altersverteilung in der Stadt Salzburg berücksichtigt, und die Bewegung von Personen zwischen Schule, Arbeitsplatz und Familie zugrunde legt.“

Optimistische und pessimistische Szenarien entwickelt

Für die Übertragungswahrscheinlichkeiten wurden sowohl optimistische als auch pessimistische Szenarien entwickelt. Bei den optimistischen Szenarien in der Arbeitswelt beispielsweise gingen die Forscher davon aus, dass in den Büros die Infektion lediglich über Aerosole weitergegeben wird; die Infektion über Tröpfchen wird mit Hilfe geeigneter Maßnahmen wie Trennglas zwischen den Arbeitsplätzen bzw. Masken verhindert.

„Die Simulationsergebnisse deuten darauf hin, dass selbst bei Best-Case-Annahmen ein weicher Lockdown die Ausbreitungswelle nicht brechen kann - der Prozess wird lediglich verlangsamt“, resümiert Elsässer und führt aus: „Um beispielsweise die Infektionsketten in Schulen zu unterbrechen, müssten im Falle einer nachgewiesenen Infektion die betroffene Klasse sowie alle K1-Kontakte der infizierten Person umgehend in Quarantäne wechseln. Erschwerend kommt hinzu, dass gerade Schülerinnen und Schüler oft keine oder nur sehr milde Symptome zeigen - laut einer Studie der London School of Hygiene & Tropical Medicine ist das bei etwa 79 Prozent der 10-19 Jährigen der Fall - aber das Virus dennoch weitergeben können. Da diese Kinder in der Regel erst getestet werden, nachdem die Eltern sich infiziert haben, scheint sich die Epidemiewelle leider nur mit harten Maßnahmen brechen zu lassen – durch Distance Learning und Homeoffice wo nur möglich“.

Stadt Salzburg dient als Datenbasis

Als Datenbasis dienten Elsässer in erster Linie Details aus der Stadt Salzburg. „Ich habe mir diese Daten angeschaut, weil ich wissen wollte, wie sich die Infektion in der Stadt Salzburg entwickeln würde. Ich habe aber auch österreichische Daten zugrunde gelegt, und da zeigt sich kein großer Unterschied. Wichtig ist allerdings, dass man einen relativ geschlossenen Bereich hat, also zum Beispiel einen städtischen Bereich. Unsere Simulation eignet sich sehr gut für Städte wie Salzburg, Wien oder Linz und weniger gut für ländliche Regionen.“

Eine Herausforderung für die Forscher bestand - neben einem Mangel an neuesten Zahlen zu Homeoffice - insbesondere darin, Daten zur Übertragungswahrscheinlichkeit bei Kindern unter 14 Jahren zu bekommen. Daher arbeiteten die Informatiker auch in diesem Fall mit optimistischen und pessimistischen Annahmen und führten Simulationen für die unterschiedlichen Annahmen durch.

Wann ein Lockdown light Wirkung zeigt

„Die Simulationen zeigen eindeutig, dass ein weicher Lockdown die Infektionswelle erst brechen kann, wenn in etwa 40 Prozent der Population immunisiert wurde. Davor sollte die Ausbreitung der Infektion mit harten Maßnahmen wie Schulschließungen und Homeoffice - zusätzlich zu den weichen Maßnahmen wie Abstand halten, Maske verwenden und Händehygiene - bekämpft werden“, sagt Robert Elsässer und ergänzt „Wir wissen, dass Anfang November von der Bundesregierung ein Lockdown light beschlossen wurde, der jedoch die Ausbreitung der Krankheit lediglich etwas verlangsamt hat. Deutschland hat über Monate versucht, mit einem Lockdown light Herr der Lage zu werden. Erst als Mitte November der harte Lockdown beschlossen wurde, kam es zu einer Verringerung der Neuinfektionen - und genau dieses Phänomen erkennt man auch anhand der Simulationen“.

Noch nicht berücksichtigt in den vorliegenden Simulationen ist die neue Virusmutation B.1.1.7. aus Großbritannien, die aufgrund der höheren Infektionswahrscheinlichkeit den Epidemieverlauf weiter verstärken könnte.

(Quelle: SALZBURG24)

Diese Corona-Verschärfungen gelten ab sofort

Der neue Maskenstandard
Eine Atemschutzmaske der Kategorie FFP2, fotografiert am Donnerstag, 21. Januar 2021, in Zuerich. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Die verschärften Corona-Maßnahmen treten mit dem heutigen Montag in Kraft. Ab sofort gilt für alle ab 14 Jahren, die höherwertigen FFP2-Masken im Handel, in öffentlichen Verkehrsmitteln, bei Dienstleistern wie Kfz-Werkstätten sowie in Ordinationen verpflichtend zu tragen.

Österreich setzt im Kampf gegen die Corona-Pandemie ab sofort auf verschärfte Maßnahmen.

Zwei-Meter-Abstand eingeführt

Ausgenommen von der FFP2-Maskenpflicht sind Schwangere und Personen, denen der entsprechende Schutz aus gesundheitlichen Gründen nicht zumutbar ist. Zudem gilt in der Öffentlichkeit nunmehr ein Zwei-Meter-Abstand. Davon ausgenommen sind Personen, die im gemeinsamen Haushalt leben, sowie nicht im gemeinsamen Haushalt wohnhafte Lebenspartnerinnen und Lebenspartner, einzelne engste Angehörige und einzelne wichtige Bezugspersonen. "Der verbesserte Schutz der Bevölkerung durch die FFP2-Schutzmaske und die Verdoppelung des Mindestabstandes sind die richtigen Antworten auf die sich auch in Österreich ausbreitenden Mutationen, die erhöhtes Infektionsrisiko bewirken. Das braucht besseren Schutz", appellierte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) am Sonntag an die Bevölkerung.

FFP2-Maskenpflicht gilt nun

Das bedeutet, dass FFP2-Masken neben öffentlichen Verkehrsmitteln auch in Fahrgemeinschaften, in Seil- und Zahnradbahnen, in Kundenbereichen von Betriebsstätten des Handels sowie von Betriebsstätten nicht körpernaher Dienstleistungsbetriebe, auf (Indoor- und Outdoor-) Märkten, beim Parteienverkehr von Verwaltungsbehörden und Verwaltungsgerichten, in der Gastronomie beim Abholen von Speisen sowie in Betriebskantinen, und in Beherbergungsbetrieben, die für dringende berufliche Zwecke betreten werden dürfen, getragen werden müssen.

 

Die FFP2-Pflicht gilt erst ab dem Alter von 14 Jahren. Kinder ab sechs Jahren können stattdessen einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Jüngere Kinder müssen den Mund-Nasenbereich nicht abdecken.

Wöchentliche Corona-Tests

Ergänzend zu den schon bisher verpflichtenden Tests im Gesundheits- und Pflegebereich sind nun auch für Arbeitnehmer mit Kundenkontakt (z. B. Handel, Dienstleistungen, Verkehr), Lehrer und Elementarpädagogen, Arbeiter in der Lagerlogistik, sofern der Mindestabstand regelmäßig unterschritten wird, Personen im öffentlichen Dienst im Parteienverkehr und Spitzensportlern (Kontakt- und Mannschaftssport) wöchentliche Berufsgruppentestungen vorgesehen. Dabei gilt: Wer nicht getestet ist, muss eine FFP2-Maske tragen. Für getestete Personen ist ein Mund-Nasen-Schutz ausreichend. Im Gesundheits- und Pflegebereich sind sowohl Testungen als auch FFP2-Masken (bei Kontakt zu Patienten bzw. Bewohnern) vorgeschrieben. Für Bibliotheken ist ab morgen Click&Collect möglich.

So steht es um die Corona-Impfung

Laut Anschober wurden bisher 170.000 Corona-Schutzimpfungen in Österreich durchgeführt. Nach Informationen des Bundeskanzleramts sind zudem zwei Bundesländer mit den Erstimpfungen der Senioren- und Pflegeheime fertig. In der Steiermark wurden in allen 230 Heimen und in Kärnten in allen 76 Heimen alle Bewohner und Bewohnerinnen sowie alle Beschäftigten, die das wollten, mit der sogenannten Grundimmunisierung versorgt. In Vorarlberg sind 48 von 49 Heime mit der Erstimpfung fertig, in Tirol 90 von 97 Heime, in Salzburg 73 von 75, in Niederösterreich 92 von 96 und in Oberösterreich 116 von 123 Heime. Aus Wien und dem Burgenland hat das Kanzleramt keine Zahlen zur Verfügung. "Trotz der Schwierigkeiten bei der Lieferung geht das Impfen in den besonders schutzbedürftigen Gruppen voran. Es gilt: Ältere Menschen zuerst. Wir müssen dranbleiben und dürfen uns nicht entmutigen lassen", sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP).

Laut Anschober wurde in tausenden Fällen auch schon die Zweitimpfung durchgeführt, die nun in den nächsten Wochen im Mittelpunkt steht. In der zweiten Februarhälfte wird damit der Schutz der vulnerabelsten Gruppe in Österreich abgeschlossen sein - das bedeutet viel weniger Erkrankungen und Todesfälle. Die Impfbereitschaft in den Alters- und Pflegeheimen steigt weiter, vielfach wird wegen steigender Impfbereitschaft noch ein dritter Impftermin in den Heimen angeboten, so der Gesundheitsminister. "Mit Stand heute wurden bereits über 80 Prozent der durchgeführten Corona-Schutzimpfungen in den e-Impfpass eingetragen.

Aufgerufen am 27.10.2021 um 09:59 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/stadt/so-wirkt-sich-der-lockdown-light-auf-die-corona-pandemie-aus-98859097

Kommentare

Mehr zum Thema