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Sonderzug um Mitternacht bleibt in Salzburg - bisher Sonderzüge nach Deutschland durchgefahren

Alle Züge, die bisher am Salzburger Hauptbahnhof ankamen, sind weitergefahren. Wie die Einsatzleitung soeben mitteilt, bleibt der gegen 24 Uhr am Salzburger Hauptbahnhof ankommende Zug dort stehen. Es wird nicht nach München weiter gefahren. Für die im Zug befindlichen Flüchtlinge stehen insgesamt 520 Feldbetten im Bahnhofsgebäude sowie im Zelt am Bahnhofsvorplatz zur Verfügung. 

Man werde sich besonders um Frauen und Kinder kümmern, wie die Stadt Salzburg in einer Aussendung mitteilt. Die Flüchtlinge könnten bis zur Weiterfahrt am frühen Morgen auch im Zug übernachten. Der bleibe selbstverständlich die ganze Nacht über beheizt. Laut dem Roten Kreuz werden am Salzburger Hauptbahnhof keine Sachspenden mehr für Flüchtlinge benötigt.

SALZBURG HILFT: Letzter Flüchtlingszug bleibt um 24 Uhr am Hauptbahnhof - Versorgung mit Schlafplätzen und Zelt...

Posted by Stadt Salzburg.at on Samstag, 5. September 2015

Bereits 4.300 Flüchtlinge am Samstag

Am Salzburger Hauptbahnhof ist am Samstag die Weiterfahrt von Flüchtlingen mit Zügen nach Deutschland reibungslos verlaufen. "Allein in den vergangenen Stunden haben 1.000 Flüchtlinge Salzburg passiert, insgesamt passierten am heutigen Tag bereits 4.300 Personen den Salzburger Hauptbahnhof", berichtete der für die Koordination zuständige Landesrat Josef Schwaiger (ÖVP) am frühen Abend.

Bisher alle Züge weitergeführt

Die Lage am Bahnhof sei sehr ruhig, der Regelbetrieb laufe ohne große Beeinträchtigungen. Bisher wurden alle Züge von der Deutschen Bahn weitergeführt. Das gelte auch für die Züge, die noch nach Salzburg unterwegs seien, sagt ÖBB-Sprecher Rene Zumtobel zur APA. Um 21.30 Uhr werde der nächste Sonderzug in Salzburg ankommen. Die Flüchtlinge müssten in Salzburg lediglich in eine andere Garnitur umsteigen, die um 22.00 Uhr weiter nach Deutschland fahre. Auch ein Zug, der um 23.00 Uhr in Salzburg ankommt, werde von der Deutschen Bahn weitergeführt. Laut aktuellen Informationen der Stadt befinden sich noch rund 3.800 Flüchtlinge in den Zügen.

Zelt vor dem Hauptbahnhof steht./Stadt Salzburg Salzburg24
Zelt vor dem Hauptbahnhof steht./Stadt Salzburg

Hilfsbereitschaft reißt nicht ab

Die Welle der Hilfsbereitschaft am Bahnhof reißt nicht ab: Immer noch kommen Menschen vorbei um Kleidung, Schuhe, Essen und Trinken vorbeizubringen. In der Bahnhofshalle stehen Einkaufswagen voll mit Kleidung und Schuhe, mit beschrifteter Schuhgröße. Benötigt werden derzeit hauptsächlich Decken und warme Winterkleidung, falls Flüchtlinge wirklich die Nacht am Bahnhof verbringen müssten. Bisher wurden 13 Personen medizinisch versorgt - hauptsächlich wegen Bauchschmerzen oder Übelkeit.

Das am Freitag eröffnete Flüchtlingsquartier in Salzburg Kasern sei für die Flüchtlinge aus den Zügen derzeit kein Thema, heißt es von der Salzburger Polizei. Aufgrund der Erfahrungen in Ungarn würden sie nicht freiwillig in Busse steigen, um in ein Lager gebracht zu werden.

Salzburger helfen Flüchtlingen am Hauptbahnhof

Etwa eine viertel Stunde lang hielt der Sonderzug am Bahnsteig neun. Zahlreiche Helfer reichten den Flüchtlingen im Zug Decken, warme Kleidung, Essen und Wasser. Im Untergeschoss des Bahnhofes standen dutzende Feldbetten bereit, die aber nicht gebraucht wurden. Auch zwei weitere Züge, die am Vormittag nach Salzburg unterwegs waren, sollten ebenfalls durchfahren. Bisher haben rund 1.000 Flüchtlinge Salzburg in Richtung Deutschland passiert, zwei Personen haben einen Asylantrag gestellt, informierte die Polizei am Mittag.

Die Flüchtlinge wurde mit Decken, Klamotten, Essen und Trinken versorgt. /NEUMAYR/MMV Salzburg24
Die Flüchtlinge wurde mit Decken, Klamotten, Essen und Trinken versorgt. /NEUMAYR/MMV

Hilfsorganisationen versammeln sich am Hauptbahnhof

Am Bahnhof haben sich Helfer des Roten Kreuzes, der Caritas und Freiwillige eingefunden. Auf großen Tischen in der Bahnhofshalle bereiteten sie am frühen Vormittag Versorgungspäckchen für die Flüchtlinge vor. Zahlreiche Firmen und Private hatten Spenden vorbeigebracht. "Im Land Salzburg sind alle Vorkehrungen bestmöglich getroffen, um diese Sondersituation gut abzuarbeiten. Eine weitere entscheidende Phase wird am Abend eintreten, falls Flüchtlinge in Salzburg in der Nacht betreut werden müssen", so Landesrat Schwaiger, der in Vertretung für Landeshauptmann Wilfried Haslauer die Hilfsaktion koordiniert.

Bereits vergangene Woche machten Flüchtlinge Stopp in Salzburg. /FMT-Pictures/MW Salzburg24
Bereits vergangene Woche machten Flüchtlinge Stopp in Salzburg. /FMT-Pictures/MW

ÖBB-Sonderzüge für Flüchtlinge

Kurz nach 6.00 Uhr stand der Zug noch in Nickelsdorf und wartete auf die Flüchtlinge. Ein weiterer Sonderzug der Bahn stand in Bruck an der Laitha bereit. Sobald der erste abgefahren ist, wird dieser laut Horner nach Nickelsdorf gebracht. Mit diesem Sondergarnitur sollen dann weitere Flüchtlinge zum Wiener Westbahnhof fahren. "Diese zwei Züge haben wir jetzt fix eingeplant", sagte Horner. Die weiteren Entwicklungen müsse man abwarten, noch sei die Lage nicht realistisch einschätzbar. Unterdessen erreichten nach Angaben der Sprecherin im Laufe der Nacht bereits in Bussen rund 100 Flüchtlinge den Wiener Hauptbahnhof.

Kanzler Faymann fordert Ungarn zum Handel auf

Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) sagte am Freitagabend nach einem Telefonat mit dem ungarischen Premier Viktor Orban gegenüber dem ORF-Radiosender "Ö3", er habe mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel beschlossen, "dass wir die Grenzen nicht dicht machen, sondern auf. Das ist ein Notfall." Berlin bestätigte die Entscheidung. Die meisten Flüchtlinge würden wohl nach Deutschland weiterreisen, meinte Faymann gegenüber "Ö3". Manche könnten aber wohl in Österreich bleiben. "Und das ist auch gut so", erklärte der Regierungschef. Bezüglich einer möglichen Unterbringung der Migranten gebe es eine enge Zusammenarbeit mit dem Innenministerium.

Dubliner Abkommen als Grundlage

"Im Übrigen erwarten wir, dass Ungarn seinen europäischen Verpflichtungen, einschließlich der Verpflichtungen aus dem Dubliner Abkommen nachkommt", stellte der Bundeskanzler klar. "Zugleich aber erwarten wir von Ungarn die Bereitschaft, die bestehenden Belastungen auf der Basis der von der Europäischen Kommission angestrebten fairen Verteilung der Flüchtlinge und des geplanten Notfallmechanismus zu lösen, zu dem wir heute einen Beitrag leisten." Die Dublin-Verordnung sei durch die wegen der "Notlage" getroffene Entscheidung, den Flüchtlingen aus Ungarn die Weiterreise nach Österreich und Deutschland zu ermöglichen, nicht "per se" außer Kraft gesetzt, hieß es. Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) hatte zuvor per Aussendung auch klar gestellt, dass Österreich weiter an den Dublin-Regeln festhalte. Diese sieht vor, dass derjenige EU-Staat für ein Asylverfahren zuständig ist, in dem ein Asylbewerber erstmals europäischen Boden betritt. Die Flüchtlingskrise in Ungarn hatte sich am Freitag weiter zugespitzt. Vom Budapester Ostbahnhof aus marschierte ein langer Zug von Migranten in Richtung Westgrenze.

Generalmajor Fasching: "Wir sind darauf vorbereitet"

Im Burgenland bereiteten sich in der Nacht auf Samstag Polizei und Rotes Kreuz auf das Eintreffen von Flüchtlingen aus Ungarn vor, die in Bussen zur österreichischen Grenze gebracht werden sollen. "Wir haben aber keine gesicherten Informationen, wie viele Busse das sind, wie viele Flüchtlinge das sind. Das geht von 800 bis zu 3.000", so Landespolizeidirektor-Stellvertreter Werner Fasching zur APA. "Wir sind darauf vorbereitet", so Generalmajor Fasching. Seitens der Polizei werde man, wenn die Flüchtlinge in Österreich ankommen, auf die Versorgung schauen, "das heißt, ob sie Essen und Trinken benötigen und im zweiten Schritt, ob sie medizinische Versorgung brauchen."  Dann werde man sie befragen, ob sie Asyl in Österreich wollen. "Wenn dem so ist, dann werden wir sie in eine unserer Aufarbeitungsdienststellen bringen." Wenn sie nicht um Asyl ansuchen, werde man sie weiter nach Wien bringen. Die österreichische Polizei sei mit ihrem Verbindungsbeamten in Budapest in Kontakt: "Der versorgt uns mit den notwendigen Informationen." Wann die Flüchtlinge eintreffen, könne man vorerst noch nicht sagen.

(APA/SALZBURG24)

 
(Quelle: S24)

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