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Sperrstunde um 22 Uhr

Salzburger Nachtgastro steht vor dem Ende

Lokalbetreiber: "Sie wollen, dass wir zusperren"

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Nachdem die Sperrstunde auf 22 Uhr vorverlegt wurde, seht die Salzburger Nachtgastronomie vor dem Aus. (SYMBOLBILD)

In Salzburg, Tirol und Vorarlberg wird die Sperrstunde auf 22 Uhr vorverlegt. Das verkündeten die drei ÖVP-Landeshauptleute am Dienstag in einer gemeinsamen Aussendung. Bei der Salzburger Gastronomie stößt das Vorgehen auf harsche Kritik.

Salzburg

Im Bundesland Salzburg steigen die Covid-19-Infektionen, die Landeshauptstadt gilt dabei als Hotspot und ist aktuell als einziger Bezirk im Land in der Corona-Ampel gelb eingefärbt. Gerade in den letzten Tagen stieg die Zahl der Neuinfektionen unter jüngeren Leuten, so mussten bereits mehrere Schulklassen in Teilquarantäne geschickt werden, für mehrere Lokale in der Stadt gab es zuletzt einen Corona-Aufruf.

Salzburg, Tirol und Vorarlberg verlegen in Abstimmung mit der Bundesregierung die Sperrstunde in der Gastronomie von...

Gepostet von Wilfried Haslauer am Dienstag, 22. September 2020

Gastronom: Betrieb bis 22 Uhr nicht möglich

Mit der ab Freitag in Kraft tretenden Maßnahme soll die Sperrstunde in den Lokalen und Bars nun auf 22 Uhr vorverlegt werden. "Das ist ein Witz. Sie wollen, dass wir zusperren", ärgert sich Franz Grubinger, Besitzer der Bars Flip und Soda Club in der Landeshauptstadt im Gespräch mit SALZBURG24. Ein Betrieb bis 22 Uhr sei für die Nachtgastronomie nicht durchführbar.

 

"Man sperrt ganz Salzburg zu"

Dabei hätten die Lokale und Bars auf die Corona-Maßnahmen bereits reagiert. "Wir haben extra Tische und Hocker eingekauft, da ja nun jeder sitzen muss. Dafür wurden tausende Euro ausgegeben", führt Grubinger weiter aus. Dass Polizei und Ordnungsamt es nicht gelingt, jene zu strafen, die sich über die Regelungen hinwegsetzen, stößt bei dem Gastronom auf Unverständnis. "Obwohl es Strafen bis zu 30.000 Euro gäbe, kapituliert man vor den Uneinsichtigen und sperrt ganz Salzburg zu."

Sperrstunde vorverlegt: Verständnis bei der WKS

Verständnis für die radikalen Maßnahmen der drei Bundesländer hat Ernst Pühringer, Obmann der Fachgruppe Gastronomie in der Wirtschaftskammer Salzburg (WKS): "Es war fast klar, dass irgendeine Reaktion kommen muss vor dem Hintergrund, dass unter allen Umständen vermieden werden muss, dass für das Bundesland Salzburg eine Reisewarnung ausgesprochen wird. Das hat absolute Priorität."

Pühringer: "Das ist ein Desaster"

Die Vorfälle an den vergangenen Wochenenden hätten gezeigt, dass man die Entwicklung der Corona-Fallzahlen wieder in normale Höhen bringt. "Eine Reisewarnung, wie sie nun seitens der deutschen Regierung angedacht ist, das wäre ein Katastrophe", führt Pühringer weiter aus. Für die Betreiber der Nachtlokale zeichnet sich mit der Vorverlegung der Sperrstunde allerdings schon jetzt eine Katastrophe ab. Pühringer: "Das ist ein riesen Desaster."

Mitarbeiter vor Kündigung?

In Flip und Soda Club standen am Dienstag alle Angestellten vor der Kündigung. Nach einem gemeinsamen Treffen mit anderen Lokalbetreiber entschied sich Franz Grubinger allerdings anders: "Wir werden aufsperren, und zwar von 18 Uhr bis 22 Uhr. Wir probieren das, auch den Gästen und Angestellten zuliebe", gibt sich der Salzburger Gastronom kämpferisch.

(Quelle: SALZBURG24)

Sperrstunde in Salzburgs Lokalen um 22 Uhr

Cocktail, Bar, Party, SB Pixabay/CC0
(SYMBOLBILD)

Die drei westlichen Bundesländer legen die Sperrstunde wegen der steigenden Corona-Zahlen auf 22.00 Uhr vor. Das verkündete der Salzburger Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) am Dienstag gemeinsam mit seinen Amtskollegen Markus Wallner (Vorarlberg) und Günther Platter (Tirol) in einer Aussendung mit dem Kanzleramt.

Haslauer betont die Notwendigkeit dieser Maßnahme. Eine der größten Verbreitungsgefahren sei auf ausufernde Feiern in Nachtlokalen zurückzuführen ist. Es gelte Reisewarnungen – vor allem von deutscher Seite – sowie einen zweiten Lockdown zu verhindern.

Salzburg, Tirol und Vorarlberg verlegen in Abstimmung mit der Bundesregierung die Sperrstunde in der Gastronomie von...

Gepostet von Wilfried Haslauer am Dienstag, 22. September 2020

Die Maßnahme soll vorerst auf drei Wochen befristet sein und mit kommenden Freitag in Kraft treten. Bisher mussten die Lokale um 1.00 Uhr schließen.

 

Bundesregierung heißt Maßnahme gut

Die lokalen Maßnahmen werden durch eine Verordnung des Gesundheitsministerium ermöglicht und von der Regierung auch unterstützt. Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) nannte es in der gemeinsamen Aussendung "gut", dass drei Bundesländer bei der Vorverlegung der Sperrstunde vorangingen. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hofft, dass andere Bundesländer, insbesondere jene mit hohen Infektionszahlen, diesem Beispiel folgen, so der VP-Chef wohl mit Blick auf Wien.

Für Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) ist klar, dass die erneute Einschränkung für die ohnehin gebeutelte Gastronomie ein schwerer Schlag sei: "Wir müssen diese Maßnahme aber ergreifen, um die Infektionszahlen in den Griff zu bekommen und wieder abzusenken."

Eigenverantwortung nehme bei späterer Sperrstunde ab

Auch der Vorarlberger Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) sieht eine zwingende Notwendigkeit der Maßnahme. Bei der Auswertung der verschiedenen Cluster habe sich deutlich gezeigt, dass gerade zu später Stunde die Eigenverantwortung stark abnehme: "Mit der Einschränkung der Sperrstunde sehen wir uns gezwungen, dieser Entwicklung entgegenzuwirken."

Aufgerufen am 16.04.2021 um 12:24 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/stadt/sperrstunde-um-22-uhr-salzburger-nachtgastro-steht-vor-dem-ende-93173281

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