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Sprachförderung für Volksschüler: Pilotprojekte der Stadt Salzburg starten

Mit neuen Projekten will die Stadt Salzburg Volksschulkinder im erlernen der deutschen Sprache unterstützen. Bilderbox
Mit neuen Projekten will die Stadt Salzburg Volksschulkinder im erlernen der deutschen Sprache unterstützen.

„Wir können nicht zuschauen, wie sich mitten in unserer Gesellschaft eine immer größere Gruppe von MitbürgerInnen bildet, die uns nicht wirklich versteht“ – so begründet Salzburgs Bürgermeister Heinz Schaden am Donnerstag den Einstieg der Stadt in die Sprach- und Leseförderung von Kindern im Volksschulalter.

„Und wir respektieren grundsätzlich die bestehenden Initiativen in diesen Bereich, die es im Schulwesen bereits gibt. Aber alle Studien und Untersuchungen bestätigen uns, dass es dennoch wachsende Defizite gibt. Als Schulerhalter sind Städte und Gemeinden eigentlich nur für die `hardware` zuständig. Wir mischen uns nun aber auch mit ein paar Pilotprojekten zur Sprach- und Leseförderung ein und kooperieren mit dem Landesschulrat – einfach weil wir von deren Notwendigkeit überzeugt sind“, ergänzt Schaden. Die Dimension der Aufgabe für die Schulpolitik wird durch die aktuellen Zahlen verdeutlicht: An den städtischen Volksschulen werden im gerade begonnenen Schuljahr 5084 Buben und Mädchen unterrichtet, 2416 von ihnen (47,5 %) sprechen eine nichtdeutsche Muttersprache. 734 Kinder sind zum Zusatzunterricht in der eigenen Muttersprache angemeldet, für 2352 Kinder haben die Schulen einen Sprach-Förderbedarf gemeldet.

Sprachförderung in den ersten 10 Lebensjahren

Für das Erlernen von Sprache sind die ersten 10 Lebensjahre entscheidend. In diesen Jahren wird Sprache/werden Sprachen leichter und spielerischer erlernt und „dauerhafter“ abgespeichert. Studien belegen weiters, dass erst nach einer Förderdauer von mind. 6 Jahren von einem nachhaltigen Fördererfolg ausgegangen werden kann. Fördermaßnahmen müssen daher kontinuierlich stattfinden.

Mit Schuleintritt sollten alle Kinder soweit Deutsch sprechen und verstehen können, dass sie dem Unterricht gut folgen und sich aktiv daran beteiligen können, sowie in sozial angepasste Interaktion mit den MitschülerInnen treten können. Andernfalls werden Defizite aufgebaut und mitgeschleppt (sowohl sprachlich wie auch in Hinblick auf Kenntnisse und soziale Integration), die mit fortlaufendem Bestehen immer schwieriger ausgeglichen werden können. Für die weitere Bildungs- und Schullaufbahn ist essentiell, dass die Grundfertigkeiten Lesen, Schreiben und Rechnen am Ende der Volksschule beherrscht werden. Um diese Ziele besser erriechen zu können, implementiert die Stadt Salzburg einige Pilotprojekte:

Deutschsprachkurse für Volksschüler

Hintergrund: Während der langen Ferienzeiten zwischen den Schuljahren bzw. zwischen KG und Schuljahr werden bereits erworbene Sprachkenntnisse mitunter wieder etwas verschüttet (betrifft v.a. Migrantenkinder). In den ersten beiden Schulwochen soll gezielt an den Deutschfertigkeiten gearbeitet werden, damit der Schulstart gut verläuft und nicht bereits am Anfang Defizite aufgebaut werden. (Anm: Ist auch ein Signal an Eltern, die oftmals besorgt sind, ob der Unterrichtsfortschritt durch schlechte Deutschkenntnisse aufgehalten würde.)

Das Pilotprojekt wird in den Volksschule Lehen 1, VS Lehen 2, VS Pestalozzi angeboten und von der Volksshochschule umgesetzt. Mit einer Gruppengröße von max. 10 Kindern und je 30 Unterrichtseinheiten kann individuell auf die Bedürfnisse der Kinder eingegangen werden, so Dr. Nicole Slupetzky.

Darüber hinaus bietet die Volkshochschule eine Reihe von Angeboten in den Bereichen der Basis-Bildung. „Mit Angeboten wie Sommerkurse, bei denen Hauptschüler Innen speziell auf das neue Schuljahr vorbereitet werden oder Alphabetisierungskurse, Hauptschulabschluss oder Deutsch als Fremdsprache war die Volkshochschule in Salzburg schon immer ein Bindeglied zwischen den verschiedenen Gesellschaftsschichten. Eine Aufgabe die wir auch in Zukunft mit vollem Engagement wahrnehmen werden,“ so Mag. Günter Kotrba, Direktor der Volkshochschule.

Angebote in der Nachmittagsbetreuung

In der schulischen Nachmittagsbetreuung werden seit dem Sommersemester 2012 im Rahmen der Freizeitstunden erstmals Kulturprojekte für die Schülerinnen und Schüler der städtischen Pflichtschulen angeboten. Bewusst wir dabei die Zusammenarbeit mit externen Personen (schulfremden Personen) gesucht.

Einen Schwerpunkt stellen dabei Projekte zur Stärkung der Kompetenzen im Lesen und Schreiben sowie in Sprache, Ausdruck und Kommunikation dar. Diese Schwerpunkte sollen nicht als zusätzlicher Unterricht oder Fördermaßnahme angeboten werden sondern im Rahmen von attraktiven Freizeitprojekten vermittelt werden. Im Freizeitbereich steht daher nicht die Leseförderung oder das Lesetraining im Vordergrund, diese Kompetenzen sollen vielmehr als „Nebeneffekt“ in einem sinnvollen Freizeitangebot gestärkt werden.

Dazu gehören unter anderem:

  • die Kinderlesepatinnen und –paten: Schüler lesen Mitschülern, Kindergartenkindern, Senioren vor
  • verstärktes Angebot im Rahmen der ungebundenen Freizeit die Schulbibliothek zu benutzen und frei zu lesen
  • Selbständiges lesen und verstehen von neuen Bastel-/Spielanleitungen, Kochrezepten
  • Beschreibungen und Erklärungen in Museen, Galerien,
  • Folgende zusätzliche Projekte (zur „Leseförderung“) wurden heuer im Rahmen der Freizeitstunden durchgeführt:
  • Theaterworkshops
  • Sprachspiele
  • Kinderradiosendung
  • Schreibwerkstatt

Im Sommersemester 2012 nahmen an den Projekten rund 450 Schülerinnen und Schüler von 15 Schulen teil. Leider konnten nicht alle eingereichten Projekte durchgeführt werden, da der Andrang der Schulen wesentlich höher war als erwartet.
Für das WS 2012 ist die Weiterführung der Projekte geplant. Zusätzlich sollen neue Kooperationen gefunden werden (Stadtbücherei, Literaturhaus, Institut für Medienbildung, ARTGenossen, …).

LesepatInnen an den Volksschulen

Das Konzept des Landesschulrats zielt darauf ab, dass ehrenamtliche LesepatenInnen in den Volksschulen nach eigener Maßgabe ihrer Zeitressourcen für ausgewählte SchülerInnen zur Verfügung stehen um ihnen vorzulesen, beim Lesen zuzuhören, über Gelesenes zu sprechen und generell ihre eigene Begeisterung für das Lesen weiter zu geben. In der Initiierung der Lesepatenschaften sind im Bundesland Salzburg alle notwendigen Implementierungsschritte vollzogen. Besonders die Salzburg Stadt war und ist ein besonderes Anliegen, hier wurde gestartet, es läuft bereits der zweite Ausbildungszyklus. Im Sinne eines geordneten und guten Ablaufs ist es ungemein wichtig, die Umsetzung eines so großen Projekts für das Bundesland in überschaubaren Schritten zu vollziehen.

Um die Qualität der LesepatInnen zu sichern, aber auch um den Ablauf an den Schulen zu erleichtern, ist eine kurze Ausbildung für die Lesepatinnen dringend erforderlich. Auswahlkriterien für die LesepatInnen gibt es a priori nicht, die Liebe zum Lesen und die Absicht ehrenamtlich zu arbeiten sind logische Eingangsvoraussetzungen.

In der Praxis übernehmen die LesepatInnen „Stationen“ in den Wochenplänen der Volksschul-, in den sie einzelne Kinder individualisiert im Leselernprozess unterstützen. Damit kann gewährleistet werden, dass Kinder die so wichtige Einzelunterstützung im Erstleseprozess bekommen. Die Eltern der Kinder werden über das Zusatzangebot durch den/die klassenführende/n LehrerIn beim Elternabend informiert.

Ergänzt wird das Angebot durch Initiativen wie dem „Rucksackprojekt“ an den Kindergärten und Aktivitäten im Bereich der Leseförderung an der Stadtbibliothek.

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 02.03.2021 um 07:05 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/stadt/sprachfoerderung-fuer-volksschueler-pilotprojekte-der-stadt-salzburg-starten-41795266

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