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Schlüssel zu tieferen Welten

Tag der Tolkien-Lektüre: Lesen im Lockdown

Salzburger Buchhändler Gabor Schuster im Gespräch

Buchhaändler ​Gabor Schuster Buchhandlung Neues Leben
Buchhändler Gabor Schuster.

Mehr Zeit zu Hause und weniger Arbeit – man möchte meinen, dass im Lockdown nicht nur mehr Filme gesehen werden, sondern auch mehr gelesen wird. Ob das tatsächlich so ist, was am Liebsten gelesen wird und was der Tolkien-Lektüre-Tag damit zu tun hat, danach hat Frederik Friesenegger den Salzburger Buchhändler Gabor Schuster von der Buchhandlung "Neues Leben" befragt.

Salzburg

von Frederik Friesenegger

Wer kennt sie nicht –  die Romanklassiker von J. R. R. Tolkien, dem Vater der modernen Fantasy? Ob "Der Herr der Ringe" und "Der Hobbit", die mit großem Aufwand verfilmt wurden, oder seine zahlreichen Kinderbücher: Tolkien, der sein Hauptwerk in den 1950er-Jahren verfasste, ist bis heute unvergessen. Die britische Tolkien Society veranstaltet daher jedes Jahr am 25. März den "Tag der Tolkien-Lektüre". Der 25. März ist kein zufällig gewähltes Datum: An diesem Tag wurde in der Romanreihe "Der Herr der Ringe" der böse Gegenspieler Sauron endgültig besiegt und die Länder der Welt Mittelerde von seiner Herrschaft befreit. Der "Tolkien Reading Day" ist dem gemeinsamen Lesen von Tolkiens Werken gewidmet und lädt ein, seine umfangreichen und historisch inspirierten Welten zu erkunden.

Die Gedanken über das Alltägliche hinwegheben

"Tolkien war mit ein Grund, dass ich Buchhändler geworden bin", bekennt Gabor Schuster, der die Buchhandlung Neues Leben leitet. Er habe in einer öden Plattenbaukaserne seinen Grundwehrdienst abgeleistet und ein junger Kamerad, dem man seine Lesebegeisterung gar nicht zugetraut hätte, habe ihm jeden Morgen voller Leidenschaft von den neuesten Geschehnissen aus seiner "Der Herr der Ringe"-Lektüre berichtet.

"Eines Morgens rief er mir zu: 'Gandalf lebt!' und war ganz aufgeblüht, völlig losgelöst von allen Bedrängnissen und dem Druck. Es war ein positives Erweckungserlebnis, was Literatur vermag und welche Erlebnismöglichkeiten sie bietet." Schuster sinniert: "Warum lohnt es sich, erfundenen Ereignissen nachzugehen? Wir wissen, dass der Geist eine große Rolle in der Welt spielt. Der Schlüssel zu tieferliegenden Welten lag in der Kaserne auf dem Tisch in Form der grünen Tolkien-Romane und auch ein Mensch in einer Kaserne wird dadurch bezaubert und erhebt seine Gedanken über das Alltägliche hinweg."

Die Buchhandlung als Begegnungsort

Der Buchhändler sieht es als Privileg, mit Büchern handeln zu dürfen, er verkaufe Lebensgefühle, Erfahrungen, Perspektiven, erklärt er: "Eine Figur, die man liebt, verhilft zur Selbsterziehung – Wie würde eine Figur und der oder der Situation handeln?" Tolkien werde nach wie vor nachgefragt, auch gerade von der jüngeren Generation, aber auch vermehrt Dystopien über gesellschaftliche Horrorvisionen und Diktaturen sowie Klassiker der Weltliteratur und Philosophie. Schuster selbst empfiehlt, es doch einmal auch mit literarischen Briefwechseln zu versuchen: "Da erfährt man am Meisten, es hat einen Bezug zur Welt und man bekommt eine Ahnung, was das Leben bieten kann." Zur aktuellen Situation befragt, berichtet Schuster, dass die Buchhandlungen generell mit den Auflagen zu kämpfen haben: "Mit Maske schmökern geht nicht, weil man gar nicht mehr die Atemluft dafür hat. Die Buchhandlung als Begegnungsort ist zur Zeit sehr schwierig – das ist sehr schade, weil das eine wesentliche Eigenschaft einer Buchhandlung ist."

(Quelle: SALZBURG24)

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